Ökumene lag ihm am Herzen

Pater Norbert verlässt Frankenberg

Nachgeschnitzte Frankfurter Madonna: Pater Norbert Rasim bekam sie zu seiner Priesterweihe 1994 geschenkt, und seitdem begleitet sie ihn. Zehn Jahre stand sie im Frankenberger Pfarrbüro neben seinem Schreibtisch. Nun wird das Marienbildnis ihn an seinen neuen Dienstort in Bayern begleiten.
+
Nachgeschnitzte Frankfurter Madonna: Pater Norbert Rasim bekam sie zu seiner Priesterweihe 1994 geschenkt, und seitdem begleitet sie ihn. Zehn Jahre stand sie im Frankenberger Pfarrbüro neben seinem Schreibtisch. Nun wird das Marienbildnis ihn an seinen neuen Dienstort in Bayern begleiten.

Nach zehn Jahren in Frankenberg wechselt der katholische Pater Norbert J. Rasim in den Pfarrverband Altomünster-Sielenbach nach Bayern.

Frankenberg - „In Frankenberg bin ich gut aufgenommen worden und habe mich zehn Jahre lang hier wohlgefühlt. Ich gehe also nicht gerade mit fliegenden Fahnen weg“, sagt Pater Norbert J. Rasim mit leiser Wehmut und packt bereits in seinem Büro die ersten persönlichen Dinge ein. Am 1. Juni wird er in Bayern den Pfarrverband Altomünster-Sielenbach mit der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum, den er bereits als Pfarrei vor seiner Amtszeit in Frankenberg geleitet hat, wieder übernehmen.

Der dortige Stelleninhaber, Pater Bonifatius Heidel, umgekehrt schon mit kurzer Erfahrung als Kandidat vor zehn Jahren in Frankenberg, wird mit Pater Norbert die Einsatzfelder gewissermaßen „tauschen“.

Von 2011 bis heute ist Pater Norbert Rasim als Angehöriger des Deutschen Ordens Moderator des katholischen Pastoralverbundes St. Georg/Lahn-Eder und Pfarrer im flächengroßen Bezirk Frankenberg, Gemünden und Vöhl gewesen. Das hieß für ihn: zukunftsfähige Seelsorge in der Diaspora zu sichern, wo das ökumenische Zusammenwirken mit evangelischen Christen früher nicht selbstverständlich war. „Auch wenn ich aus dem katholischen Bayern kam – ich bin in Darmstadt in der Ökumene groß geworden, und meine guten Erfahrungen dort haben sich hier ausnahmslos bestätigt,“ zieht er im Gespräch mit der HNA Bilanz.

Die enge Zusammenarbeit mit den evangelischen Geistlichen in Frankenberg wird ihm besonders in Erinnerung bleiben. Da plante man, wie er sagt, „ganz alltägliche“ Gottesdienste und gemeinsame Gemeindefeste, Weltgebetstage und Seniorennachmittage, aber auch besondere Festgottesdienste wie bei der Europeade oder Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht. „Es gab zwischen uns so etwas wie ein blindes Verständnis, schnelle, unkomplizierte Übereinkünfte“, empfand der Ordenspriester. „Vieles von dem, was wir heute gemeinsam tun, war vor zehn Jahren noch nicht denkbar.“ Gern erinnert sich Pater Norbert auch an festliche Hochämter und besondere Kirchenjubiläen wie etwa 60 Jahre St. Anna Gemünden oder St. Mariae Himmelfahrt in Frankenberg.

„Man versucht zu rudern und bekommt Rückschläge“

Es bedrückt ihn aber auch, dass sich die bundesweite Krise der katholischen Kirche mit Kirchenaustritten auch auf seinen Pastoralverbund ausgewirkt habe. „Man versucht zu rudern und bekommt Rückschläge.“ Auch die schwierige Situation der Kirche, während der Corona-Pandemie im Lockdown mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, habe ihre Spuren hinterlassen. „Wir haben beispielsweise versucht, unsere Gläubigen mit Tagesandachten zu versorgen.“

Gern hätte Norbert Rasim, der selbst zeitweilig an der Ederseeschule in Herzhausen Religionsunterricht erteilte, die Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. Sein Nachfolger Bonifatius Heidel habe bereits signalisiert, dass er gern mit einigen Stunden an der Edertalschule unterrichten werde. „Ich halte es für ungemein wichtig, mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, sich ihren Fragen zu stellen und ihnen Glauben zu vermitteln.“

Er hofft auch, dass künftig mehr jüngere Christen bereit sind, in der Kirche und ihren Gremien mitzuarbeiten. Bei allen, die ihn in seinen Gemeinden unterstützt haben und ihm ans Herz gewachsen sind, will er sich bei seinen letzten Gottesdiensten bedanken.

Europaweite Ökumene: Beim Festgottesdienst zur Europeade 2019 in Frankenberg begeisterte Pater Norbert die Besucher.

Zur Person

Norbert Rasim wurde 1961 in einem kleinen Dorf im hessischen Ried geboren und machte nach der Schulzeit eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten. Seinen Zivildienst leistete er als Rettungssanitäter in Marburg ab.

Seinen „Blick für die Welt“, wie er sagt, erhielt er 15 Monate lang als Flugbegleiter, aber auch den Wunsch, Theologie zu studieren. In Frankfurt trat er dem Deutschen Orden bei, studierte Theologie und Philosophie in Innsbruck und Wien, tat dort beim Hochmeister des Ordens Dienst und bekam 1993 die Diakonatsweihe.

Weitere Stationen waren 1994 Kaplan und Pfarradministrator in Wetter und Vöhl, 1996 Pfarrer in Darmstadt, 1999 als Rektor in Maria Birnbaum, 2007 Pfarradministrator in Altomünster und ab 2010 Moderator des Pastoralverbundes St. Georg/Lahn-Eder und Pfarrer in Frankenberg, Gemünden und Vöhl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.