Neue Pläne für Kreisverwaltung und THM

Stadt und Kreis einigen sich: Teil des Landratsamtes in Frankenberg wird abgerissen

Der Ostflügel des Landratsamtes an der Uferstraße in Frankenberg. Dieser Gebäudeteil neben dem ehemaligen Kloster soll abgerissen werden
+
Aus den 1960ern: Der Ostflügel des Landratsamtes an der Uferstraße in Frankenberg. Dieser Gebäudeteil neben dem ehemaligen Kloster soll abgerissen werden

Der fast 60 Jahre alte Ostflügel des Landratsamtes in Frankenberg soll im nächsten Jahr komplett abgerissen werden. Das sehen neue Pläne von Stadt und Landkreis vor.

Frankenberg - Die Pressemeldung der Kreisverwaltung klingt zunächst unspektakulär: „Der Landkreis Waldeck-Frankenberg stellt der Stadt Frankenberg das Gelände des Ostflügels seiner Verwaltungsstelle im ehemaligen Kloster St. Georgenberg zur Verfügung.“ Konkret bedeutet das: Die Stadt darf den 60er-Jahre-Bau abreißen und den Bereich im Sinne der Stadtentwicklung umgestalten. Einen Beschluss dazu habe der Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung gefasst, teilte der Landkreis mit.

In der Pressemitteilung heißt es, der fast 60 Jahre alte Ostflügel habe zu seiner Entstehungszeit um 1960 als Musterbeispiel einer gelungenen architektonischen Verbindung von historischer und moderner Bausubstanz gegolten. Mittlerweile sei das in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtete Bauwerk stark in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig.

Der Kreistag hatte die Sanierung bereits 2016 beschlossen und Geld dafür bereitgestellt. Die Genehmigung der Stadt Frankenberg als zuständige Behörde in dem Sanierungsgebiet fehlte jedoch, sodass die weitere Planung „in beiderseitigem Einverständnis zunächst ruhte“, wie der Kreis mitteilt.

„Jetzt kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit“, berichtet Landrat Dr. Reinhard Kubat. „Denn durch den geplanten Neubau für Räumlichkeiten der Technischen Hochschule Mittelhessen auf dem Areal der Sparkasse in der Uferstraße wird demnächst das von der THM bislang genutzte Gebäude im rückwärtigen Bereich der Verwaltungsstelle frei und wir können die im Ostflügel untergebrachten Büros dorthin verlagern.“

Auch das ist neu, denn der Plan für den THM-Neubau neben der Sparkasse war vor drei Jahren ad acta gelegt worden. Stattdessen sollten die bestehenden Räume der THM im ehemaligen Gesundheitsamt „optimiert“ werden, hieß es 2017.

Im Ostflügel des Landratsamtes in Frankenberg befinden sich Büros der Kreisverwaltung.

Es habe damals „vergaberechtliche Probleme“ mit den Neubau-Plänen auf dem Sparkassen-Areal gegeben, berichtete der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese auf Nachfrage. Diese Probleme seien nun gelöst. Die Entscheidung über den THM-Neubau soll der Kreistag am 2. November treffen. Bei der Suche nach einem neuen Standort für die THM mit ihrem dualen Studienangebot sei der Neubau neben der Sparkasse „immer das bevorzugte Objekt“ gewesen, sagte Frese. „Darauf konzentrieren wir uns jetzt wieder.“

Die Stadt wolle den Abriss des Ostflügels bereits im Sommer 2021 beginnen, da die Frist für die Beantragung von Mitteln aus dem europäischen Regionalentwicklungsfonds EFRE bald ende, sagte Frese. Die Stadt habe dann die Möglichkeit, das frei werdende Grundstück in einen Zusammenhang mit der Neugestaltung des Parkplatzes und der Renaturierung der Nemphe zu bringen.

Das sagt der Bürgermeister

„Ich freue mich sehr über diese Entwicklung“, sagt Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß. „Die Diskussionen über den Anbau begleiten mich seit rund 20 Jahren. Seitdem gab es immer wieder Ansätze und Planungen. Mein Wunsch war zu jeder Zeit, den historischen Klosterbau mit dem Torhaus wieder zur Nemphe und zur Eder zu öffnen, damit er seine ganze Wirkung entfalten kann. Der Wunsch wurde auch von vielen Teilnehmern der Ideenrallye und der Bürgerversammlung zur Landesgartenschau genannt.“

Heß: „Zuletzt gab es vielfältige Gespräche mit dem Eigentümer, bis wir jetzt endlich den Durchbruch erreichen konnten. Hier galt es in den vergangenen Jahren, viele dicke Bretter mit dünnen Bohrern zu bearbeiten. Aber ich bin sehr froh, dass der Landkreis unserem Wunsch entgegenkommt, so dass wir hier einen neuen städtebaulichen Akzent setzen können.“

„Ich bin sehr froh, dass der Landkreis unserem Wunsch entgegenkommt, so dass wir hier einen neuen städtebaulichen Akzent setzen können.“

Bürgermeister Rüdiger Heß

Die Stadt möchte in den nächsten Jahren die Umplanungen im Klosterumfeld fortführen – mit dem Umbau der Parkplätze und Garagen zu innenstadtnahem Parken und der Schaffung von Naturraum mit der Weiterführung der Nemphe-Renaturierung. Eine Aufwertung des Klosterumfeldes, die Steigerung der Aufenthaltsqualität und eine höhere Verweildauer in diesem Bereich seien das Ziel. Heß: „Schön wäre die Schaffung von gastronomischen Angeboten in diesem Umfeld.“

Wichtig sei ihm aber auch, dass die im Ostflügel wegfallenden Büros des Landkreises in Frankenberg erhalten bleiben und damit die Dienstleistungen vor Ort. „Wichtig ist außerdem, dass der künftige Standort der THM so in das städtische Umfeld eingebunden wird, dass in der Innenstadt keine neuen massiven Baukörper entstehen“, sagt Heß. „Denn gerade öffentliche Bauten sollten Vorbildcharakter haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.