Trockenheit führt zu Futtermangel

Zu wenig Futter: Bauern in Waldeck-Frankenberg müssen Tiere verkaufen

Im Bild Rinder auf einer Wiese zu sehen.
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Weidegang: Bei Krählings in Schmittlotheim haben alle Kühe Auslauf im Freien. Im Bild sind hier die im vergangenen Jahr geborenen Jungtiere zu sehen.

Der dritte Dürresommer in Folge fordert seinen Tribut: Wegen Futtermangel müssen einige Landwirte im Landkreis bereits Tiere verkaufen.

Waldeck-Frankenberg - „Vor allem Mutterkuhhalter stocken ihre Bestände ab“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, Matthias Eckel, und nennt Beispielsfälle aus Hatzfeld, Rengershausen, Laisa und Löhlbach.

Seiner Meinung nach ist die Situation aktuell noch „viel schlimmer“ als 2018, als es auch schon Probleme wegen anhaltender Trockenheit gab. „Inzwischen gibt es auch keine Futterreserven mehr, auf die die Landwirte zurückgreifen könnten“, berichtet Eckel.

Der erste Grasschnitt sei zwar bei den meisten noch einigermaßen gut ausgefallen, danach sei aber „nicht mehr viel zu holen gewesen“, so Eckel. Das Problem sei, dass reine Grünlandbetriebe nicht reagieren könnten – also beispielsweise als Alternative kein Mais füttern können. „Die ersten fangen jetzt an, Rundballen für 50 Euro in Polen zu kaufen“, sagt Eckel.

Viele Landwirte verfüttern schon ihren Wintervorrat

Landwirt Olaf Fackiner aus Dainrode hat wie viele seiner Berufskollegen schon jetzt mit der Gabe von Winterfutter angefangen. „Das wird ein enges Jahr“, befürchtet der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Frankenberg. Die komplette Gerste, die er normalerweise verkauft hätte, hat Fackiner vorsichtshalber ins Silo als Futterreserve eingelagert.

„Ich bin keiner, der jammert, aber für Mutterkuhhalter ist die Situation schon dramatisch“, betont er. Der Zukauf von Futter – Heu oder Treber – sei teuer und es sei zudem kaum verfügbar. Inzwischen machten auch die Grünlandbestände langsam schlapp. „Das muss jetzt nachgesät werden.“

Vertrocknete braune Wiesen gibt es auch im Nordteil des Landkreises, wo beispielsweise Sachsenhausen besonders betroffen ist, wie Stepahnie Wetekam vom Kreisbauernverband Waldeck mitteilt. Einige Regionen hätten zwar Regen bekommen, aber in vielen Gegenden sei es ähnlich trocken wie im Südkreis.

„Wir haben eine kleine Futterbörse eingerichtet und versuchen, auch regional noch Futter zu vermitteln“, sagt die Geschäftsführerin.

Zudem arbeite der Kreisbauernverband daran, dass die ökologischen Vorrangflächen, also die Zwischenfruchtflächen, auch zur Schnittnutzung zugelassen werden, damit die jetzt im Herbst noch mal geerntet werden dürfen und als Futter genutzt werden können. »

Das sagt der Landkreis:

„Die Futtermittelsituation der vorherigen außergewöhnlich trockenen Jahre hat sich in Waldeck-Frankenberg auch 2020 noch nicht normalisiert“, heißt es seitens des Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Aufgrund der geringen Niederschlagsmengen in diesem Sommer habe es bei den Dauergrünland- und Ackerfutterflächen wieder Ertragseinbußen gegeben.

„Futterreserven sind größtenteils vollständig aufgebraucht und der Schnittzeitpunkt richtete sich häufig nicht nach dem Aufwuchs, sondern die leeren Siloplatten zwangen zu einer frühen Nutzung des Grünlands.“ Von dem Futtermangel seien alle Tierhalter betroffen. „Eine Dürresituation wie 2018/2019 ist in diesem Jahr zwar nicht eingetreten, die bisherigen Grundfuttererträge sind jedoch nach wie vor hinter den Ertragszahlen ‘normaler‘ Jahre zurückgeblieben. Eine ausreichende Grundfutterversorgung über die Wintermonate ist noch nicht überall sichergestellt. Hier könnte eine Futternutzung der Zwischenfrüchte ökologischer Vorrangflächen, die nicht mit den bodenverbessernden Maßnahmen kollidiert, Abhilfe schaffen. Diese Futternutzung muss durch das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz freigegeben werden.“

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