Prozess nach Unfall bei Geismar

Nach Unfall bei Geismar: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Tödlicher Unfall bei Geismar am 2. Juni 2020
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Tödlicher Unfall bei Geismar am 2. Juni 2020

Im Prozess um einen ungeklärten Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 253 zwischen Frankenberg und Geismar am 2. Juni 2020 beschäftigte sich das Landgericht Marburg am Dienstag mit dem seelischen Zustand des Beschuldigten.

Marburg/Geismar - Der 28-Jährige, Beifahrer im Unfallauto, einem VW Polo, steht im Verdacht, der Fahrerin unvermittelt ins Lenkrad gegriffen und so eine Kollision mit einem entgegenkommenden Linienbus herbeigeführt zu haben. Ein eindeutiges Motiv ist bislang nicht zu erkennen.

Bei dem Unfall wurde die Fahrerin, eine Frau aus Braunschweig, die laut Zeugenaussagen mit dem Beschuldigten ein sexuelles Verhältnis gehabt haben soll, getötet. Der Vater des Beschuldigten, der auf dem Rücksitz saß, wurde schwer verletzt. Er leidet noch heute unter den Unfallfolgen und ist nicht arbeitsfähig.

Neben dem Beschuldigten, der ebenfalls schwer verletzt wurde und unter Gedächtnisstörungen leidet, gab es drei weitere Leichtverletzte – den Busfahrer, einen Fahrgast und den Fahrer des nachfolgenden Pkw.

Der Beschuldigte bestreitet jede Tötungsabsicht. Er habe entgegen den Anschuldigungen die Fahrerin im Verdacht gehabt, durch ein Herumreißen des Steuers Suizid begehen zu wollen. Nur um dies zu verhindern, habe er ins Lenkrad gegriffen.

Auffälliges Verhalten

Da der Beschuldigte schon früher aufgrund einer psychischen Erkrankung in ärztlicher Behandlung war und ihm in der aktuellen Situation mehrere Zeugen ein auffälliges Verhalten bescheinigten, muss das Gericht untersuchen, inwieweit der 28-Jährige möglicherweise schuldunfähig ist oder ob man ihm Tötungsabsichten unterstellen kann. Das Ergebnis hätte für das Urteil eine entscheidende Aussagekraft: Der junge Mann könnte entweder für den Rest seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht oder zu einer eventuell langjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Theoretisch ist sogar ein Freispruch möglich.

Richterin sagte als Zeugin aus

Am vierten Verhandlungstag wurde Regine Wagner, Leiterin des Amtsgerichts Frankenberg, zu ihren Beobachtungen befragt.

Die Richterin war am Tag nach dem Unfall durch das Kreiskrankenhaus Frankenberg darüber informiert worden, dass der Beschuldigte, der sich auf der Intensivstation befand, aufgrund seiner großen Unruhe fixiert werden musste.

Mehrere Ärzte konnten dem Patienten zwar kein psychotisches Verhalten bescheinigen, wohl aber eine gewisse Eigengefährdung.

Widersprüche festgestellt

Bei ihrem Gespräch mit dem Beschuldigten stellte Wagner Widersprüche fest, eine brauchbare Gesamtaussage sei nicht möglich gewesen. „Ich habe mich über seine unklaren und wirren Äußerungen gewundert.“

Sie genehmigte zunächst die weitere Fixierung des Patienten und ordnete später seine Unterbringung in Haina an. Nachdem er dann in die Türkei gereist sei, habe sie keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Die nächsten Termine werden sich unter anderem mit der Ausländerakte und den Aussagen der Ärzte aus Haina und Frankenberg befassen.

Von Marise Moniac

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