Kritik an Vergabeverfahren

Frankenauer Pferdehalter bei Neuverpachtung von kirchlichen Flächen ausgeschlossen

Dieter Caspar aus Frankenau wurde bei der Neuverpachtung der kirchengemeindlichen Flächen nicht mehr berücksichtigt und fühlt sich ungerecht behandelt.
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Dieter Caspar aus Frankenau wurde bei der Neuverpachtung der kirchengemeindlichen Flächen nicht mehr berücksichtigt und fühlt sich ungerecht behandelt.

Ein Frankenauer Pferdezüchter erhielt bei der Vergabe von landwirtschaftlichen Pachtflächen der Kirche keinen Zuschlag und hat Widerspruch eingelegt.

Frankenau – Dieter Caspar fühlt sich ungerecht behandelt und ist „maßlos enttäuscht“: Der Pferdehalter, der seit rund 20 Jahren landwirtschaftliche Flächen des Gesamtkirchenverbandes Frankenau gepachtet hat, wurde bei der jüngsten Ausschreibung zur Neuverpachtung nicht mehr berücksichtigt. Konkret hatte er „in guter Hoffnung“, wie er sagt, auf ein 1,5 Hektar großes Stück Ackerland in der Nähe seines Hofes geboten, das er seit 2015 bewirtschaftet hatte.

Sein Angebot erhielt jedoch keinen Zuschlag.

Da er vom Kirchenvorstand weder eine Zusage noch eine Absage bekommen hat, habe er beim Kreiskirchenamt in Korbach angerufen und von dort erfahren, dass die Fläche zum 1. Oktober an einen Mitbewerber verpachtet worden sei, sagt Caspar. „Das hat bei mir große Enttäuschung und auch ein gewisses Unverständnis hervorgerufen, da ich die Kirchenflächen über viele Jahre ordnungsgemäß gepflegt habe und meinen Zahlungsverpflichtungen immer nachgekommen bin.“

Der für die Vergabe der Pachtflächen zuständige Kirchenvorstand habe ihm mitgeteilt, dass es dieses Mal eine übermäßig große Anzahl an Bewerbern gegeben habe und man deshalb zu den bestehenden Vergabekriterien, noch folgende hinzugefügt habe: 1. Interessenten, die direkt oder indirekt von der Landwirtschaft leben, sind vorrangig zu behandeln, 2. Interessenten, die dem Landschaftsschutz oder Naturschutz verpflichtet sind (NABU, Arche-Region) sind ebenfalls vorrangig zu behandeln.

Private Pferdehalter, wie er, seien daher von vornerein ausgeschlossen worden, kritisiert Caspar, der hierin eine Diskriminierung der ganzen Pferdebranche sieht.

„Ich möchte außerdem betonen, dass es sich bei der Fläche, auf die ich geboten habe, um Ackerland handelt und dies mit privater Pferdehaltung rein gar nichts zu tun hat.“ Er habe einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 14 Hektar Fläche, davon 7,5 Hektar Getreideanbau mit Zertifizierung durch das Gütesiegel „Gutes aus Hessen“.

„Der Verlust einer Ackerfläche von einem Hektar ist betriebswirtschaftlich schwer zu verkraften, zumal die Fläche in unmittelbarer Nähe zum Betrieb liegt“, betont der Frankenauer. Nicht nachvollziehen könne er auch, dass Vollerwerbslandwirte bevorzugt werden sollen: „Immerhin sind 90 Prozent der Betriebe in Waldeck-Frankenberg im Nebenerwerb tätig.“

Auch das Kriterium Landschaft und Naturschutz erfülle er mit extensiver Bewirtschaftung, sagt Caspar, der am Agrarumweltprogramm des Landes Hessen teilnimmt. Dieter Caspar ist der Meinung, dass Fehler bei der Neuverpachtung gemacht wurden und hat Widerspruch gegen die Nichtberücksichtigung eingelegt.

Das sagt der Frankenauer Kirchenvorstand

Auf Nachfrage hat sich der Frankenauer Kirchenvorstand wie folgt zum Thema geäußert: „Die Evangelische Kirchengemeinde Frankenau hat in einem öffentlichen Verfahren ihre Flächen zur Pacht angeboten. Das Interesse war riesig: Oft bis zu sechs Interessenten haben sich auf jede einzelne Fläche beworben. Alle Angebote haben den Vergabekriterien der Landeskirche entsprochen. Schöpfungstheologische Kriterien haben für Institutionen wie den NABU und die Archeregion gesprochen. Soziale Kriterien haben nach langen Beratungen schließlich den Ausschlag für Betriebe gegeben, die mit ihren Familien davon leben. Über 80 Prozent aller Interessenten oder Institutionen, die ein Angebot abgegeben haben, sind wegen mangelnder Flächen leider leer ausgegangen. Das hat sicherlich bei einigen zu verständlichen Enttäuschungen geführt. Von den zahlreichen Interessenten, die ein Angebot abgegeben haben, hat dann ein Interessent Widerspruch gegen das Vergabeverfahren beim Kirchenkreisamt eingelegt. Inzwischen liegt dieser Widerspruch dem Landeskirchenamt zur Prüfung vor.“

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