Iraker soll Landkreis-Mitarbeiterin attackiert haben

Richter ließ Messerangriff im Landratsamt Frankenberg nachstellen

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Hinter diesen Mauern soll sich das Verbrechen ereignet haben: der Eingang zur Außenstelle des Fachdienstes Soziale Angelegenheiten in Frankenberg. 

Frankenberg. Bei einer Tatort-Begehung ließ Richter Frank Oehm den Messerangriff eines 26-Jährigen auf eine Mitarbeiterin im Landratsamt Frankenberg nachstellen.  

Ein Tresen, ein Schreibtisch, ein Beistelltisch mit Pflanzen und an den Fenstern eine Sichtschutzfolie mit Vögeln: In diesem etwa zehn Quadratmeter kleinen Büro in der Außenstelle des Fachdienstes Soziale Angelegenheiten im Frankenberger Landratsamt tagte am Mittwoch die sechste Strafkammer des Landgerichts Marburg. Dort soll am 24. April ein 26-Jähriger Iraker eine Mitarbeiterin mit einem Messer angegriffen haben.

Nach Zeugenaussagen am Morgen, als der Prozess zunächst im Landgericht in Marburg fortgesetzt worden war, hatte sich Richter Frank Oehm am Nachmittag in Frankenberg ein Bild von der Lage vor Ort machen wollen. Dabei war die Frage entscheidend: Hätte der Angeklagte mit dem Messer die Mitarbeiterin räumlich erreichen und somit verletzten können? Dazu setzte sich der vorsitzende Richter auf den Schreibtischstuhl der Mitarbeiterin. Er vermaß den Schreibtisch mit einem extra mitgebrachten Zollstock und teilte mit: „Die kürzeste Entfernung ist 1,40 Meter.“

Im Anschluss wurde das Geschehen mit zwei verschiedenen Polizeibeamten nachgestellt. Einer wurde speziell ausgewählt, da er einen ähnlichen Körperbau hatte, wie der 26-jährige Angeklagte. Als Messerersatz diente dabei der Zollstock. Die ersten Versuche, ohne sich auf dem Tisch abzustützen, zeigten, dass der Beamte den Richter nicht erreichen konnte. Das war auch unabhängig von der Haltung und der Führung des Messers der Fall.

Bei weiteren Versuchen holte der Beamte mehr aus, beugte sich über, stützte sich auf den Tisch und schob das Beistelltischen zur Seite. So konnte er den Richter, der auf dem Platz der Landkreis-Mitarbeiterin saß, erreichen. Allerdings nur, wenn dieser nicht mit dem Stuhl zurückrollte, sondern an der Ausgangsstelle blieb. Richter Oehm merkte auch an, „dass es laut Zeugenaussagen kein solches Hechten gegeben hat“. Stattdessen habe das Ausholen zum Angriff schon früher und in größerem Abstand zur Person begonnen.

Auf Wunsch des Gutachters wurde das Geschehen auch noch einmal mit einem Zeugen nachgestellt, der am Tattag als Dolmetscher mit in dem Büro war und den Iraker zurückzuhalten versuchte. Er wiederholte seine Aussage vom Morgen und zeigte, dass der Mann zuerst wild gestikulierend an dem Tresen gestanden habe. In der offenen Jacke des Irakers habe er das Messer entdeckt und den Mann dann in Ecke des Büros gedrängt. Von dort habe der Angeklagte mit dem Messer in der Hand auf die Frau losgehen wollen. Er habe ihn aber am Arm festgehalten.

Als der Iraker gemerkt habe, er erreicht nichts, habe er vor Wut gegen den PC gehauen. Der Zeuge wies auch darauf hin, dass die Frau geistesgegenwärtig bereits mit dem Bürostuhl zurückgerollt sei, bevor der Angeklagte mit dem Messer auf sie zugestürmt war.

Was Zeugen am Morgen im Landgericht aussagten, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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