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Maskenpflicht in Hessen fällt: Das sagen Geschäftsleute und Kunden in Waldeck-Frankenberg

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Von: Klaus Jungheim, Jörg Paulus, Martina Biedenbach, Kira Müller

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Die Maske bleibt an: Die Frankenberger Friseurmeisterin Brigitte Anger (links), hier mit Mitarbeiterin Dania Radeva in ihrer Frisierstube in der Bahnhofstraße, will von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Maskenpflicht beibehalten.
Die Maske bleibt an: Die Frankenberger Friseurmeisterin Brigitte Anger (links), hier mit Mitarbeiterin Dania Radeva in ihrer Frisierstube in der Bahnhofstraße, will von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Maskenpflicht beibehalten. © Martina Biedenbach

In Hessen fällt ab 2. April die Maskenpflicht in vielen Bereichen weg. Wir haben erste Reaktionen dazu eingeholt.

Waldeck-Frankenberg – „Die Maskenpflicht fällt, die Maskenempfehlung bleibt“, sagt André Kreisz, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins in Frankenberg, über die neuen Corona-Regeln, die ab Samstag in Hessen gelten.

„Unsere Mitarbeiter tragen im Geschäft zum Selbstschutz weiterhin Masken, was wir auch zum derzeitigen Stand unseren Kunden empfehlen“, ergänzt er.

In Frankenberg findet am Wochenende das Street-Food-Festival in Fußgängerzone und Bahnhofstraße statt. „Im Außenbereich gibt es keine Maskenpflicht“, stellt Kreisz klar. „Mit genügend Abstand sollte das draußen auch kein Problem sein. Unabhängig von der anstehenden Veranstaltung sollte man sich jedoch grundsätzlich im Zweifel für das Tragen einer FFP2-Maske entscheiden“, so Kreisz. „Stichwort: Eigenverantwortung.“

„Angst, dass man Ostern ohne Personal dasteht“

„Einerseits freut man sich“, sagt Christian Gerlach, der Vorsitzende des Kreisverbandes im Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), über den Wegfall der Masken- und Kontrollpflichten, die für Gäste wie Mitarbeiter belastend gewesen seien: „Andererseits hat man Bedenken wegen der Inzidenzen und Angst, dass man Ostern ohne Personal dasteht, weil alle krank sind.“

Im eigenen Betrieb, dem Flair-Hotel Werbetal, sei er froh, sich mit den Mitarbeitern einig zu sein: Im Kontakt mit Kunden wird weiter Maske getragen.

Wie die Kollegen im Waldeck-Frankenberger Gastgewerbe das sehen, wird diese Woche bei einer Dehoga-Versammlung diskutiert. Streng genommen könne jeder Betrieb über das Hausrecht Masken und Nachweise verlangen, doch befürchtet Gerlach dann viele unnötige Diskussionen mit Gästen – die im Zweifel auch auf andere Betriebe ausweichen.

„Das Einzige, was schützt, ist die eigene Maske bei den Angestellten“, hält er fest. Er gehe davon aus, dass gerade manch älterer Gast daran festhalten werde, eine zu tragen.

Der eine oder andere Besucher, dem Masken und Nachweise zuwider waren, werde zurückkommen, mancher aber auch aus gestiegener Angst vor einer Ansteckung wegbleiben. Wie in den vergangenen Sommern sei es auch denkbar, dass viele Gäste die Terrassen bevorzugen, während Innenräume leer bleiben.

Dass es wieder einen „Boom“ für die Gastronomie gebe, glaubt Gerlach nicht, eher einen „verhaltenen Aufschwung“.

„Dadurch bekommen die Menschen ein gewisses Maß an Freiheit zurück.“

Positiv auf die Lockerungen reagierte gestern Karsten Lerch, Geschäftsführer des Gemündener Rewe-Markts: „Dadurch bekommen die Menschen ein gewisses Maß an Freiheit zurück.“ Aufgrund der kurzen Kontakte sei die Infektionsgefahr im Lebensmittelbereich ohnehin relativ gering.

Er werde als Geschäftsführer keine Empfehlung an die Kunden zum Tragen von Masken in seinem Markt aussprechen, sagt Lerch. Er geht aber davon aus, dass „viele Kunden weiterhin mit Maske einkaufen werden, um ganz sicherzugehen“.

Er erwartet hierbei eine Quote von mindestens 30 Prozent. Eine Empfehlung zum Tragen von Masken wird Lerch auch seinem Personal nicht geben: „Das ist jedem freigestellt.“

Die neuen Regeln

Folgendes gilt in Hessen ab 2. April und vorerst bis 29. April:

Maskenpflicht:

- in Arztpraxen und Krankenhäusern (nicht für stationäre Krankenhauspatienten)

- in Alten-/Pflegeheimen

- bei Pflege- und Rettungsdiensten

- in Bussen und Bahnen

- in Sammelunterkünften wie Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften.

Testpflichten:

- für Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie Sammelunterkünften.

- Ausnahmen durch Einrichtungsleitung für Geimpfte, Genesene und aus sozialethischen Gründen möglich

- Bewohnertestungen (insbesondere in Pflegeheimen) können bei einem Ausbruchsgeschehen ggf. anlassbezogen vom zuständigen Gesundheitsamt angeordnet werden.

- In Schulen werden Lehrer und Schüler weiterhin dreimal wöchentlich getestet.

- Die Verpflichtungen zur Isolation bzw. Quarantäne bleiben bestehen.

Kein Verständnis für Lockerung der Maskenpflicht

Die Frankenberger Friseurmeisterin Brigitte Anger hat kein Verständnis dafür, dass gerade jetzt die Maskenpflicht gelockert wird, wo die Corona-Inzidenz auf immer neue Höchststände zusteuere. „Wir sehen ja in Österreich, wohin das führt“, sagt sie und spielt darauf an, dass im Nachbarland nach einem enormen Anstieg der Corona-Infektionen die Maskenpflicht wieder gilt.

Für sie ist es völlig klar: In ihren beiden Läden, Brigittes Frisierstube und Scherenschnitt, wird weiterhin Maskenpflicht gelten. „Ich werde von meinem Hausrecht Gebrauch machen und keinen Kunden ohne Maske zulassen“, sagt sie.

Der Friseurmeisterin sei klar, dass sie damit manche Kunde verärgern, vielleicht auch verlieren werde. Es gehe aber darum, ihre sieben Mitarbeiterinnen, die Kunden und sich selbst zu schützen und nicht zur weiteren Verbreitung des Virus beizutragen, sagt sie. Schließlich arbeiteten die Friseurinnen im engen Kontakt mit den Menschen.

Die allermeisten Kunden begrüßten das Masketragen. Aber ungefähr zehn Prozent äußerten zum Teil heftig Kritik daran, erläutert Brigitte Anger.

Für die Beibehaltung der Maskenpflicht habe sich auch ihr Team ausgesprochen, auch wenn alle mindestens drei, manche schon vier Mal geimpft seien, sagt die Chefin. Alle seien auch dafür, weiterhin die viel sicheren FFP2-Masken zu tragen.

Wegen Corona hatte sie die Kundenplätze in ihren Friseursalon mehr als halbiert. Sie werde aber vorerst weiterhin den so geschaffenen größeren Abstand beibehalten. „Ich hole nicht alle Stühle wieder aus dem Depot. Vielleicht muss ich sie schon nach kurzer Zeit erneut dahinbringen“, sagt sie.

Zudem sei ein Teil der Kunden nach den Lockdowns 2020 und 2021 nicht mehr zurückgekommen. „Es wird viel Schwarzarbeit gemacht“, sagt sie. Ihre Umsatzeinbuße beziffert sie mit nahezu 30 Prozent. Entschädigungsleistungen zahle der Staat aber erst ab 30 Prozent.

Kunden haben großes Verständnis für Schutzmaßnahmen gezeigt

Auch der Frankenberger Optiker Martin Schäfer wird in seinem Geschäft in der Bahnhofstraße weiter auf das Tragen von FFP2-Maske bestehen, sagt er. Das Team des Optikerladens sei weitgehend von Corona verschont geblieben. Das solle auch so bleiben.

Seine Kunden hätten bisher großes Verständnis für die Schutzmaßnahmen gezeigt. Er gehe davon aus, dass dies weiterhin so sein werde. Die Kunden könnten sich auch draußen vor dem Geschäft bedienen lassen, wo keine Maske notwendig ist. Dort steht ein Stehtisch mit Spiegel für sie bereit.

Das sagen die Kunden in Frankenberg

Die Menschen im Frankenberger Land sind noch zurückhaltend mit dem Ablegen der Maske. „Ich werde weiterhin die Maske tragen, schon alleine, weil meine Frau vorerkrankt ist. Die Zahlen sind sehr hoch. Wir hätten die Maske ruhig noch eine Weile behalten können“, sagt der 73-jährige Willi Rabe, den wir am Dienstag vor einem Frankenberger Supermarkt angesprochen haben.

Ingrid Wenzler-Schneider (63) ist sich noch nicht sicher, ob sie die Maske weiterhin tragen wird: „Wir haben eben noch an der Arbeit darüber gesprochen und es ist ein bisschen gespalten. Am Anfang wird die Unsicherheit sicher noch da sein, aber auf der anderen Seite ist es schön, sie nicht mehr tragen zu müssen. Da das Infektionsrisiko aber noch sehr hoch ist, werde ich mal gucken, ob ich die Maske noch tragen werde.“

Die 62-jährige Anette Lielich hingegen hat eine klare Meinung zu der neuen Corona-Regelung: „Ich halte nicht viel von der Abschaffung der Maskenpflicht. Ich werde die Maske beim Einkaufen weiter tragen. Mein Mann und ich gehören zur älteren Generation. Wir sind zwar dreifach geimpft, aber wir kämpfen uns da jetzt seit zwei Jahren durch, da werden wir jetzt zum Schluss nicht noch leichtsinnig. Manchmal ist die Maske nervig, aber sie schützt uns, und das ist das Wichtigste.“

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