Wegen einer Fernsehsendung wurde der Schwabe zum Läufer

Olympiasieger Dieter Baumann: "Laufen ohne Uhr ist so herrlich wie Nacktbaden"

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Mit dem Laufen kann man nicht früh genug anfangen: Dieter Baumann mit jungen Startern beim Kasseler KKH-Lauf in der Karlsaue.

Dieter Baumann ist nicht nur schnell, sondern auch ein guter Motivator. Auch 25 Jahre nach seinem Olympiasieg bringt der Schwabe die Menschen noch zum Laufen. Hier gibt er Tipps für Anfänger. 

Dieter Baumann ist immer noch Deutschlands bekanntester Läufer. Unvergessen ist sein Olympiasieg 1992 über 5000 Meter. Nach seinem Kabarettauftritt im März in der Frankenberger Bank haben wir den 52-Jährigen nun um Tipps für Hobbyläufer gebeten, die am Sonntag beimFitnesslauf in Frankenberg, am Samstag beim Nordhessencuplauf in Baunatal oder bei anderen Veranstaltungen an den Start gehen.

Herr Baumann, beim Fitnesslauf laufen viele mit, die sonst kaum joggen – Kindergartenkinder, Schüler und Mitarbeiter von Firmen, zum Beispiel. Ist das uneingeschränkt positiv zu sehen?

Dieter Baumann: Laufen kann jeder und einzig die Geschwindigkeit, das Lauftempo, kann das Vorhaben zum Scheitern bringen. Wichtige Regel: Langsam beginnen und wenn das Zutrauen zur eigenen Fitness nicht ganz so ausgeprägt ist, einfach rechtzeitig eine Gehpause einlegen. Nicht erst dann, wenn man völlig erschöpft ist, sondern tatsächlich sehr geplant alle zwei bis drei Minuten eine Minute gehen. Dann schafft das jeder.

Wenn sich jetzt noch jemand spontan überlegt, am Sonntag mitzumachen, welche Voraussetzungen muss man haben, um 5 oder gar 10 Kilometer zu schaffen?

Baumann: Gesund muss man sein. Ohne Sommergrippe und ohne Verletzungen.

Für viele ist der Fitnesslauf die erste echte Lauf-Veranstaltung ihres Lebens. Kann man als Anfänger Fehler machen – am Abend zuvor zu früh ins Bett gehen, am Morgen das Falsche frühstücken oder unpassende Schuhe anziehen?

Baumann: Es gibt nicht richtig und falsch. Ich empfehle einfach, positiv an den Lauf rangehen – nein, ranlaufen – also wenig ändern, vielleicht ein Bier weniger als sonst, das übliche Frühstück, dann klappt das.

Besteht die Gefahr, bei solch einem Lauf zu schnell zu laufen, weil alle anderen schneller sind? 

Baumann: Man muss sich den richtigen Partner suchen. Jemanden, der mit der gleichen Zielsetzung läuft – zum Beispiel „ankommen reicht“. Oder sich vorher einen Zeitplan machen: Wie schnell möchte ich laufen, was heißt das auf die einzelnen Kilometer? Und diese Vorgaben kontrollieren und einhalten.

Und nach dem Lauf? Welche Tipps können Sie zur Regeneration geben? Wie vermeidet man Muskelkater?

Baumann: Muskelkater? Hallo! In Frankenberg sind alle so gut drauf, da gibt es keinen Muskelkater. Die beste Erholung ist der Schlaf. Also ab ins Bett.

Wenn jemand Spaß am regelmäßigen Laufen gefunden hat, wie oft und wie weit sollte man dann laufen? Ab wann ist ein Trainingsplan sinnvoll?

Baumann: Grundsätzlich bringen viele kleine Laufeinheiten viel mehr als ein langer Lauf. Also lieber 6 Mal 15 Minuten laufen als ein Mal eine Stunde pro Woche. Ein Trainingsplan ist nur sinnvoll, wenn jemand trainiert, sich zielgerichtet auf einen Wettkampf vorbereitet. Laufen zur allgemeinen Fitness oder zur Gesunderhaltung, da reicht es, es einfach zu tun. Ist schon schwer genug.

Wie sind Sie eigentlich Läufer geworden?

Baumann: In meiner Kindheit gab es die Sendung „Der rosarote Panther“. Die lief immer am Nachmittag um 17 Uhr. Oft war ich in Ulm unterwegs, der Zug von Ulm kam in meiner Heimatstadt Blaubeuren um 16.54 Uhr an. Wir wohnten genau einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. Ich hatte nur sechs Minuten zum Beginn der Sendung. Hab ich immer geschafft.

Beim Fitnesslauf spielen die Zeiten keine Rolle. Wie schwer fällt es Ihnen als ehemaligem Leistungssportler, zu laufen, ohne auf die Uhr zu sehen?

Baumann: Ich laufe schon seit Jahren ohne Uhr und es fällt mir sehr, sehr leicht. Ja, es ist wie Nacktbaden, einfach herrlich.

Noch mehr Lauftipps gibt es regelmäßig in der Kolumne unserer Trainerin Anna Hughes.

Zur Person

Dieter Baumann (52) gewann über 5000 Meter 1988 Silber und 1992 Gold bei den Olympischen Spielen. 1999 wurde seine Karriere durch einen mysteriösen Dopingfall unterbrochen: Angeblich soll seine Zahnpasta vergiftet gewesen sein. Baumann selbst bestreitet bis heute die wissentliche Einnahme der Mittel. Nach der Dopingsperre gewann der Tübinger 2002 EM-Silber über 10 000 Meter und trat 2003 vom Wettkampfsport zurück. Baumann wurde stets von seiner Frau Isabelle trainiert. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter. Mittlerweile tourt er als Sport-Kabarettist durch Deutschland.

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