Milchbauern in Waldeck-Frankenberg suchen neue Einnahmequellen

Frisch gezapft: Bei Matthias und Rhabea Landau kann man auf dem Bauernhof Köhlermühle in Röddenau Milch am Automaten kaufen. Für sie lohnt sich das Geschäft – ein Milchautomat ist aber längst nicht auf allen Höfen sinnvoll. Foto: Ziermann

Waldeck-Frankenberg. Die 30-Cent-Marke ist überschritten, der Milchpreis erholt sich allmählich - doch für einige Bauern im Kreis kommt die Entwicklung zu spät.

383 Milchviehbetriebe gibt es noch im Landkreis, mehr als 50 haben in den letzten zwei Jahren dichtgemacht. Weil auch 30 Cent pro Liter Rohmilch kaum zum Leben reichen, suchen Landwirte nach neuen Einnahmequellen - zum Beispiel Milchautomaten.

Das müsse aber wohlüberlegt sein, warnt Fritz Schäfer, Dezernent für Landwirtschaft beim Landkreis. „Viele wollen jetzt nach vermeintlichen Strohhalmen greifen. Ich will nicht, dass da irgendjemand leichtfertig investiert und dann auf die Nase fällt“, sagt Schäfer. Um die Landwirte über Chancen und Risiken der Direktvermarktung aufzuklären, hatte Schäfer gestern zu einer Fortbildung eingeladen.

Rund 10 000 Euro kostet die Anschaffung eines Milchautomaten. Wegen Auflagen des Veterinäramtes ist vielfach aber noch der Bau eines Häuschens nötig, in dem der Automat stehen darf. So steigen die Investitionskosten rasch auf über 20 000 Euro. „Ob sich diese Art des Hofverkaufs rechnet, hängt von drei Faktoren ab: Standort, Standort, Standort“, betont der Dezernent. An einer Bundesstraße könne es sich lohnen, in einem abgelegenen Dorf auf keinen Fall. Ähnlich sehe es beim Bauernhofeis aus. Das biete sich nur in Ferienregionen an.

„Milchautomaten, Bauernhof-Eis oder Hofkäserei - das sind Nischenmärkte. Wenn da noch 20 Betriebe einsteigen, lohnt es sich am Ende für keinen mehr“, gibt Kreisbauernverband-Geschäftsführer Matthias Eckel zu bedenken. Matthias Landau von der Köhlermühle in Röddenau, der vor rund zehn Jahren den ersten Milchautomaten im Kreis aufstellte, sagt: „Über den Automaten verkaufen wir nur etwa ein Prozent unserer Milch.“ Die Einnahmen sind also nur ein Zubrot. Ein Liter kostet bei Landau 70 Cent.

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