Unfall auf Wiese bei Frankenberg

Rehkitz starb beim Mähen: Landwirt muss 2500 Euro an Verein Kitzretter zahlen

Ein Rehkitz im hohen Gras
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Nur schwer zu sehen: Rehkitze verstecken sich häufig im hohen Gras (Symbolfoto).

Vermutlich aus Unachtsamkeit überfuhr ein 24-jähriger Mann bei Mäharbeiten an der Nuhne, einem Bach bei Frankenberg, ein Rehkitz, das daraufhin aufgrund schwerer Verletzungen starb. Jetzt musste der Mann dafür eine Strafe zahlen.

Frankenberg/Marburg – Nach dem Unfall soll sich der Landwirt nicht um das verletzte Tier gekümmert haben. Das würde einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen, lautete die Anklage. Der Fall wurde nun am Landgericht in Marburg verhandelt.

Der Vorfall hatte sich bereits im Juni 2018 ereignet und war im vergangenen Jahr zunächst Thema im Amtsgericht Frankenberg. Der aus dem Raum Medebach stammende Angeklagte arbeitete für einen Frankenberger Landwirt. Ohne gründliches Absuchen des Feldes im Vorfeld soll der Mann mit dem Mähen begonnen haben. Dabei übersah er das Rehkitz und fügte dem Tier schlimme Verletzungen zu.

In der Folge musste der Angeklagte die Mäharbeiten einstellen, da die Gerätschaft nicht mehr vollständig funktionierte. Vor Gericht gab er zu, den Unfall bemerkt zu haben. Eine Suche nach dem Jungtier sei allerdings ohne Erfolg geblieben.

Zeugin widersprach dem Angeklagten

Das Gegenteil behauptete bei der Verhandlung im Oktober 2020 eine Zeugin, die die Tat beobachtet hatte: Der Mann habe nichts unternommen, um das Kitz zu finden und diesem Hilfe zu leisten. Die Schreie des Tieres seien deutlich zu hören gewesen. Zwei weitere Aussagen führten dazu, dass der 24-Jährige damals zu einer Geldstrafe von insgesamt 7200 Euro verurteilt wurde, er legte jedoch Berufung ein.

In Marburg nahm sich Richter Dr. Marco Herzog des Falles an. „Wenn diese Aussagen stimmen, wäre eine Verlängerung der Schmerzen in Kauf genommen worden, was zu einem groben Verstoß gegen das Tierschutzgesetz führt“, erklärte der Jurist. Die Nachsuche sei bei einem solchen Unfall zwingend notwendig, anderenfalls stelle das eine Unterlassung dar.

Um die Frage eines Vorsatzes zu klären, sollten auch im Landgericht noch einmal die Zeugen angehört werden. Das war jedoch nicht möglich, da zwei der drei Personen aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort sein konnten.

Um eine Verschiebung des Gerichtstermins zu verhindern, schlug der Richter einen Kompromiss vor: Mit Blick auf den Verein Kitzretter, der sich im Landkreis Waldeck-Frankenberg engagiert, solle der Angeklagte eine Spende an diese gemeinnützige Organisation entrichten. Die Staatsanwältin forderte, dass die Bestrafung spürbar seien müsse. Nur dann würde sie diesem Vorschlag zustimmen.

2500 Euro hielt der Richter für eine angemessene Summe. Der Angeklagte und sein Verteidiger willigten ein. Auch die Staatsanwältin akzeptierte den Kompromiss, da das Geld einem guten Zweck diene. Bei Zahlung bis zum 31. Mai wird das Verfahren eingestellt.

Richter: Solche Fälle keine Seltenheit

Von einem „tragischen Unfall“ sprach Richter Dr. Herzog. Fälle wie dieser kämen allerdings immer wieder vor. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg arbeitet der Verein Kitzretter seit vier Jahren dagegen an. Ziel ist es, die Landwirte bei ihrer Arbeit zu unterstützen und so Unfälle bei Mäharbeiten zu verhindern.

Im Jahr 2020 wurden in über 150 Einsätzen Tiere auf einer Fläche von 4200 Hektar vor landwirtschaftlichen Arbeiten „vergrämt“ – also verscheucht – und so vor Verletzungen bewahrt. Diese Unterstützung schätzt der Kreisbauernverband Frankenberg. „Seit einiger Zeit arbeiten wir zusammen“, erklärte Geschäftsführer Matthias Eckel auf Nachfrage unserer Zeitung.

Ablaufen der Felder, Blinklichter oder Schallkanonen seien Möglichkeiten, um Rehe von landwirtschaftlichen Flächen fernzuhalten. Auch Wärmebilddrohnen seien eine Option, aber nach wie vor sehr kostspielig. „Das Interesse ist natürlich groß, dass solche Unfälle nicht mehr passieren. Zu 100 Prozent verhindern kann man diese jedoch leider nicht“, sagte Eckel. „Kitze sind nun einmal gut getarnt und laufen bei Gefahr nicht weg.“

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