Ofenkunst des Goethe-Malers

Helmut Burger schrieb neues Buch über kaum bekannte Tischbein-Öfen

Wärme, Kunst und Nachhaltigkeit: Professor Helmut Burger beschreibt in seinem ansprechend bebilderten Buch, dass die Freunde Goethe und Tischbein einmal zur Zunft der Ofenbauer gehörten und hier ein einzigartiges, kulturelles Erbe hinterlassen haben.
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Wärme, Kunst und Nachhaltigkeit: Professor Helmut Burger beschreibt in seinem ansprechend bebilderten Buch, dass die Freunde Goethe und Tischbein einmal zur Zunft der Ofenbauer gehörten und hier ein einzigartiges, kulturelles Erbe hinterlassen haben.

Dass der Modelschneider „Meister Lipsen“, dem die Philipp-Soldan-Stadt Frankenberg ihren Namen verdankt, im 16. Jahrhundert den künstlerischen Eisenguss auf Ofenplatten zur Hochblüte führte, ist allgemein bekannt.

Frankenberg – Dass aber auch ein anderer Sohn der Heimat, der Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein aus Haina, gut zwei Jahrhunderte später inzwischen heiztechnisch verfeinerte Etagen- und Kachelöfen mit aus der Antike geschöpftem Bilderreichtum verzierte, weiß kaum jemand.

Die „Freunde des Klosters Haina“ klären darüber seit Juni mit einer Sonderausstellung „Eingeheizt“ auf, doch nun gibt es flankierend dazu ein perspektivreiches, schmuckvoll bebildertes Sachbuch, das sich mit dem „kulturellen Erbe von J. W. v. Goethe und J. H. W. Tischbein in der Heiztechnik“ befasst.

Professor Dr.-Ing. Helmut Burger (Biedenkopf), Fachmann für Hüttenkunde und Energietechnik sowie ehemals Generalbevollmächtigter in den Allendorfer Viessmann-Werken, hat es unter dem Titel „Kunst und Heizung, Nachhaltigkeit und Wärme“ verfasst und soeben herausgegeben. Er entwickelt dabei einen weit gespannten Bogen zwischen Dichtung, Malerei, Ofenbauerzunft, Meister Tischbein und dem Universalgenie Goethe, das sich tatsächlich auch schon Gedanken darüber machte, wie man „weniger Holz verzehrende Öfen“ bauen könnte. Auch Schiller entwarf einen Ofen – in vasenähnlicher Urnenform.

„Vom Feuer sind der forschende Geist und die Phantasie der Menschen schon immer beflügelt worden“, schreibt Helmut Burger und schildert die Stilepochen von Soldans „Eisernen Bibeln“ auf viereckigen Kastenöfen der Renaissance bis hin zu den klassizistischen Kachel- und Eisenöfen, die Tischbein nach seinen anregungsreichen Jahren in Italien als späterer Hofmaler des Herzogs von Oldenburg gestaltete. Von den 43 klassizistischen Öfen im Schloss Eutin ist gut die Hälfte mit Tischbein-Motiven geschmückt.

Etagenofen Museum im Kloster Frankenberg: Kampf des Löwen mit der Schlange: Dieses Laokoon-Motiv gestaltete der Goethe-Maler Tischbein auf einem eisernen Etagenofen, der vom Museum im Kloster Frankenberg aufbewahrt wird.

Vergessen, unbekannt, in Deutschland weit verstreut –das galt bisher für die von Tischbein ausgezierten Eisenöfen. Es ist der Verdienst von Helmut Burger, den wenigen noch erhaltenen Exemplaren nachgespürt zu haben, so auch im Museum im Kloster Frankenberg. Eine wahre Fundgrube war da für ihn das Musterbuch „Gusswaaren der Kurfürstlich Hessischen Eisenhütte in Veckerhagen“ von 1834 mit vielen Dekor- und Funktionszeichnungen von Tischbein-Eisenöfen, ebenso Produktionsbeispiele der Carlshütte bei Rendsburg.

Professor Burger, ehemaliger Fachhochschullehrer für Werkstoffkunde und Wärme-Technologie, hat sich im Ruhestand intensiv auch mit der Kunstgeschichte des Eisengusses auseinandergesetzt, dazu Bücher und viele Einzeldarstellungen verfasst. Angeregt durch die Antiken-Bewunderer Goethe und Tischbein liefert der Buchautor fein illustrierte Querverweise auf beliebte Sujets wie Idyllen, Musen, Götterbilder, Leda- und andere Schwan-Motive, Laokoon-Szenen und Lyra-Darstellungen, darunter auch der „Schwäne-Fürsten-Öfen“ aus der Carlshütte Rendsburg.

Weil Tischbein sein berühmtes Bild von Goethe in der Campagna mit dem zu lang geratenen Bein nie ganz „ferdig gemacht“ hat, zog Professor Burger Schlüsse aus zwei Entwurfs-Kritzelbildern des Hainaer Künstlers. Er ergänzte, was noch fehlte, mit eigener Fantasie: Unter der rechten Hand des Dichterfürsten sollte vielleicht eine Lyra als Symbol der Muse Dichtung stehen. Aber das bleibt allein Tischbeins Geheimnis.

Service: Das Buch von Helmut Burger „Kunst und Heizung, Nachhaltigkeit und Wärme“, 130 Seiten stark und attraktiv bebildert, ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-88382). Die Buchhandlung Jakobi in der Fußgängerzone Frankenberg zeigt es zusammen mit anderen Werken des Autors zum Künstlerischen Eisenguss in einem Sonderaufbau.

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