Reporter schreibt über Waldeck-Frankenberg

"Mordsmäßig schmalzig": Krimi ist Liebeserklärung an den Kreis

Gert Anhalt

Frankenberg. Im neuen Regional-Krimi „Mordsmäßig schmalzig“, den der in Haubern aufgewachsene ZDF-Reporter Gert Anhalt geschrieben hat, werden die Frankenberger als „Hinterwäldler“ bezeichnet, die Waldecker als „wortkarg“. Das Buch ist aber eigentlich eine Liebeserklärung an den Landkreis.

Dass der 51-Jährige dieses Buch geschrieben hat, haben wir schon berichtet. Am 1. Dezember ist es erschienen, und wir haben es bereits gelesen. Hier unsere Buchkritik der etwas anderen Art:

Auf den 504 Seiten von „Mordsmäßig schmalzig“ lässt Gert Anhalt nicht nur seinen Ermittler Thomas Caspari und die Kollegen der Frankenberger Polizei und der Korbacher Kripo den Mord an dem ehemaligen Schlagerstar Henny Winkler und andere Geheimnisse lösen, er liefert auch ein Bild des Landkreises Waldeck-Frankenberg. „Ich will auch zeigen, dass man sich in Nordhessen wohlfühlen kann“, sagte der 51-Jährige, der bei Mainz lebt und beim ZDF arbeitet, der HNA.

Offenbar aus seinen Kindheitserinnerungen aus Haubern schreibt er im Buch: „Es gab auf der Welt keinen besseren Ort, um aufzuwachsen. Die leicht hügelige Wald- und Wiesenlandschaft zwischen Frankenberg und Bad Wildungen war, aus Kinderaugen betrachtet, ein riesiger Abenteuerspielplatz. In den Dörfern roch es wohltuend nach Kuhstall, Dämpfkartoffeln und frisch gemähtem Gras.“

Für den Polizisten Caspari, aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Frankenberg versetzt, ist Nordhessen dagegen „eine andere Welt. Landschaftlich, politisch und kulturell. Mit eigenen Gesetzen, Gebräuchen und sogar anderen Menschen. Dünn besiedelt, reich bewaldet. Schlecht beheizt und nur an der Oberfläche erschlossen. Ein bisschen wie Alaska. Nur ohne Grizzlybären.“

An einer anderen Stelle heißt es: „Man kann den Bewohnern dieses Landstrichs viel vorwerfen - Dickfelligkeit, Misstrauen und eine Vorliebe für fetthaltige Wurstwaren -, aber gewiss nicht eine übergroße Liebe zu Leuten von außerhalb.“

„Die Leute sind am Anfang etwas hölzern, aber das liegt sicher an dem vielen Wald. Man gewöhnt sich dran.“

Für Hauptdarsteller Caspari, der nicht freiwillig gekommen ist, sind die Frankenberger zunächst bloß „Hinterwäldler“. Aber dieses Bild wird er im Laufe des Buches ändern. Und auch Casparis Vorgesetzter vom LKA sagt: „Die Leute sind am Anfang etwas hölzern, aber das liegt sicher an dem vielen Wald. Man gewöhnt sich dran.“

Auch die Waldecker greift sich Anhalt an einer Stelle heraus. Nach dem Dialog „Und sonst?“ - „Ach ja.“ - „Ja eben.“ stellt das Buch fest: „Mit diesen wenigen Silben war für viele wortkarge Waldecker im Grund schon der Gesprächsbedarf eines ganzen Tages gedeckt.“

Das wichtigste Wort „in diesem von redlichem Fleiß, Pflichterfüllung und Rechtschaffenheit niedergedrückten Landstrich“ sei übrigens Arbeit - auf Platt Erwett: „Über Jahrhunderte waren sie beherrscht worden von rötlich gepuderten Provinzfürsten mit albernen Perücken, die sie in den Kriegsdienst pressten und ihnen die Butter vom Brot weg besteuerten. Das prägte die Leute bis heute.“

Dorfpolizist Happel, der aus Frankenau stammt, fasst das alles ganz einfach zusammen: „Es ist hier bei uns alles sehr überschaubar. Jeder kennt jeden.“

Von Jörg Paulus 

Welche realen Namen und Orte aus Waldeck-Frankenberg in dem Buch vorkommen und welche lokalen Gags Gert Anhalt in die Geschichte eingebaut hat, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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