Stürmer hatte Torwart verklagt

Schienbeinbruch beim Fußball: Gericht in Frankenberg hat Urteil gefällt

Fußball Verletzung (Symbolbild)
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Symbolbild

Im Prozess nach einem Schienbeinbruch in einem Fußballspiel der Frankenberger Kreisliga B zwischen Geismar/Ellershausen II und Gemünden II ist am Mittwoch, 14. Juli 2021, am Amtsgericht in Frankenberg das Urteil gefallen.

Frankenberg – Dennis Müller, damals Torwart des TSV Gemünden, wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Er muss kein Schmerzensgeld und keinen Schadenersatz an seinen Gegenspieler Kevin Klinge (SG Geismar/Ellershausen) zahlen, wie dieser gefordert hatte – unter anderem mindestens 12.500 Euro Schmerzensgeld.

„Das Fairnessgebot gilt auch im Fußball. Wer es verletzt, macht sich strafbar“, hatte Klinges Anwältin Dr. Astrid Ernst in ihrem Plädoyer vor dem Urteil gesagt. Amtsanwalt Röder sprach von „fahrlässiger Körperverletzung im sportlichen Eifer“ und forderte eine Geldstrafe von 1100 Euro, die man zur Bewährung aussetzen könne, weil Müller „ein unbescholtener Bürger“ sei.

Müllers Verteidiger Behrend forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch seins Mandanten, sprach von einem unglücklichen Zusammenprall. Der Torwart selbst nannte es einen Unfall: „Es tut mir leid, dass du dich verletzt hast. Ich kann es leider nicht ungeschehen machen“, sagte Müller zu Klinge im letzten Wort, das ihm als Angeklagtem zustand.

Drei Verhandlungstage, 14 Zeugen

Der Prozess am Amtsgericht in Frankenberg hatte am 21. Juni begonnen, ein zweiter Verhandlungstag war am 7. Juli. Es waren insgesamt drei Verhandlungstage und 14 Zeugen nötig, ehe Richterin Petra Kaschel zu ihrem Urteil kam. Das fiel letztlich eindeutig aus – auch, weil 21 Monate nach dem Spiel vom 3. Oktober 2019 in Geismar vieles nicht mehr eindeutig zu klären war – etwa, wie und mit welchem Körperteil der Torwart Klinges Schienbein traf. Es sei deshalb „nicht zu widerlegen, dass er in torwart-üblicher Manier in den Gegenspieler gerutscht ist“, sagte Richterin Kaschel und folgte im Wesentlichen der Argumentation des Verteidigers.

Kaschel räumte ein, dass Klinge durch den Zusammenprall gravierende Verletzungen erlitten hatte, dass er wochenlang nicht arbeiten konnte und Langzeitschäden zu befürchten seien. „Aber allein die schweren Folgen rechtfertigen eine Verurteilung nicht“, stellte sie klar.

„Rutschen war nicht mehr zu kontrollieren“

Die Version der gefährlichen Körperverletzung wie in der Anklage dargestellt – Müller soll in den Gegenspieler hineingesprungen sein –, sei „in dieser Härte“ nur von Klinge so geschildert worden, sagte Kaschel. Zudem sei der Stürmer selbst in so hohem Tempo in den Zweikampf gegangen, dass er sich auch selbst gefährdet habe. Das Verhalten von Torwart Müller wertete die Richterin als „normal fahrlässig“, nicht als grob fahrlässig. „Er ist auf dem Rasen gerutscht. Und dieses Rutschen war in diesen Bruchteilen einer Sekunde nicht zu kontrollieren.“

Fußball sei Sport mit Körperkontakt, es gebe grundsätzlich eine konkludente, also stillschweigende Einwilligung der Spieler, dass Verletzungen vorkommen können. Dazu zählten nach gängiger Rechtsprechung auch fahrlässige Regelverstöße, erläuterte Kaschel. Sie sieht in diesem Fall „keine Gefährdung des Gegners über das normale Maß hinaus, sondern ein normales Torwartspiel mit viel Körpereinsatz“.

Gegen das Urteil können die Beteiligten noch Rechtsmittel einlegen. Die Richterin erklärte, dass durch den Freispruch in diesem Strafprozess zivilrechtliche Ansprüche von Klinge gegenüber Müller nicht ausgeschlossen würden.

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