Vor allem Senioren sind Opfer von Betrug am Telefon

Polizei Waldeck-Frankenberg warnt vor Enkeltrick-Betrügern

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Richtig gegen Betrüger und Einbrecher schützen: Bei einer Informationsveranstaltung in der Ederberglandhalle informiert Hauptkommissarin Susanne Gottmann, wie man sich am besten schützt.

159 Betrugsversuche über das Telefon wurden der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg 2018 gemeldet. Die Tendenz für 2019 ist laut Polizeisprecher Dirk Richter steigend.

Ein Anruf von der Enkelin, dem Neffen oder einem Bekannten – in der Weihnachtszeit eine schöne Überraschung. Doch dahinter könnte auch ein Betrüger stecken, warnt die Polizei Waldeck-Frankenberg.

„Es gibt nach wie vor sehr viele Anrufe von Betrügern“, sagt Polizeihauptkommissarin Susanne Gottmann. 159 Betrugsversuche über das Telefon wurden der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg 2018 gemeldet. Die Tendenz für 2019 ist laut Polizeisprecher Dirk Richter steigend. 2017 waren es 99. Zuvor wurden diese Daten nicht in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst.

Vermutlich seien es jedoch noch viel mehr, sagt Richter. „Wir gehen in diesem Bereich von einer hohen Dunkelziffer aus.“ Viele Betrugsversuche, also Anrufe von angeblichen Enkeln oder Polizeibeamten sowie falsche Gewinnversprechen, würden erst gar nicht bei der Polizei gemeldet.

Immer wieder stehlen die Täter Wertgegenstände und hohe Geldbeträge. Einen besonders spektakulären Fall gab es 2015 im Schwalm-Eder-Kreis: Ein Senior überwies Betrügern in Afrika 300 000 Euro. Diese hatten ihm vorgegaukelt, dass er Anspruch auf ein Erbe in Höhe von 15 Millionen Euro habe.

In Waldeck-Frankenberg blieb es in den meisten Fällen beim Betrugsversuch. Nur in wenigen Fällen hätten die Betrüger mit den Maschen Erfolg gehabt, sagt Richter. Seit 2017 ist der Polizei kein Fall bekannt, bei dem Betrüger mit dem Enkeltrick Geld erbeuteten.

Einen Grund dafür sieht Richter in der Präventionsarbeit der Polizei. In den vergangenen Jahren habe die Polizei wiederholt über die Betrugsmaschen aufgeklärt. Diese seien daher inzwischen vielen potenziellen Opfern, deren Angehörigen und auch Mitarbeitern von Banken und Sparkassen bekannt.

Senioren werden gezielt von den Betrügern ausgewählt

„Wenn Sie die Betrugsmaschen kennen, dann können Sie handeln“, erklärt Gottmann. Bei einer Informationsveranstaltung in der Ederberglandhalle in Frankenberg hat sie Senioren über die Arbeitsweise von Betrügern informiert – und wie man sich dagegen schützen kann. „Und sagen Sie nicht, das kann mir nicht passieren.“ Die Täter würden an die Hilfsbereitschaft der Opfer appellieren und gezielt mit Druck und Angst arbeiten.

„Wer etwas von Ihnen möchte, wird nicht ärgerlich sein, wenn Sie sich Zeit nehmen, um zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht,“ sagt Gottmann. Die Betrugsmaschen hätten eines gemeinsam: „Es geht den Tätern immer um ihr Geld".

Vor allem ältere Menschen sollten vorsichtig sein, denn Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach kurzen Telefonnummern und alt klingenden Namen. „Ändern Sie Ihren Telefonbucheintrag“, rät die Hauptkommissarin. Zumindest die Adresse, der Vorname und der Telefonbucheintrag im Internet sollten gelöscht werden.

Mit folgenden Tipps der Polizei können Sie sich vor Betrug am Telefon schützen:

- Geben Sie niemals persönliche Informationen am Telefon weiter.

- Sprechen Sie am Telefon niemals über finanzielle Verhältnisse.

- Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

- Bei Anrufen der Polizei wird niemals die 110 im Display angezeigt.

- Legen Sie sofort auf, wenn Sie nicht sicher sind, wer Sie anruft.

- Informieren Sie die Polizei über die 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Oft gehen die Täter systematisch vor und es kommt zu viele Anrufen in einer Region.

Nicht nur am Telefon, auch an der Haustür ist Vorsicht geboten. Mit verschiedenen Methoden lenken die Täter ihr Opfer ab, um in die Wohnung zu gelangen.

Polizei: So kann man sich vor Betrug an der Haustür schützen: 

- Schauen Sie vor dem Öffnen, wer vor der Tür steht.

- Öffnen Sie die Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel.

- Lassen Sie keine Fremden in ihre Wohnung.

- Nehmen Sie sich die Zeit und prüfen Sie die Identität der Person. Lassen Sie sich den Personalausweis zeigen. Rufen Sie zum Beispiel die Firma des Handwerkers oder die Polizei an.

Weitere Tipps gibt es unter polizei-beratung.de sowie in der Beratungsstelle der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Pommernstraße 41 in Korbach, Tel. 05631/97116. Die Polizei empfiehlt die App Hessenwarn. Wenn es zu vermehrten Anrufen in einer Region kommt, warnt die Polizei über die App.

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