Kritik, aber auch Lob für Entscheidung

Corona-Lockdown ab Mittwoch: Reaktionen aus dem Frankenberger Land

Frankenberger Fußgängerzone
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In der Frankenberger Fußgängerzone war am Montagdeutlich mehr los als in den Wochen zuvor. Die Passanten nutzten den vorletzten Öffnungstag vieler Geschäfte vor dem Lockdown, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Noch in dieser Woche tritt in Waldeck-Frankenberg der harte Corona-Lockdown in Kraft. vor allem der Einzelhandel fühlt sich überrumpelt.

Waldeck-Frankenberg – Der neue Lockdown in Hessen, der am Sonntag beschlossen wurde und ab Mittwoch gilt, war am Montag das große Thema in Betrieben und im Einzelhandel, in Schulen und Kitas, in Familien, Rathäusern und auf den Straßen Waldeck-Frankenbergs. Wir haben dazu im Frankenberger Land einige Stimmen eingefangen.

„Der Lockdown noch vor Weihnachten hat den Einzelhandel überrascht“, sagte André Kreisz, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins in Frankenberg. „Wir bringen seit März Sonderopfer und sind mittlerweile sehr unzufrieden mit der Lastenverteilung. Wir werden Opfer schlechter Strategien und Entscheidungen“, lauteten seine – „bei allem Respekt“ – deutlichen Worte für die Landes- und Bundespolitik.

Corona-Lockdown in Waldeck-Frankenberg: Friseure bangen um Existenz

Ab Mittwoch müssen auch die Friseure schließen. Viele öffneten ausnahmsweise am Montag und bemühten sich schon am Sonntag, noch möglichst viele Termine mit ihren Kunden zu vereinbaren. Dabei geht es nicht nur um schöne Frisuren für Weihnachten, sondern vor allem um die Existenz mancher Salons.

„Für kleine Betriebe wird es sicherlich schwer, zum zweiten Mal im Jahr einen solchen Lockdown zu bewältigen“, sagte Nadine Ruggeri-Mereu, die den Friseursalon Althaus in Allendorf-Eder betreibt.

„Für kleine Betriebe wird es sicherlich schwer, zum zweiten Mal im Jahr einen solchen Lockdown zu bewältigen.“

Nadine Ruggeri-Mereu, Friseursalon Althaus in Allendorf-Eder 

Corona-Lockdown in Waldeck-Frankenberg: Lob von den Schulen

Schulen und Kitas bleiben in Hessen bis Freitag grundsätzlich offen; dann beginnen sowieso die Weihnachtsferien. An den Schulen entfällt ab morgen aber die Präsenzpflicht. „Es hätte schon viel früher gehandelt werden müssen“, findet Ronja Fock, Schulsprecherin der Edertalschule. „30 Leute in einer Klasse, das ist einfach zu viel.“

Viele Kitas hoffen derweil auf Verständnis und Solidarität der Eltern: „Sie werden gebeten, ihre Kinder nur im absolut notwendigen Betreuungsfall in die Kindertagesstätten zu schicken“, sagt Jessica Witascheck, Kindergartenkoordinatorin in Bad Wildungen. Bei den Kitas des DRK-Kreisverbandes Frankenberg zeichne sich ab, „dass 30 bis 50 Prozent diesem Appell folgen“, berichtet Geschäftsführer Christian Peter.

Das sagen heimische Bürgermeister zum Corona-Lockdown in Waldeck-Frankenberg

Gemündens Bürgermeister Frank Gleim zeigt sich skeptisch, wenn es um die Überwachung der Einschränkungen geht: „Personell ist eine Überwachung aller Maßnahmen nicht möglich“, sagt er für die Stadt Gemünden. „Wir appellieren an unsere Bürger, die Maßnahmen einzuhalten, und haben dabei auch großes Vertrauen in die Bürger.“

Die Entscheidung zum harten Lockdown sei für ihn nun die „letzte Möglichkeit“, Menschenleben zu retten und das Gesundheitswesen nicht zu überlasten, sagt Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Besonnenheit und Selbstverantwortung gefordert

Leider sei im Sommer die Zeit nicht genutzt worden, die Infektionsnachverfolgungen bei niedrigen Zahlen von Infizierten strukturiert und umfassend zu bearbeiten, kritisiert Rüdiger Heß. „Es waren immer diffuse Infektionsquellen vorhanden, die zu den latent hohen Zahlen an Infizierten führten.“

Neben den Anordnungen der Politik sieht es Heß aber auch als zwingend wichtig und notwendig an, dass jeder Bürger seiner Selbstverantwortung nachkommt – und zwar für sich und auch gegenüber allen anderen Mitmenschen. „Wir müssen alle besonnen mit dieser nicht leichten Situation umgehen, damit wir uns 2021 gesund und voller Elan wieder begegnen können.“ (Jörg Paulus)

Weitere Reaktionen zum Lockdown lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine vom Dienstag, 15. Dezember.

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