Schreufa: Waschbär tappt in grüne Falle

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Da sitzt er: Dieser Waschbär war in einem waldnahen Neubaugebiet in Schreufa in eine Biotonne gekrabbelt und kam aus eigener Kraft nicht wieder heraus. 

Als sie Küchenabfälle entsorgen wollte, hat eine Hausfrau im Frankenberger Stadtteil Schreufa einen Waschbären in ihrer Biotonne entdeckt. 

Schreufa. Nicht schlecht staunte eine Hausfrau, als sie in einem waldnahen Neubaugebiet in Schreufa ihren Bio-Müll in der grünen Tonne entsorgen wollte. Sie kippte den Küchenabfall in die Tonne, die dicht an einer Mauer mit dem Deckel in Höhe der Mauerkrone stand und deren Deckel zur Belüftung mit einem Stöckchen einen Spalt breit angehoben war.

Dabei sah sie gerade noch, dass sie den Bio-Müll einem Waschbären, der sich tief unten in der fast leeren grünen Tonne in der Nacht vorher selbst gefangen hatte, über den Körper geschüttet hatte.

Guter Rat teuer

Guter Rat war nun teuer. Es war Samstag. Das Forstamt Frankenberg war außerhalb der Dienstzeit nicht zu erreichen. Der zuständige Jagdpächter konnte ermittelt und angerufen werden. Der konnte jedoch nicht helfen. Er dürfe in befriedeten Siedlungsbereichen keinen Schuss abgeben und damit den Waschbären bejagen.

Es sei aus rechtlichen Gründen einzig Sache des Eigentümers, sich um den Waschbären zu kümmern, sagte er und riet dem betroffenen Ehepaar, den Waschbären wieder laufen zu lassen. Unabhängig davon, erhielten die Eheleute von einem parallel kontaktierten Förster die gleiche Empfehlung.

Keine hässlichen Tiere

Waschbären sind keine hässlichen Tiere. Ihr Anblick löst meist Zuneigung aus. Bei vielen Leuten wird ein Zuwendungsbedürfnis aktiviert. Das ist die eine Seite. Andererseits sind die Nachfahren der aus Amerika stammenden Waschbären, von denen am 12. April 1934 im Bereich des heutigen Nationalparkes südlich des Edersees zwei Paare ausgesetzt wurden, zu einem brisanten ökologischen Problem geworden sind. Sie vermehren sich vehement, kaum etwas ist vor den allesfressenden Raubtieren sicher. Sie haben im Kreis eine Graureiher-Kolonie und zwei Kormoran-Kolonien auf dem Gewissen, fressen in großer Zahl im Frühjahr ablaichende Amphibien aus Tümpeln und Teichen. In der Bunstruth haben sie mit großer Wahrscheinlichkeit viele Weinbergschnecken angefressen. Auch Obst, zum Beispiel Zwetschen, stehen auf ihrem Speisezettel. Viele Bodenbrüter wurden ihre Opfer.

Schäden an Häusern

Nicht zuletzt richten Waschbären oft erhebliche Schäden an Häusern an. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Waschbär-Populationen zu reduzieren. Doch es gibt gesetzliche Hürden, wie Kreisjagdberater und Vorsitzender der Jägervereinigung, Heinrich Engelhard, sagte. Jäger, aber auch Nichtjäger, dürfen nur nach einem erfolgreich absolvierten Fallenlehrgang die Waschbären im Ortsbereich fangen. Im Siedlungsbereich dürfen gefangene Waschbären mit der Waffe nur mit einer gesonderten Schießerlaubnis getötet werden. In Hessen wurde ab 2017 jeweils von Anfang März bis 31. Juli eine Schonzeit für Waschbären angeordnet. In dieser Zeit ist es verboten, einen gefangenen Waschbären zu töten.

Die Jägervereinigung Frankenberg bemüht sich darum, Jäger für die Waschbär-Bekämpfung auszubilden. Überwiegend sprechen sich die Jäger dafür aus, die ganzjährige Bejagung unter Berücksichtigung des Muttertierschutzes wieder aufzunehmen. (zqa)

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