Verurteilt

Eine Frau ließ Nacktfotos schießen, die andere stahl die Geldbörse

Frankenberg. Zu Freiheits- und Geldstrafen hat das Frankenberger Amtsgericht zwei junge Frauen im Alter von 21 und 22 Jahren verurteilt.

Auf der Suche nach Geld hatte sich die 22-Jährige am 23. Januar 2016 zunächst nackt von einem 64 Jahre alten Mann fotografieren lassen. Während sich die 21-Jährige mit dem Mann unterhielt, hatte die andere Frau die Geldbörse des Mannes mit rund 80 Euro Bargeld und einer Scheckkarte aus dessen Schlafzimmer gestohlen. Anschließend teilten die Frauen das Bargeld - 40 Euro für jede.

Beide Frauen kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. „Wir hatten kein Geld“, sagte die 22-Jährige als Grund für den „spontanen“ Besuch in der Wohnung des Mannes. Ihr damaliger Partner habe das ganze Geld für Drogen und Alkohol ausgegeben oder in Spielhallen verdaddelt. Von dem 64-Jährigen wussten die Damen, dass er für Nacktfotos Geld bezahlt.

Die Taten, die ihnen die Staatsanwaltschaft zur Last legte, räumten die Angeklagten allesamt ein. Bei der 22-Jährigen ging es neben Diebstahl auch um neun Fälle von Betrug und Urkundenfälschung, weil sie in Begleitung ihres damaligen Partners und dessen Bruders versucht hatte, in verschiedenen Geschäften mit der gestohlenen EC-Karte des 64-Jährigen „einzukaufen“. Das funktionierte jedoch in aller Regel nicht, weil die Diebe die PIN-Nummer nicht kannten und mehrere Verkäuferinnen stutzig wurden.

Für die 22-jährige Haupttäterin forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die Angeklagte habe „reinen Tisch“ gemacht. Allerdings weise ihre Akte erhebliche Vorbelastungen auf. Zugunsten dieser Angeklagten würdigte der Staatsantwalt, dass sie die EC-Karte zurückgebracht und 20 Euro als „Wiedergutmachung“ da gelassen habe. Der hohe Tagessatz versteht sich als „Gesamtstrafe“, in die Verurteilungen aus anderen Verfahren einflossen.

Schwieriger waren aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Taten der jüngeren Frau zu bewerten. „Es ist nicht der erste Bewährungsverstoß“, sagte der Staatsanwalt. Trotz „sehr eindringlicher Ansprache“ und drohenden Gefängnisaufenthalts nur neun Tage vor dem Delikt sei die Frau erneut straffällig geworden. „Da fehlen einem die Worte“, konstatierte der Staatsanwalt. Er forderte sechs Monate Jugendstrafe ohne Bewährung.

Richterin Andrea Hülshorst verurteilte die 22-Jährige zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 15 Euro (2700 Euro). Sie muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen. Die 21-jährige Frau wurde zu einer zwölfmonatigen Jugendstrafe verurteilt. Diese ergibt sich aus zehn Monaten aus einem anderen Verfahren plus zwei Monaten wegen des neuen Delikts, das die Richterin als Hehlerei bewertete. Das Gericht habe immer wieder Nachsicht gezeigt. „Aber nichts hat Sie gestoppt“, sagte Hülshorst.

Schon tragisch: Beide Frauen haben erst vor kurzem entbunden. Das Baby der 21-Jährigen, die nun ins Gefängnis muss, ist erst fünf Wochen alt. (off)

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