Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg

Literaturfestival in Frankenberg eröffnet: Aber alles anders als sonst

Literarischer Frühling: Thea Dorn las bei der Eröffnungsveranstaltung am Freitag in der Kulturhalle Frankenberg aus ihrem Briefroman „Trost“.
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Literarischer Frühling: Thea Dorn las bei der Eröffnungsveranstaltung am Freitag in der Kulturhalle Frankenberg aus ihrem Briefroman „Trost“.

Die wegen des Coronavirus mehrfach verschobene Leserreihe „Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg“ ist offiziell eröffnet worden - mit „Trost“ und einem Lob aufs Landleben.

Frankenberg – „In diesem Jahr ist alles anders als sonst.“ Mit diesen Worten hat Festivalleiterin Christiane Kohl am Freitagabend offiziell den „Literarischen Frühling in Waldeck-Frankenberg“ eröffnet, bevor die angesehene Schriftstellerin und TV-Moderatorin Thea Dorn aus ihrem Briefroman „Trost“ las, in dem es um die Untröstlichkeiten in der Coronazeit geht.

Genau wegen Corona war die eigentlich für April 2020 geplante Lesereihe mehrfach verschoben worden und wird nun in zwei Blöcken nachgeholt. Der erste Block findet vor allem an diesem Wochenende und noch bis Montag, 5. Juli, statt, der zweite Anfang September.

Anders als bei der letzten Eröffnungsveranstaltung des Literaturfestivals mit Elke Heidenreich und Hubertus Meyer-Burckhard im April 2019 war zum Beispiel die Zuschauerzahl: Damals war die Kulturhalle in Frankenberg mit 500 Menschen vollbesetzt, am Freitag waren es knapp 80.

Das Virus schrecke Besucher trotz des Hygienekonzepts – Gäste müssen einen aktuellen Coronatest, eine Impf- oder Genesenenbescheinigung vorweisen – ab. Etliche Karteninhaber, die ihre Tickets schon 2020 erworben hatten, kämen nicht zu den Veranstaltungen. Manche habe vielleicht auch die Information über die Änderungen nicht erreicht, sagte Kohl und wies auf die „sportliche Herausforderung“ hin, die die mehrfachen Terminänderungen für die Organisatoren bedeuteten. „Für uns ist es schon ein Wert an sich, dass das Festival stattfindet“, betonte sie.

Diesen Wert bestätigte auch Landrat Dr. Reinhard Kubat und dankte den Veranstaltern, dass sie trotz aller Widrigkeiten das Festival ermöglichten, dass sie Widerstandskraft gezeigt hätten. Diese Widerstandskraft werde auch künftig gebraucht, insbesondere bei der großen Herausforderung, die durch den Klimawandel auf uns zukomme. „Literatur und Kunst haben dabei eine wichtige Aufgabe als Brückenpfeiler“, betonte der Landrat.

Christiane Kohl sagte in ihrer Eröffnungsrede, dass mit der Pandemie die Globalisierung „in unsere kleine Welt der Heimat“ eingebrochen sei. Das habe aber auch die positive Folge, dass das Landleben nun mehr geschätzt werden. „Landleben hat Zukunft“, sagt sie.

Dass sich auf dem Land die Coronabeschränkungen leichter aushalten lassen, als in der Stadt, bestätigte auch die Autorin Thea Dorn, die seit 30 Jahren in Berlin lebt. Sie flüchtete in den vergangenen 15 Monaten vier bis fünf Mal aufs Land – ins Lengeltal bei Ellershausen. In einer Ferienwohnung von Christiane Kohl schrieb sie große Teile ihres Briefromans „Trost“. Ein Roman, in der die Briefschreiberin untröstlich ist über den plötzlichen Coronatod der Mutter und die Zumutungen des Virus und des Leids generell.

Im Gespräch mit Klaus Brill, Mitorganisator des Festivals, schilderte Thea Dorn, dass sie sich in den Schreibpausen in der Natur im Lengeltal erholte und „Trost beim Ponystreicheln und -füttern“ fand – zumindest ein bisschen.

Service: Für alle Veranstaltungen des Literarischen Frühlings gibt es noch Karten an der Abendkasse. literarischer-fruehling.de

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