Hans-Viessmann-Schule: Klausur wurde nachgeschrieben

Prüfungspanne in Frankenberg: Warum der Einspruch der Schüler erfolglos blieb

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Die Fachoberschüler der Hans-Viessmann-Schule – hier ein Symbolfoto – mussten am Freitag ihre Deutsch-Klausur noch einmal mit neuen Aufgaben sc hreiben, weil es bei der ersten Prüfung eine Datenpanne gegeben hatte.

Obwohl ihre letzte Prüfung schon am 19. Mai war, mussten die Abschlussklassen der Fachoberschule an der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg am 5. Juni noch eine Deutsch-Klausur schreiben. Schuld war eine Prüfungspanne.

Wie berichtet, waren die Aufgaben der landesweiten Klausur vom 15. Mai vorab bekannt geworden – und an allen Fachoberschulen in Hessen außer der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg rechtzeitig an dem Morgen ausgetauscht worden. Obwohl die Frankenberger Schüler versichern, die Aufgaben nicht gekannt zu haben, mussten sie die Wiederholung mit neuen Aufgaben schreiben.

Warum das Ministerium sich von dieser Entscheidung nicht abbringen ließ? Wir haben nachgefragt.

Die Frankenberger Schüler hatten Kultusminister Lorz einen Brief geschrieben und Einspruch gegen die Wiederholung der Klausur eingelegt. Hatten sie damit irgendeinen Erfolg?

Nein. Ein Schüler hatte am Mittwoch sogar noch einen Eilantrag beim Verwaltungsgerichtshof gestellt, berichtete das Kultusministerium. Der Schüler habe den Antrag am Donnerstag aber wieder zurückgezogen. Der Antrag habe keine Aussicht auf Erfolg gehabt und sei auch juristisch nicht der richtige Weg gewesen, sagte Philipp Bender, der stellvertretende Pressesprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden.

Die Schüler in Frankenberg mussten die Deutsch-Klausur also am Freitag nachschreiben?

Ja. Und Pressesprecher Bender sagt, dass es dafür die gleichen Voraussetzungen wie bei der letzten Klausur gab. Soll heißen: „Die Schüler haben nicht irgendetwas ganz anderes vorgesetzt bekommen“, sagt Bender. Sie hätten also im Prinzip nichts Neues lernen müssen.

Die Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg

Warum gab es keine mildernden Umstände für die Frankenberger Schüler, die ja nicht Schuld waren an der Panne und die Aufgaben, wie sie beteuern, nicht vorher kannten?

„Hier war im rechtlichen Sinne kein Mitleid möglich“, sagt Bender. Es gebe klare Vorgaben, wie das Ministerium zu verfahren habe, wenn Prüfungsaufgaben vorab bekannt werden: 1.) die Aufgaben austauschen; 2.) wenn es Probleme gibt, die Prüfung nachschreiben lassen. Bender: „Das ist das gängige Verfahren. Jede Prüfung muss rechtssicher sein. Da gibt es keine großen Ermessensspielräume. Für Betroffene wirkt das immer, als seien wir hartherzig.“ Würde man den Frankenbergern aber eine Ausnahme gestatten und die Klausur mit den alten Aufgaben vom 15. Mai werten, dann könnten Schüler anderer Schulen klagen, die am 15. Mai die ausgetauschten Aufgaben bekommen hatten, erklärt der Pressesprecher.

Die Hans-Viessmann-Schüler hatten auch kritisiert, dass sie erst am 26. Mai erfahren hatten, dass sie die Deutsch-Klausur nachschreiben müssen – elf Tage nach der eigentlichen Klausur und eine Woche nach der letzten Abschlussprüfung. Wieso hat das so lange gedauert?

Das Kultusministerium habe erst einen Vorschlag machen und einen Erlass an die Schule schicken müssen, erklärte Pressesprecher Bender. „Das hat drei, vier Tage gebraucht. Danach wurden die Schüler umgehend informiert.“ Zudem habe es auch an zwei Fachoberschulen in Darmstadt und Frankfurt Probleme in einer Prüfung gegeben, berichtet er. Dort waren Aufgaben falsch kopiert worden, so dass Schüler ihre Klausuren nachschreiben mussten.

Wie war die Nachschreibe-Klausur für die Schüler?

Das Niveau der Nachschreibeklausur sei ähnlich der vom 15. Mai gewesen. „Da gibt es nichts zu meckern“, berichtete uns am Freitagnachmittag einer der betroffenen Fachoberschüler. „So wie ich es mitbekommen habe, ist jetzt auch bei der Organisation nichts schief gelaufen.“ 

Er sei in der ganzen Sache auch nicht sauer auf die Schule, sagte der Schüler. „Fehler passieren nun mal. Ist halt blöd, dass es in diesem Fall uns getroffen hat.“ Die Schule sei eigentlich „sehr verantwortungsvoll“ und habe gute Lehrer. 

Jetzt sei er zufrieden, dass er die Prüfung hinter sich habe und schaue „frohen Mutes“ auf den 19. Juni. Dann erhalten die Schüler ihre Prüfungsergebnisse.

Wie es zu der Panne kam

Ist mittlerweile eigentlich klar, wie die Deutsch-Aufgaben vorab bekannt werden konnten?

„Wir können nicht mehr genau rekonstruieren, wer es war“, sagt Bender. Früher bekamen die Schulen einen versiegelten Umschlag mit den Prüfungsaufgaben, heute wird am Morgen der Prüfung eine verschlüsselte E-Mail an die Schulen verschickt. Wegen der besonderen Prüfungsbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie habe das Ministerium den Lehrern die landesweit einheitlichen Aufgaben diesmal vorab gegeben. „Das war unser Entgegenkommen, unser Corona-Bonus“, sagt der Pressesprecher. Für die Deutsch-Klausur hätten die Lehrer den Schülern also zum Beispiel sagen können, welche Literatur wichtig sein könnte. Ein Lehrer hat es offenbar zu gut mit den Schülern gemeint und schon Tage vor der Klausur sämtliche Prüfungsaufgaben an die Tafel geschrieben. Dort wurden sie von einem Schüler abfotografiert und übers Handy verbreitet. Im Ministerium habe „Panik“ geherrscht, berichtet Bender, als man am Morgen der Prüfung davon erfahren habe. Der unbekannte Lehrer habe mit der Veröffentlichung der Aufgaben ein Dienstvergehen begangen, sagt Bender. Einen eigenen Fehler sieht das Ministerium nicht, der Pressesprecher gesteht aber, „dass das nicht optimal gelaufen ist“.

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