Lengel trat erneut über die Ufer

Schon wieder Hochwasser in Haubern: Anwohner fordern Schutz

Straße überschwemmt:. Über einen Fußweg strömt das Wasser von der Lengel in Haubern direkt auf die Straße Zur Insel und droht die Höfe Plett (links) und Parthesius zu überfluten.
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Straße überschwemmt:. Über einen Fußweg strömt das Wasser von der Lengel in Haubern direkt auf die Straße Zur Insel und droht die Höfe Plett (links) und Parthesius zu überfluten.

Beim Hochwasser am Mittwoch, 14. Juli 2021, hat es den Frankenberger Stadtteil Haubern besonders stark erwischt. Schon wieder. Denn der Lengelbach dort tritt oft über die Ufer und überflutet Höfe und Gärten.

Haubern – Die 85-jährige Erna Parthesius ist mit ihren Nerven am Ende. Bereits zum 4. Mal seit Anfang Juni ist der Lengelbach in Haubern über die Ufer auf ihr Grundstück gelaufen, am Mittwoch auch in den Hühnerstall und die Scheune. Über einen Gehweg zwischen ihrem und dem Nachbargrundstück von Kurt und Helga Plett fließt das Wasser vom Lengelbach in die Straße Zur Insel. Der Weg ist zum Bach geworden.

Die Hofeinfahrt haben Erna Parthesius und ihr Lebensgefährte Werner Ulrich mit passenden Bohlen geschützt. Auch die Pletts haben schon vor ein paar Tagen Bohlen als Wasserschutz vor ihrer Scheune angebracht. Mit Hilfe von Nachbarn legt Helga Plett am Mittwochmorgen die für solche Fälle vorhandenen Sandsäcke auf die Hofeinfahrt. Feuerwehrleute pumpen Wasser ab.

Hinter ihrem Haus ist der Garten überflutet. Eine Nachbarin watet im Garten nebenan fast hüfthoch im Wasser zum Hühnerstall von Erna Parthesius und öffnet den Schieber, damit die Tiere ins Freie auf ein erhöhtes Plateau können, wo sie von Wasser umgeben, aber sicher sind.

Knietief: Wasser im Garten in Haubern.

Erna Parthesius und das Ehepaar Plett warten schon seit langem auf Maßnahmen gegen das Hochwasser im Lengelbach. Beide haben noch das schlimme Hochwasser von 2008 in Erinnerung. Die Rohre könnten bei Hochwasser die Wassermassen nicht fassen, sagen sie. Aus Naturschutzgründen dürfe der Schlamm nicht aus dem Bach entfernt werden. Der Zulauf zu einem eigens angelegten Überlaufteich sei verstopft, nennen sie einige Kritikpunkte. Haubern war bei den jüngsten Starkregen schon mehrfach betroffen, kürzlich war die Straße Im Kleegrund von Schlamm überzogen.

Zunächst mit einer, dann mit mehreren Pumpen pumpt die Feuerwehr das Wasser in Haubern ab, so dass sich am Nachmittag die Lage etwas entspannt. Aber weiterer Regen ist angesagt. Das sehen Helga Plett und Erna Parthesius mit Sorge.

Hochwasser auch in Röddenau

Eine böse Überraschung erlebten am Mittwoch auch Jens und Oksana Becker in Röddenau, als sie am Morgen aus dem Fenster sahen: Der gesamte Garten stand rund einen halben Meter unter Wasser. Der an das Grundstück in der Mühlenstraße angrenzende Goldbach war durch die Niederschläge über das Ufer getreten und hat den Garten überschwemmt.

Hochwasser in Röddenau: Die Feuerwehr war am Mittwoch im Einsatz.

„Wir hatten auch keinen Strom“, sagt Jens Becker. Grund sei der im Garten geparkte Mähroboter gewesen, der einen Kurzschluss ausgelöst habe. „Auch in der Garage stand zehn Zentimeter hoch das Wasser. „Das ganze Wasser von der Kreuzung läuft immer bei uns in die Straße“, sagt Becker, der vor elf Jahren im Mühlenweg gebaut hat und das letzte Grundstück am Straßenende bewohnt. „Weil wir schon öfter Wasser in der Garage hatten, habe ich da inzwischen mit der Bohrmaschine mehrere hundert Löcher in den Fußboden gebohrt.“

Seine Frau fühlt sich von der Stadt Frankenberg im Stich gelassen: Ihr Mann habe versucht, beim Bauhof selbst Sandsäcke zu organisieren, habe aber keine bekommen. „Die Röddenauer Feuerwehr hat uns dann aber super geholfen und auch den Kontakt zum THW hergestellt wegen der Sandsäcke.“

Auch die an das Grundstück der Beckers angrenzenden Wiesen standen unter Wasser. Der Goldbach sei schon mehrfach über die Ufer getreten, aber so dramatisch wie am Mittwoch sei es noch nie gewesen, sagt Oksana Becker. Martin Fleck von der Feuerwehr Röddenau berichtete von mehreren Einsätzen am Goldbach wegen des Hochwassers, beispielsweise in Höhe der Bäckerei Schatz. „Das passiert alle paar Jahre mal“, so Fleck. Die Feuerwehr versuchte mit Sandsäcken, das Wasser abzuhalten.

Kritisch war die Lage auch im Muschelweg in Röddenau: Dort fließt der Goldbach durch ein einbetoniertes Bachbett und war stark angeschwollen. Birgit Bittner beobachtete den Wasserpegel, der gestern Vormittag schon bis an die Brücke heranreichte, mit Sorge: „So schlimm war es noch nie.“ Sie wohne bereits seit über 60 Jahren im Muschelweg, Wasser im Haus habe sie noch nie gehabt. „Jetzt wird es aber langsam kritisch.“

Das sagt die Stadt Frankenberg

In einer ersten Stellungnahme sagte die Stadt Frankenberg zu den Überflutungen: „Der lang anhaltende Regen hat in den letzten Tagen leider auch Frankenberg, wie viele andere Kommunen, betroffen. Einer der Schwerpunkte lag am Mittwoch in Röddenau, auch Haubern war wieder betroffen. Dort ist der Hochwasserschutz für die Stadtverwaltung ein prioritäres Thema, wobei geeignete Maßnahmen aktuell aus Rechtsgründen noch nicht umgesetzt werden konnten.“  

Aktuelle Bilder zum Hochwasser gibt es in unserer Bildergalerie.

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