"Hier setzt sich nichts"

Neues Seniorenheim in Frankenberg: DRK widerspricht Gerücht über Baumängel

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Vor dem Rohbau: (von links) Architekt Achim Roth, DRK-Kreisvorsitzender Karl-Friedrich Frese und DRK-Kreisgeschäftsführer Christian Peter bei einer Baustellenbesichtigung im Teichgelände.

Frankenberg – Er wisse nicht, woher das Gerücht kommt, dass es Probleme mit dem Bau des DRK-Seniorenzentrums im Frankenberger Teichgelände gibt, sich sogar das Fundament gesetzt habe, aber Christian Peter sagt klipp und klar: „Das ist nicht so! Hier setzt sich nichts!“

Um diese Botschaft öffentlich zu machen, hatte der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Frankenberg die HNA zu einem Pressetermin auf die Baustelle eingeladen. Mit dabei: Kreisverbandsvorsitzender Karl-Friedrich Frese und Architekt Achim Roth aus Battenberg.

Das Gerücht, dass der Bau des Seniorenzentrums zwischen dem Frankenberger Freibad und der Bottendorfer Straße nicht nach Plan laufe, kursiert schon seit einigen Wochen in Frankenberg. Schon beim Richtfest im Dezember hatte Karl-Friedrich Frese verneint, dass es einen Baustopp bei dem 10-Millionen-Euro-Projekt gebe.

Doch das Gerücht hielt sich. Vielleicht auch, weil man dort eine Zeit lang keine Bautätigkeiten gesehen habe, sagt Frese jetzt. Architekt Achim Roth begründet das damit, dass schon im Inneren gearbeitet wird und die Fahrzeuge der Firmen hinter dem Gebäude geparkt hätten. Und zu dem Gerücht, dass sich der Rohbau abgesenkt habe, sagt Geschäftsführer Christian Peter unmissverständlich: „Das Objekt ist nicht eingesackt. Es wird wie geplant weitergearbeitet.“

Die Baustelle vom Burgberg aus fotografiert. Rechts verläuft die Bottendorfer Straße.

Natürlich habe es in der Öffentlichkeit Vorbehalte gegeben, dass man im Teichgelände aufgrund dessen Vorgeschichte (siehe unten) nicht bauen könne, berichtet Peter. „Wir wussten, dass der Grund nicht gut ist“, sagt Achim Roth. „Wir haben der Stadt das Grundstück aber erst abgekauft, nachdem klar war, dass man hier bauen kann“, sagt Frese.

Dafür seien umfangreiche Bodengutachten erstellt und Probebohrungen an verschiedenen Stellen auf dem Gelände gemacht worden, berichten Peter, Frese und Roth. Mit einem Statiker wurde ein Gründungskonzept erstellt: „Pfähle oder Platte“, nennt Roth die Alternativen. Man entschied sich für eine Bodenplatte.

Der Boden wurde ausgetauscht, um ihn zu verbessern und zu befestigen, es sei eine ein Meter dicke Schotterschicht eingebracht worden. Darauf kam die 40 Zentimeter dicke Bodenplatte aus Stahlbeton, auf der das gesamte Gebäude steht. „Das wurde laufend durch Gutachter und die Baufirmen kontrolliert“, sagt Roth und versichert: „Der Unterbau ist zwei bis drei Mal abgesichert.“

Der Architekt berichtet auch vom aktuellen Stand der Bauarbeiten: Alle Gewerke seien ausgeschrieben und fast alle auch schon beauftragt. Der Rohbau sei fertig, aktuell werde an Sanitär, Lüftung und Heizung gearbeitet, die Fenster werden derzeit eingebaut, mit dem Trockenbau im Inneren wurde schon begonnen. Danach folgen Estrich, Maler- und Schreinerarbeiten, Außen und Innenputz. Und die Inneneinrichtung, etwa die Pflegebetten, werde noch mit dem DRK abgestimmt.

Die Eröffnung ist für Dezember geplant, sagt Christian Peter. „Und da sind wir auch noch im Zeitplan.“

Geschichte des Teichgeländes

Alte Stiche und Federzeichnungen von Frankenberg aus der Zeit um 1600 zeigen ihn: den großen landgräflichen Fischteich, der 1288 von Landgraf Heinrich auf einem städtischen Grundstück angelegt worden ist. Er lieferte nicht nur den Nonnen des Klosters St. Georgenberg während der Fastenzeit die Fische, sondern der landgräflichen Küche und später auch der Bevölkerung. 

Die Fernstraße, die früher den Wiesengrund zwischen Teichpforte und Leimenkaute durchquerte, verlegte man beim Bau des Teiches auf den aufgeschütteten Damm – die heutige Hainstraße ab Einmündung am „Weißen Geländer“. Unterhalb dieses Dammes wurde die noch heute vorhandene „Teichmühle“ errichtet. Der Damm brach 1297, das Wasser überflutete das Kloster. 

Frankenberg um 1631: Auf diesem Kupferstich von Meißner sind von links unten das Kloster St. Georgenberg, in der Mitte die Teichmühle am Damm (heute Hainstraße) und rechts der „Große Teich“ zu sehen.

Bereits nach der Reformation hatte mit der Auflösung des Klosters der große Fischteich einen Teil seiner Bedeutung verloren. Im 18. Jahrhundert ging auch in der Bevölkerung die Nachfrage nach Fischnahrung zurück, sodass die landgräfliche Verwaltung eine bessere Verwertung der Teiche in Erwägung zog. Mit Schreiben vom 15. März 1785 berichteten die Staatsbeamten, es sei zwar möglich, alle Teiche in Wiesen umzuwandeln, man müsse jedoch bedenken, dass der „Große Teich“ bei Frankenberg für die beiden herrschaftlichen Mühlen (Teichmühle und Pfeffermühle) wichtig sei. 

Bürgermeister und Rat der Stadt sprachen sich jedoch mit Nachdruck für die Umwandlung des Fischteichs in Grünland aus, da der Wiesenmangel in Frankenberg sehr hoch sei. Im darauffolgenden Jahr wurde das Wasser aus dem Großen Teich abgelassen, vermutlich um bereits damals einen Mühlengraben zur Aufnahme des Kalten Wassers und der Nemphe auszuheben, der künftig die Teichmühle betreiben sollte. 

Die Stadt wandelte nach dem Krieg das ehemalige Teichgebiet in ein Freizeitgelände um und stellte 1961 erste Weichen für den Bau von Hallen- und Freibad. Ein CDU-Antrag von 1965, im Bereich der Bottendorfer Straße (jetzt Bauplatz DRK-Seniorenheim) ein Rathaus zu bauen, wurde fallen gelassen.

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