In Waldeck-Frankenberg sind nur vier Prostituierte offiziell angemeldet

Prostitution: Neues Gesetz betrifft auch bekanntestes Bordell der Region

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Arbeitet im Sauna- und Wellnessclub in Bredelar: Sophia (22).

Seit mehr als einem Jahr gilt bundesweit das Prostituiertenschutzgesetz. Bei den Kommunen oder dem Landkreis muss sich melden, wer sich prostituiert oder ein Bordell betreibt.

Im Landkreis sind offiziell nur vier Sexarbeiterinnen gemeldet und drei Prostitutionsstätten.

Um Frauen in diesem Beruf besser zu schützen und die Prostitution besser zu regulieren, hatte der Bund das Gesetz erlassen, das am 1. Juli 2017 in Kraft trat. Wer in Waldeck-Frankenberg als Prostituierte arbeitet, muss sich persönlich anmelden. In den größeren Städten Korbach, Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg ist das direkt bei den Ordnungsämtern möglich, für alle kleineren Städte und Gemeinden ist der Landkreis zuständig.

Dort wird auch – beim Gesundheitsamt – die gesundheitliche Beratung durchgeführt, die ebenfalls verpflichtend ist. Dabei geht es um die Themen Verhütung, Risiken durch Alkohol und Drogen sowie um Krankheiten. Ein Informationsgespräch, in dem es um Rechte und Pflichten geht, gibt es bei den Ordnungsämtern der jeweiligen Kommunen.

Gemeldet sind im Landkreis eine Prostituierte in Korbach und drei in Bad Wildungen. In der Kreisstadt sind aber offiziell keine entsprechenden Etablissements geführt, in der Kurstadt dagegen zwei. In Frankenberg gibt es eine Hostessenwohnung, in Bad Arolsen ist weder eine Sexarbeiterin noch ein Bordell gemeldet.

Überprüfungen, ob Betreiber und Prostituierte korrekt gemeldet sind, gibt es allerdings nicht. Kontrollen gibt es nur dann, wenn bekannt wird, dass jemand ohne Anmeldung arbeitet oder ein Bordell nicht gemeldet ist. Dann sind auch Bußgelder fällig.

In den Polizeistatistiken spielt Prostitution keine Rolle, Delikte in diesem Bereich gab es dieses und vergangenes Jahr nicht, heißt es von der Polizei.

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Bis zu 20 Frauen am Wochenende

Das bekannteste und wahrscheinlich größte Bordell in der Region ist das „Parkschloss Dali“ im Marsberger Ortsteil Bredelar. An Wochenenden arbeiten in dem „Sauna- und Wellnessclub“ bis zu 20 Frauen. Das neue Prostituiertenschutzgesetz hat auch dort für Veränderungen gesorgt. Wer ein Bordell betreibt, ist dazu verpflichtet, die dort arbeitenden Prostituierten zu schützen, heißt es im Gesetz. Entsprechend ist etwa vorgeschrieben, dass jeder Raum, in dem eine „sexuelle Dienstleistung“ erbracht wird, über ein Notrufsystem verfügen muss. Im Parkschloss Dali gibt es – direkt neben jedem Bett – einen SOS-Knopf. Wird er gedrückt, kommt sofort ein Mitarbeiter. Gebraucht habe sie ihn bisher aber nie, sagt Sophia. Die 22-Jährige arbeitet im Club. „So ein Alarmsystem macht eher in Laufhäusern Sinn.“

Das Parkschloss Dali in Bredelar.

„Auch die Türen müssen sich jederzeit von innen öffnen lassen und die Räume dürfen von außen nicht einsehbar sein“, zählt Wolf Feldbusch Vorgaben aus dem Gesetz auf. Feldbusch, der sich um das Marketing des Clubs kümmert, befürwortet das Gesetz. Allerdings: „Es gibt Nachbesserungsbedarf.“ Weil es keine Kontrollen gebe, würde sich auch nicht jeder Betreiber an das Prostituiertenschutzgesetz halten, sagt er.

Gesundheitscheck alle paar Monate

Wer als Prostituierte arbeitet, muss sich entweder bei der Kommune oder dem Landkreis anmelden. Dort gibt es auch jeweils ein allgemeines Beratungsgespräch und eines mit dem Schwerpunkt Gesundheit. „Wenn die Mädchen schon zum Gespräch kommen: Warum gibt es dann nicht gleich eine Untersuchung?“, fragt er. „Das wäre sinnvoll und würde für die Gäste und die Mädchen besseren Schutz bedeuten.“

Sophia sieht das ähnlich. „Ich hatte mir mehr erhofft“, sagt sie. Alles, was ihr beim Gespräch mitgeteilt wurde, sei nichts Neues für sie gewesen. Sie selbst lasse sich alle paar Monate durchchecken, im Club sei zudem alle drei Monate ein Arzt, der Abstriche nehme – auf freiwilliger Basis, sagt Feldbusch.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Größer wird der Aufwand auch aus organisatorischer Sicht, sagt Feldbusch. Die Frauen seien im Saunaclub nicht fest angestellt, sondern arbeiteten selbstständig. Die Rechnungen, die die Prostituierten ausstellen, müssen für unterschiedlich lange Zeiträume aufbewahrt werden: Je nachdem, ob sie für das Finanzamt gedacht sind oder im Rahmen des neuen Gesetzes aufbewahrt werden sollen. Das sorge durchaus für Verwirrung.

Dass es nun beispielsweise auch eine Kondompflicht gibt, findet Wolf Feldbusch gut und richtig. Entsprechende Hinweisschilder hängen an mehreren Stellen in dem Saunaclub.

Dass es im Landkreis Waldeck-Frankenberg tatsächlich nur vier Prostituierte gibt, hält Wolf Feldbusch übrigens für unwahrscheinlich. Er geht davon aus, dass es viel mehr Sexarbeiterinnen gibt, die dann allerdings bei Behörden in anderen Städten oder Kreisen gemeldet sind.

„Die Fluktuation ist durchaus groß.“ Auch Sophia ist nicht im Hochsauerlandkreis gemeldet, sondern in Bergisch-Gladbach. Doch in Bredelar will sie bleiben, im Parkschloss fühle sie sich wohl, sagt sie.

Gesetz schreibt auch Kondompflicht vor

Wer im Rotlichtbereich arbeitet oder ein Bordell betreibt, muss sich bei den Ordnungsbehörden anmelden. Für Städte und Gemeinden mit weniger als 7500 Einwohnern ist der Landkreis die meldepflichtige Behörde.

Eine allgemeine Information ist verpflichtend, ebenso wie eine gesundheitliche Beratung, die für alle über 21 Jahre einmal im Jahr erfolgen muss. Dafür gibt es eine Bescheinigung. Aktiv werden die Behörden, wenn es Hinweise auf Zwangsprostitution gibt. Im Landkreis gab es solche Fälle bisher aber nicht, heißt es bei den Mittelzentren und der Kreisverwaltung.

Ein weiterer Aspekt des Gesetzes ist eine Kondompflicht. Sowohl die Sexarbeiter als auch die Kunden müssen dafür Sorge tragen, dass diese Vorschrift eingehalten wird. Wer gegen die Kondompflicht verstößt, kann mit einem Bußgeld von 50 000 Euro belegt werden. 

Wer keine Erlaubnis fürs Gewerbe hat oder nicht dafür sorgt, dass Anforderungen eingehalten werden, muss bis zu 10 000 Euro zahlen. Wer Dokumente nicht oder nicht rechtzeitig vorlegen kann oder nicht mindestens zwei Jahre aufbewahrt, muss mit bis zu 5000 Euro Geldbuße rechnen.

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