Renate Seifert engagiert sich für Tierschutzverein Frankenberg

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Hunde sind ihre Lieblingstiere: Renate Seifert mit ihren beiden Hunden Rüdiger (links) und Ayla (rechts), die natürlich aus dem Tierschutz stammen.

Frankenberg. Seit 2002 ist Renate Seifert Vorsitzende des Tierschutzvereins Frankenberg und verbringt viele Stunden ihrer Freizeit im Tierheim.

Als wir uns verabreden, vergesse ich zu fragen, wo. Für Renate Seifert ist das gar keine Frage: „Im Tierheim natürlich.“

Für den Verein engagiert Seifert sich bereits seit 30 Jahren. Aus Liebe zum Tier. Diese Liebe geht weit zurück: „Schon mit vier Jahren soll ich auf die Frage: ,Willst du ein Brüderchen oder ein Schwesterchen?’ geantwortet haben, ,Ich möchte lieber einen Hund!’“, sagt Seifert. Mit fünf riss sie zu Hause aus, um einen bissigen Hund zu streicheln und „irgendwann habe ich mit anderen Kindern mal einem total verfilzten Königspudel mit der Nagelschere das Fell getrimmt“.

Seitdem hat sie unzählige Tiere aus misslichen Lagen gerettet, Katzenklos gereinigt und Hunde Gassi geführt. Trotz der vielen Arbeit und der Konfrontation mit den Schattenseiten der menschlichen Psyche hat das Engagement auch seine positiven Seiten. „Man kann die ganze Welt nicht verändern, aber die Welt eines Tieres schon“, sagt Seifert. Etwa wenn alte, kranke oder Tiere mit Behinderung ein Zuhause finden. Sie erinnert sich an einen Wolfsspitz, dessen Gassigeher sie adoptierten, nachdem klar war, dass ihr Krebs inoperabel ist. So ermöglichten sie der Hündin in einem richtigen Zuhause zu sterben. „Solche Geschichten entschädigen für vieles“, sagt Seifert.

Als Vorsitzende eines eingespielten Teams sind ihre Aufgaben die Öffentlichkeitsarbeit, die Spendenaquise, den Kontakt halten zum Landestierschutzverband und Entscheidungen fällen. Doch ihre Aufgaben sind nicht rein bürokratisch: „Ich fahre auch immer noch raus, wenn mich mal die Polizei anruft.“ Viele würden sie kennen und anrufen, wenn mal wieder ein verwahrlostes Tier unterwegs sei.

Viele der Schicksale bleiben hängen und beschäftigen sie auch heute noch. Etwa die von Benedikt. Eine Frau habe damals angerufen und gesagt, dass seit drei Tagen ein kranker Kater am Straßenrand liegt: „Er war in einem ganz schlimmen Zustand und wir dachten schon, mit ihm geht’s vorbei. Doch auf dem Tisch vom Tierarzt legte er den Kopf in meine Hand und begann zu schnurren. Da habe ich gesagt, wir müssen kämpfen“, erklärt die Vorsitzende. Benedikt überlebte.

Aber nicht nur die Geschichten bleiben hängen, sondern auch die Tiere. „Das nennt man im Tierschutz dann Pflegestellenversager“, erklärt Seifert. Auch ihr ist das schon passiert. Etwa bei ihrer Englischen Bulldogge Rüdiger, dessen pfeifendes Atmen einen zum Lachen bringt, aber eigentlich Zeichen einer Qualzucht ist. Seifert ist Rüdigers neunte Besitzerin.

Rüdiger ist genau wie ihre zweite Hündin Ayla ein Mini-Bullterrier, schon ein Senior. „Ich nehme ältere Tiere, weil ich es mit den jüngeren nicht mehr so schaffe“, sagt Seifert. Auch Menschen, die überlegen ein Tier aus dem Heim zu adoptieren, legt sie die „Senioren“ ans Herz: „Die Älteren haben einfach eine besondere Lebensweisheit.“ Im Allgemeinen wünscht sie sich, dass sich Menschen vor der Anschaffung beraten lassen, um zu schauen, was zu ihrem Lebenswandel passt. „Denn sonst landen sie bei uns.“ Ein Beispiel sei momentan der Jack Russell Terrier. Ein Tier, das seine Freiheit brauche und sehr viel Beschäftigung. Auch wenn er klein und niedlich sei, „ein Kinderwagenbegleithund ist das bestimmt nicht“.

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