Prüfauftrag an den Magistrat

Pfingstmarkt in Frankenberg: Organisator kritisiert Beschluss der Stadtverordneten

Pfingstmarkt in Frankenberg, Kettenkarussell.
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Wer soll den Pfingstmarkt in Frankenberg (Archivbild) organisieren? Das soll der Magistrat im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung klären.

Die Diskussion um die Organisation des Frankenberger Pfingstmarktes geht weiter. Am Freitag, 16. Juli 2021, hat sich die Schausteller-Familie Wagner dazu geäußert. Sie organisiert das Volksfest seit 60 Jahren im Auftrag der Stadt.

Frankenberg – „Ohne konkreten Anlass müssen wir nun unsere Arbeit rechtfertigen.“ Das schreibt die Frankenberger Schausteller-Familie Wagner und nimmt Bezug zu einem Beschluss der Frankenberger Stadtverordnetenversammlung: Das Parlament hat den Magistrat, wie berichtet, auf Antrag von CDU und Grünen und mit deren Mehrheit damit beauftragt, zu prüfen, ob die Stadtverwaltung den Pfingstmarkt selbst organisieren kann.

Seit 60 Jahren organisiert Familie Wagner das fünftägige Volksfest auf der Wehrweide, das wegen Corona 2021 und 2020 ausfallen musste. „Wir haben bewusst etwas Zeit vergehen lassen, um uns einen Überblick des Geschehens zu machen“, schreibt die Familie nach dem Beschluss der Stadtverordneten vom 8. Juli.

„Selbstverständlich lassen wir uns von einem Antrag nicht ins Bockshorn jagen, aber wir fragen uns, was wir falsch gemacht haben – und ja, es fühlt sich wie ein Schlag ins Gesicht an“, heißt es in der mehrseitigen Stellungnahme.

(von links) Veranstalter Max und Annabell Wagner sowie Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß bei einem Pressetermin im Mai 2021. Damals war der Frankenberger Pfingstmarkt wegen Corona erneut abgesagt worden.

Nach der Berichterstattung in der HNA über den Beschluss der Stadtverordneten habe es „eine Welle der Unterstützung“ für die Familie gegeben, „die uns in unserem Handeln bestätigt. Aber zugleich nehmen wir eine Verhärtung der Fronten wahr, und das macht uns große Sorgen. Aus unserer Sicht ist es immer besser, miteinander zu sprechen als übereinander.

„Gegenüber der Stadt haben wir immer Transparenz gezeigt und mit der Verwaltung gemeinsam Entscheidungen getroffen, wobei die Stadt immer als Veranstalter das letzte und entscheidende Wort hat. Wir setzen die Stadt über jeden Punkt unserer Planung in Kenntnis.“

Wagner: „Unverschuldet in die Krise gerutscht“

Die Familie berichtet, wie sie vergangenes Jahr durch die Corona-Pandemie „unverschuldet in die größte Krise unserer Unternehmensgeschichte“ gerutscht sei. „Wir versuchten ein Konzept zu entwickeln, um den Pfingstmarkt doch durchführen zu können.“ Doch das Volksfest, zu dem in der Regel rund 250 000 Besucher kommen, war nicht möglich. „Ein Jahr Vorbereitung, Arbeit und Planung für umsonst. Bald darauf folgte die Vorbereitung für den Pfingstmarkt 2021. „Die Arbeit war die gleiche, das Ergebnis ist bekannt“, schreibt die Familie. „Wir sehen den Ausfall als unternehmerisches Risiko und haben uns nicht beschwert. Wir haben unsere Arbeit gemacht.“

„Gegenüber der Stadt haben wir immer Transparenz gezeigt. Wir setzen die Stadt über jeden Punkt unserer Planung in Kenntnis.“

Die Schausteller-Familie Wagner

Auch nach 19 Monaten Pause komme eine Umorientierung für das Unternehmen nicht in Frage: „Wir leben unseren Beruf. Und der Pfingstmarkt hat für uns immer oberste Priorität. Er ist fast wie ein Familienmitglied.“

Das Fest sei auch ein Wirtschaftsfaktor für Gastronomie, Hotellerie und Handel. Es sei aber immer politisch neutral gewesen und frei von Marken- und Sponsorenverträgen und somit frei in seiner Gestaltung. „Wir begrüßen es, wenn die Feste in Frankenberg attraktiver werden sollen. Wir würden uns gerne mit unserem Know-how und unserem Netzwerk einbringen.“

Stattdessen werde damit begonnen, das Althergebrachte, „die Nummer eins in der Frankenberger Festgeschichte“, infrage zu stellen. „Wir versuchen jedes Jahr unsere Maßstäbe ein bisschen höher zu setzen. Unser Gastronomieangebot ist in den letzten Jahren gehobener geworden, die Marktstände erlesener, die Fahrgeschäfte spektakulärer, das Programm vielfältiger, auch an der Aufenthaltsqualität haben wir stark gearbeitet.“

Wagner: Jeder kann sich bewerben

Die auf Facebook geäußerte Kritik, dass zu wenige Frankenberger Betriebe nach Schaustellerart zugelassen werden, sei für Familie Wagner haltlos: „Von einigen Betrieben lag noch nie eine Bewerbung zum Pfingstmarkt vor“, entgegnet sie in ihrer Stellungnahme. „Darüber hinaus sind in anderen Fällen Mindestanforderungen an Bewerbungen rechtlich zwingend erforderlich. Es steht jedem frei, sich für den Pfingstmarkt zu bewerben, die Ausschreibung ist ständig unter pfingstmarkt-bewerben.de ersichtlich und kostenlos. Wir müssen auch auf ein Gleichgewicht der Stände achten, ein Überangebot gleicher Stände ist nicht zielführend.“

Als Organisator habe man feststellen müssen, „dass das von uns als wichtig angesehene Gewerbezelt keinen Zuspruch mehr vom Handel bekam“. Nachdem die selbstständige Organisation durch den Handel nicht mehr möglich gewesen sei, habe Familie Wagner „mit aller Anstrengung“ versucht, das Gewerbezelt auf dem Pfingstmarkt zu halten, aber auf Grund der geringen Nachfrage musste sie es aufgeben.

„Ein politisches Vorantreiben für die Durchführung des Gewerbezeltes würden wir begrüßen. Dies wäre für die Veranstaltung und bestimmt auch für den Handel sicherlich ein Mehrwert, der den Charakter des Marktes steigern würde.

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