Prozess am Amtsgericht in Frankenberg

Prozess nach Schienbeinbruch in Fußballspiel: Jetzt geht es um Facebook-Nachrichten

Foulspiel beim Futsal-Turnier in Nidda: Spieler und Zuschauer prügelten sich in der Halle.
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Symbolbild

In einem Fußballspiel in der Frankenberger B-Liga hatte sich ein Spieler das Schienbein gebrochen. War es ein Foul des gegnerischen Torwarts oder ein unglücklicher Zusammenprall? Das wird weiterhin am Amtsgericht in Frankenberg verhandelt. Jetzt geht es auch um Facebook-Nachrichten

Frankenberg – Es war ein bisschen wie in einer Fernsehserie: Als sich die Beteiligten im Prozess um einen Schienbeinbruch beim Fußball schon auf einen neuen Termin für die Fortsetzung geeinigt hatten, kamen neue Details ans Licht – und damit neue Fragen. Nun will man wissen, wie es weitergeht. Doch das erfährt man erst beim nächsten Mal.

Wie berichtet, geht es in der Verhandlung um eine Szene aus dem Spiel der Frankenberger Kreisliga B zwischen Geismar/Ellershausen II und Gemünden II am 3. Oktober 2019. Damals hatte sich Geismars Stürmer Kevin Klinge in einem Duell mit Gemündens Torwart Dennis Müller das Schienbein gebrochen. Klinge hatte Müller später auf Schmerzensgeld verklagt.

Das Amtsgericht in Frankenberg muss nun klären, ob das damals ein unglücklicher Zusammenprall war oder ein Foul des Torwarts, vielleicht sogar mit Absicht. Am ersten Verhandlungstag am 21. Juni 2021 hatten vor allem Spieler und Zuschauer des TSV Gemünden ausgesagt – dem Verein des Torwarts. Am Mittwoch, 7. Juli 2021, wurden nun erstmals drei Zeugen von der SG Geismar/Ellershausen gehört.

Noch einige Fragen offen

Weiterhin unstrittig ist die Ausgangslage: Die Gastgeber der SG hatten in dem Spiel einen Ball in den Gemündener 16-Meterraum gespielt, Torwart Müller und Stürmer Klinge liefen zum Ball. Es kam zum Zusammenprall. Die noch offenen Fragen dazu waren nun dieselben wie vor zwei Wochen: Wie sind die beiden Spieler in den Zweikampf gegangen? Ist der Torwart gerutscht? Hat er sich in den Gegner gedreht? Wie hat er ihn getroffen?

„Der Torwart hat seine Beine aktiv in Richtung des Stürmers bewegt“, sagte einer von Klinges Mitspielern. „Ob er ihn treffen wollte, kann ich natürlich nicht beurteilen.“ Ein anderer Spieler sagte, Müller sei „mit den Beinen voraus“ in den Zweikampf gegangen. Ein Zuschauer aus Ellershausen, der selbst Schiedsrichter ist, sah „ein strafstoßwürdiges Foul“, weil Müller Klinge am Schienbein getroffen habe: „Das war für mich eher ein Treten als ein Reinrutschen. Die Beine sind nach oben gegangen. Ob es Reflex war oder Absicht, kann ich nicht sagen.“

Ein Gemündener Spieler sagte, Müller sei zum Ball gerutscht, nicht gesprungen. Wie er den Stürmer getroffen habe, habe er aber nicht gesehen. „Wir waren alle überrascht, was da passiert ist. Das wünscht man keinem“, sagte der Gemündener.

Facebook-Nachrichten bringen neue Details ins Spiel

Nach diesen Zeugenaussagen und denen vom ersten Verhandlungstag ist noch immer nicht geklärt, wie genau der Torwart den Stürmer getroffen hat. Dass Richterin Petra Kaschel noch kein Urteil gefällt hat, liegt auch an neuen Beweismitteln, wenn man sie so nennen will, die am Ende des zweiten Verhandlungstages eingebracht wurden.

Klinges Verteidigerin Dr. Astrid Ernst legte den Ausdruck einer Facebook-Nachricht vor, die Klinge von einem Mitspieler erhalten habe. Darin heißt es, Torwart Müller solle nach dem Spiel und seiner Roten Karte in der Kabine gesagt haben, er habe „mal wieder einen geknackt“. Müller bestreitet diese Aussage. „Das müssen wir aufklären“, sagte sein Verteidiger Behrendt. Deshalb sollen am 14. Juli weitere Zeugen gehört werden.

Der Verteidiger legte seinerseits eine Facebook-Nachricht von Klinge an Müller vor: Nach der Sportgerichtsverhandlung zu dem Fall am 21. Oktober 2019 soll Klinge den TSV Gemünden als „Lügenverein“ bezeichnet und dem Torwart geschrieben haben: „Deine Entschuldigung kannst du dir in den Arsch schieben.“ Und: „Das rächt sich.“

Klinge erklärte diese Nachricht nun vor Gericht mit seiner emotionalen Lage nach dem Schienbeinbruch und der Operation: „Fußball war für mich mein Leben.“ Nach der Verletzung hat er kein Spiel mehr bestritten. Er war vier Monate lang arbeitsunfähig. Er hat noch eine Platte und Schrauben im Bein, bald steht wieder eine OP an.

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