Prozessauftakt in Marburg

Mit Cannabis gefügig gemacht: Mann aus Frankenberger Land soll 13-Jährigen missbraucht haben

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Das Landgericht in Marburg.

Weil er einen Jungen, als dieser 13 und 14 Jahre alt war, sexuell missbraucht haben soll, steht ein 26-Jähriger aus dem Frankenberger Land seit Freitag vor dem Landgericht Marburg.

Laut Anklage hat der Mann den Jungen insgesamt 46 Mal gefügig gemacht, indem er mit ihm Cannabis konsumierte. Anschließend sei es zu gegenseitigen sexuellen Handlungen gekommen.

Der Angeklagte

Der Angeklagte ließ am ersten Verhandlungstag lediglich seinen Verteidiger Alexander Hauer erklären, „dass er sich schweigend verteidigt mit der Prämisse des pauschalen Bestreitens“.

Das Opfer

Das mutmaßliche Opfer wurde noch nicht vernommen. Psychiaterin Mareike Schüler-Springorum, die als Sachverständige mit einem Glaubwürdigkeitsgutachten beauftragt ist, berichtete, was der Junge ihr gegenüber angegeben habe: Den 26-Jährigen habe er über Verwandte kennengelernt und zwischen 2016 und 2017 häufig besucht. Geraucht habe der Junge bereits früher, jedoch mit Drogen keine Erfahrung gehabt. Die Übergriffe habe er detailreich erzählt, so die Psychiaterin. Um ihn weiterhin zu sexuellen Handlungen zu zwingen, habe der Angeklagte nach Angaben des Jungen gedroht, seiner Familie angefertigte Nacktaufnahmen zu zeigen. „Seit der Sache sei er die Schande seiner Familie, sei er Dreck“, habe er gesagt.

Die Anzeige

Wie es letztlich 2018 zu der Anzeige kam, berichtete der Vater des heute 16-Jährigen. Ihn habe der Angeklagte mit einer Forderung von 160 Euro gegen den Sohn konfrontiert. Dieser habe ihm dann ein Stück Haschisch gezeigt, mit dem beide zur Polizei gegangen seien.

Wie der diensthabende Beamte aussagte, sei der Junge für ihn natürlich wegen der Droge zunächst Beschuldigter gewesen und habe ausgesagt, den Stoff vom Angeklagten erhalten zu haben. Als er intensiver nachgefragt hätte, sei der Zeuge zurückhaltender geworden und habe letztlich sehr leise gesagt: „Der hat mich gefickt“. Die anschließenden Ausführungen des Jungen habe er als sehr glaubhaft in Erinnerung, sagte der Polizist aus.

Der Nachbar

Wenig Aufschluss gab die Zeugenaussage eines Mannes, der zum möglichen Tatzeitpunkt direkt neben dem Angeklagten gewohnt hat. Grund könnte Angst sein, denn gemäß Protokoll seiner polizeilichen Vernehmung hat er dort angekündigt, vor Gericht nichts Belastendes sagen zu wollen, es gebe Drohungen von der Familie des 26-Jährigen gegen seine.

Wie Richter Otto ihm vorhielt, sagte er bei der Polizei, gehört zu haben, wie der Angeklagte den Jungen aufforderte, sich auszuziehen und sexuelle Handlungen vorzunehmen. Der Junge habe auch „es reicht“ gerufen. Vor Gericht wollte er nur „Stimmen, die nach Sex klangen, aber auch aus einem Mobiltelefon stammen könnten“ gehört haben. Auch von Drogen bei dem Angeklagten und gemeinsamen Rauchen wollte er nichts mehr wissen.

Die auf drei Prozesstage angesetzte Verhandlung wird am 29. März fortgesetzt.

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