„Nach einer Woche bei uns waren das die liebsten Kinder“

70-jährige Pflegemutter aus Reddighausen betreute mehr als 70 Kinder

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Verabschiedung von Pflegemutter Elsbeth Stelter (70) aus Reddighausen (sitzend): dahinter Carmen Debus-Nordmann vom Jugendamt und Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, rechts Stelters Enkelin Lisanne.  

Reddighausen. 42 Jahre lang hat Elsbeth Stelter Pflegekinder bei sich zu Hause betreut. Dafür haben sich das Jugendamt und der Landkreis Waldeck-Frankenberg nun bedankt. 

„Sie stand immer zur Verfügung, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Was sie in all den Jahren für die Kinder geleistet hat, ist mit Geld nicht aufzuwerten.“ Mit diesen Worten hat Carmen Debus-Nordmann vom Jugendamt des Landkreises die Arbeit von Elsbeth Stelter aus Reddighausen gewürdigt.

42 Jahre lang hat Elsbeth Stelter Pflegekinder bei sich zu Hause betreut – neben den eigenen beiden Kindern bis zu drei Pflegekinder gleichzeitig. Kürzlich ist sie 70 Jahre alt geworden und möchte nun kürzer treten. Insgesamt habe Elsbeth Stelter mehr als 70 Pflegekinder in all den Jahren bei sich aufgenommen, sagte Carmen Debus-Nordmann. Diese Leistung würdigte auch der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese.

Seit 19 Jahren im Notdienst für das Jugendamt 

Seit 1999 kümmerte sich Elsbeth Stelter auch um Bereitschaftspflege-Kinder. Was das bedeutet, können Berufsfremde wohl nur erahnen. Wenn ein betrunkener Mann seine Frau schlage und Nachbarn die Polizei riefen, komme die Frau ins Krankenhaus und der Mann in Polizeigewahrsam, nannte Carmen Debus-Nordmann ein Beispiel aus der traurigen Praxis. Doch was wird dann aus dem Kleinkind, das nachts um 2 Uhr weinend im Bettchen steht?

Für diese Fälle hat das Jugendamt einen Notdienst. Dann werden Frauen wie Elsbeth Stelter gefragt, ob sie ein Kind befristet bei sich aufnehmen können. „Das kann nachts um 23 oder 3 Uhr sein, vielleicht auch morgens um 5 Uhr“, erzählte Carmen Debus-Nordmann. „Frau Stelter hat immer Ja gesagt.“

Sieben solcher Bereitschaftspflegestellen gibt es im Landkreis: vier im Altkreis Frankenberg und weitere drei im Altkreis Waldeck.

„Immer schön ruhig bleiben“, lautet die wichtigste Grundregel von Elsbeth Stelter. Zuwendung und Konsequenz führten zum Ziel: „Nach einer Woche bei uns waren das die liebsten Kinder“, so Stelter.

"Viele Kinder brauchen einfach nur ein bisschen Nestwärme“

Im Betreuungsfall geht es nicht nur um die Kinder, sondern auch um die leiblichen Eltern, die auch in der Pflegefamilie ein Besuchsrecht haben. „Das spielte sich dann alles bei uns ab“, erzählte Elsbeth Stelter.

„Es gibt immer wieder Situationen, die eine große Herausforderung darstellen“, weiß Carmen Debus-Nordmann vom Jugendamt. „Viele Eltern haben einfach nicht im Blick, was die Kinder wirklich brauchen.“

Das sei in aller Regel nicht das Handy oder ein Facebook-Account. „Viele Kinder brauchen einfach nur ein bisschen Nestwärme“, sagt Debus-Nordmann. 

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