Pater Bonifatius: Krieg ist Niederlage der Menschlichkeit

Mahnende Worte während zentraler Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Frankenberg

Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Frankenberg: Stadtverordnetenvorsteher Björn Jäger (Mitte) legte mit Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß einen Kranz nieder, rechts hinten Landrat Dr. Reinhard Kubat.
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Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Frankenberg: Stadtverordnetenvorsteher Björn Jäger (Mitte) legte mit Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß einen Kranz nieder, rechts hinten Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Aller Kriegstoten sowie Opfer von Gewalt, Terror und Vertreibung wurde am Sonntag an vielen Gedenkorten in Waldeck-Frankenberg gedacht.

Frankenberg – Dass die Menschen in Deutschland seit mehr als 70 Jahren ein freiheitliches und selbstbestimmtes Leben führen dürfen, hat einen hohen Preis gekostet. Dies führt besonders mit Blick auf die nationalsozialistische Herrschaft und den Zweiten Weltkrieg der Volkstrauertag vor Augen. Daran erinnerte der Frankenberger Pater Bonifatius Heidel vom Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder auf dem Frankenberger Friedhof.

Dort fand die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag mit Kranzniederlegungen am Hochkreuz und an den Ehrentafeln in der Friedhofskapelle statt. Dabei hielt der katholische Seelsorger die Ansprache, während sein evangelischer Amtskollege Horst Schiffner ein Gebet sprach. Eine weitere Ansprache hielt Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß.

Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag: Der Frankenberger Pater Bonifatius Heidel vom Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder sprach nahe des Hochkreuzes auf dem Friedhof in Frankenberg zu den zahlreichen Besuchern. Rechts im Hintergrund der Kommandeur der Frankenberger Burgwaldkaserne, Kai-Alexander Hoberg.

Pater Bonifatius spann in seiner Rede den Bogen hin zu aktuellen Entwicklungen in der Welt: „Bis heute gibt es Staaten auf dieser Erde, die unter fadenscheinigen Begründungen ihren Bürgern Grundrechte in großem Maße einschränken und vorenthalten. An der belarussisch-polnischen Grenze müssen wir in diesen Tagen erleben, wie mit der Not von Menschen und deren Hoffnung auf eine bessere Zukunft Machtspiele ausgetragen werden.“ Begleitet werde dieses perverse Schauspiel von gewaltigem Säbelrasseln. Krieg sei immer eine Niederlage der Menschlichkeit.

Zwar müssten manche Kriege gekämpft werden, um Menschen aus Unterdrückung zu befreien: „Doch auch hier finden wir die Niederlage der Menschlichkeit, weil es überhaupt erst zu einer Situation kommen konnte, in der ein oder mehrere Menschen sich in einer Art und Weise über alle anderen erheben, dass deren Grundrechte und oft genug auch ihre Würde eingeschränkt und mit Füßen getreten wird.“

Auch der Posaunenchor sorgte neben dem MGV Liedertafel für die musikalische Umrahmung.

Nach seinen Worten stehen „wir in der Pflicht, die Würde jedes Menschen und den Schutz der Grundrechte aller mit allem Eifer zu verteidigen“. Die Bundesrepublik Deutschland habe sich „Einigkeit und Recht und Freiheit“ auf die Fahnen geschrieben. Pater Bonifatius: „Es liegt an uns allen, diese hohen und ehrenwerten Ideale zu schützen und zu leben. Bieten wir mit Entschiedenheit allem und jedem die Stirn, wer diese in Frage stellt oder mit Füßen tritt.“

Beim Volkstrauertag wird aller Kriegstoten sowie Opfer von Gewalt, Terror und Vertreibung gedacht. Bürgermeister Rüdiger Heß unterstrich: „Wir trauern auch um die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die in den vergangenen Jahren bei Auslandseinsätzen ihr Leben verloren haben.“

Nach den Kranzniederlegungen am Hochkreuz mit einer Ehrenformation der Bundeswehr.

Letztlich sei der Volkstrauertag mit zunehmendem Abstand vom Krieg mittlerweile vor allem ein Tag der Anteilnahme – mit allen, die Leid tragen und um die Toten trauern. Heß: „Nach mehr als anderthalb Jahren Pandemie gedenken wir darum heute auch der fast 100 000 Corona-Toten allein in Deutschland und ihrer Angehörigen.“

Vom Volkstrauertag solle auch Hoffnung ausgehen: „Darum spreche ich die Hoffnung aus, dass wir nicht abstumpfen aufgrund der allgegenwärtigen und beinahe schon alltäglichen Gewalt, der Bedrohung durch Terror und Krieg“, rief Heß den zahlreichen Besuchern der Gedenkfeier zu – darunter auch Landrat Dr. Reinhard Kubat, Vertreter von Stadt und Landkreis, Bundeswehr und Feuerwehr sowie die musikalischen Teilnehmer Posaunenchor und MGV Liedertafel.

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