Video vermindert Ansteckungsgefahr  

Pünktlich zum Coronafall: Frankenberger Hausarzt Eisfeld bietet Online-Sprechstunden an 

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Bieten ab sofort Video-Sprechstunden an: Der Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld und dessen Kollegin Ayse Sarac. 

Frankenberg – Der Einsatz von Videotechnik in der Arztpraxis war schon länger geplant – durch den ersten bestätigten Fall einer Erkrankung durch das Coronavirus im Landkreis bekam die vom Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld geplante „Videosprechstunde“ aber plötzlich drängende Aktualität.

 „Schlagartig ist mir klar geworden, wie unschätzbar die Video-Funktion in der aktuellen Situation ist“, sagt der Mediziner.

Seit Donnerstag funktioniert die Video-Sprechstunde. Wer den Verdacht hat, vom Coronavirus SARS-CoV-2 befallen zu sein, kann eine Email an video@praxis-eisfeld senden. Ein Computerprogramm schickt dann zunächst eine Antwort. Per Videokamera können die Ärzte Stephan Eisfeld und Ayse Sarac die Patienten zurückrufen und „online“ beraten.

„Wir können den Leuten zeigen, wie der Abstrich in Nase und Rachen funktioniert. Das Röhrchen wird dann hinterlegt, abgeholt und ins Labor geschickt“, erklärt Eisfeld. Im Labor liege das Testergebnis nach etwa vier bis fünf Stunden vor.

Vorteil der Video-Beratung: Es findet kein direkter Kontakt zwischen Arzt und Patient statt. Eine Infektion der Ärzte, Praxis-Mitarbeiter und anderer Patienten ist damit ausgeschlossen.

Doch längst nicht jeder Schnupfen rechtfertigt das aufwendige Verfahren. Wer sich unbedingt testen lassen will, zahlt mindestens 130 Euro aus der eigenen Tasche.

Nicht alle Patienten haben ein internetfähiges Handy. Auch daran hat Hausarzt Eisfeld gedacht: „Wir haben ein Handy entsprechend vorbereitet. Bei Bedarf bringt jemand dieses Handy runter auf den Parkplatz. Wir Ärzte reden dann über Face-Time mit den Patienten.“

Das Programm Face-Time funktioniert bei Smartphones der Marke Apple wie ein Bildtelefon. Auch das weit verbreitete Programm „WhatsApp“ biete diese Funktion, sagt Eisfeld. Auf mögliche Probleme mit dem Datenschutz angesprochen, antwortet der Hausarzt: „In einer medizinischen Notlage halte ich das für legal.“

Erst seit Dezember ist die Video-Sprechstunde möglich. „Die Gesetzeslage wurde entsprechend geändert“, sagt Stephan Eisfeld. Inzwischen sei der Zugang recht einfach. Der Arzt müsse lediglich eine Videokamera kaufen. „Unser Software-Anbieter stellt das Modul derzeit allen Ärzten kostenlos zur Verfügung.“

Für den Einsatz der Video-Sprechstunde sehen die Frankenberger Hausärzte Eisfeld und Sarac noch viele weitere Möglichkeiten. Speziell ausgebildete Versorgungsassistentinnen könnten dem Arzt viele Hausbesuche abnehmen und den „Doktor“ im Zweifel per Video zuschalten.

Es gebe bereits für rund 300 Euro medizinische Koffer mit USB-Stethoskop (zum Abhören des Herzens und der Atemwege), USB-Othoskop (zum Betrachten des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells) und sogar quadratische Plättchen, die man Patienten auf die Nase lege und auf diese Weise ein EKG schreiben könne, berichtet der für technische Neuerungen stets aufgeschlossene Hausarzt.

Bei allem Respekt vor dem neuartigen Coronavirus sieht Stephan Eisfeld keinen Grund zur Panik: „Die Frequenzzahl steigt deutlich stärker als die der schweren Erkrankungen. Wir hatten schon deutlich schlimmere Epidemien.“

„Das Neue ist für viele Menschen das Unheimliche“, vermutet Ärztin Ayse Sarac. Sie hält das penible Einhalten von Hygieneregeln gerade nach dem ersten Corana-Fall im Landkreis Waldeck-Frankenberg für wichtig, warnt aber wie ihr Kollege Eisfeld vor Überreaktionen.

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