Umfrage bei Autohändlern

Nach Diesel-Urteil: Kunden in Frankenberg verunsichert

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Gebrauchte Dieselautos: Der Frankenberger Gebrauchtwagenhändler Alfred Klee (rechts) und Mitarbeiter Björn Flinzer stehen vor zwei Dieselwagen der Abgas-Norm Euro 5. Sie sind zuversichtlich, die Autos trotz Diskussionen um Dieselfahrverbote weiter verkaufen zu können.

Waldeck/Frankenberg. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Städte Fahrverbote für Dieselautos verhängen dürfen. Die HNA hat Frankenberger Autohändler nach den Auswirkungen gefragt.

„Ruhe bewahren und sich nicht verrückt machen lassen.“ Das ist der Tipp, den Thomas Schmidt, Geschäftsführer des gleichnamigen Frankenberger Mercedes-Autohauses, seinen Kunden gibt. „Wir spüren eine Riesen-Verunsicherung“, sagt Schmidt und nennt ein Beispiel: „Leute, die im Sommer einen Urlaubsaufenthalt auf Mallorca gebucht haben, rufen bei uns an und fragen, ob sie dann überhaupt noch mit ihrem Diesel-Pkw zum Frankfurter Flughafen fahren dürfen.“

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das Fahrverbote für Dieselautos in Großstädte erlaubt, wollten viele Privatkunden keine Diesel-Fahrzeuge mehr kaufen, sagt Thomas Schmidt. „Auf einmal soll jetzt der Diesel für alle Umwelt-Probleme verantwortlich sein“, ärgert sich Schmidt. Tatsache sei jedoch, dass die Stickoxide bei der „dreifachen Zahl an Fahrzeugen um 20 Prozent gesunken sind“. Für Feinstaub-Belastungen seien beispielsweise auch Kehrmaschinen in Großstädten verantwortlich.

„Für jemanden, der viel fährt, geht auch in Zukunft kein Weg am Diesel vorbei“, ist Thomas Schmidt überzeugt. Das gelte besonders für Nutzfahrzeuge. Wer ein altes Diesel-Fahrzeug besitze, könne durchaus die ausgelobten Abwrackprämie nutzen und sich ein umweltfreundlicheres Auto kaufen, sagt Schmidt. „Aber einen Diesel mit Euro 5 oder Euro 6 würde ich ganz normal weiterfahren.“

„Unsere Diesel-Neufahrzeuge erfüllen alle den Standard Euro 6“, sagt Till Vollmar, der im Autohaus Schmidt Neuwagen verkauft. Und Vollmar nennt eine überraschende Zahl: „Unter den letzten 20 Autos, die ich verkauft habe, waren nur fünf Benziner.“

Mit Abwrackprämie für den Kauf von Neuwagen werben, das können Händler von Gebrauchtwagen nicht. Der Frankenberger Händler Alfred Klee bietet aber auch weiterhin Diesel zum Verkauf an. Er hat einige Wagen der Abgasnorm 5 im Angebot und ist zuversichtlich, sie weiterzuverkaufen. „Ich glaube nicht, dass tatsächlich Fahrverbote kommen. Die Politik muss sich jetzt Lösungen einfallen lassen“, sagt er. Fahrzeuge der Abgasnorm 4 kauft er jedoch nicht mehr an.

Panische Reaktionen von Kunden, wie im vergangenen Jahr, als Stuttgart Fahrverbote ankündigte, beobachtet Klee derzeit nicht. Vergangenes Jahr hätten ihm hingegen etliche Kunden ihren gebrauchten Diesel angeboten, weil sie auf Benziner umschwenken wollten.

„Schwierig war im vergangenen Jahr, dass wegen der Verunsicherung der gesamte Automarkt stagnierte“, erläuterte Klee. „Viele Leuten sagten sich: Ich fahr meinen Gebrauchten erstmal weiter.“ Sie hätten dann weder einen Neuwagen noch einen anderen Gebrauchtwagen gekauft. „Das hat bei uns für einen Umsatzrückgang von 20 Prozent gesorgt“, sagt Klee.

Seit November habe sich der Markt jedoch wieder beruhigt. Leute aus den Dörfern hätten nach wie vor Interesse am Kauf von einem gebrauchten Diesel, sagt Klee. Aktuell sehe er bei den Kunden keine Panik.

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