Schwarze Butter

Kindheitserinnerungen von Katharina Paulus aus Roda in 10. Auflage erschienen

Katharina Paulus zeigt ihr Buch „Schwarze Butter“ mit Kindheitserinnerungen aus Roda.
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Katharina Paulus zeigt ihr Buch „Schwarze Butter“ mit Kindheitserinnerungen aus Roda.

Ihr Buch „Schwarze Butter – Kindheit und Alltag in einem hessischen Dorf“ ist zum Bestseller geworden: Weil die Lesernachfrage unvermindert hoch ist, erschienen jetzt in 10. Auflage im Geest-Verlag in Vechta die Kindheitserinnerungen von Katharina („Tina“) Paulus geb. Lichtenfeld.

Röddenau/Roda - „Darüber freue ich mich riesig“, sagte die 86-Jährige, die aus Roda stammt, seit ihrer Heirat 1958 mit ihrem Mann Willi Paulus in Röddenau lebt und sich dort in der dörflichen Gemeinschaft engagierte.

Ihr Alter und die pandemiebedingten Einschränkungen machten es ihr in letzter Zeit nicht mehr möglich, bei Lesungen ihr Buch selbst vorzustellen und in direkten Kontakt mit ihren Lesern zu treten. Durch viele positive Rückmeldungen und Briefe, selbst aus Australien, weiß sie aber, wie sehr sich Leser mit ihren lebendigen Beschreibungen einer Kindheit in ihrem Heimatdorf Roda, mit kleinbäuerlichem Alltag zwischen Kühehüten und duftenden Heukegeln, aber auch Schatten von Krieg, Besatzung und Flüchtlingsschicksalen auseinandersetzen. Ihr 460-seitiges Buch ist ein Stück bilderreiche Zeit- und Sozialgeschichte, das weit über das individuelle Erleben hinausreicht.

„Unser Brotaufstrich war Schwarze Butter“, schreibt Tina Paulus, wenn sie aus den Nachkriegsjahren in Roda berichtet. Runkelrüben wurden körbeweise gewaschen, zerkleinert, weichgekocht und in der Dorfkelter ausgepresst. Gemeinsam bereiteten abends die Nachbarinnen Zwetschen und Birnen vor, die am nächsten Tag in den Zuckerrübensaft geschüttet, im Kessel gekocht und mit dem riesigen „Hünklöffel“ gerührt wurden. Es wurde meist späte Nacht, bis das schwarze Mus in große Steinkrüge gefüllt werden konnte.

1934 in Roda geboren

Die Autorin wurde als Katharina Lichtenfeld 1934 in Roda geboren, verlebte mit drei Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof in großer Naturverbundenheit ihre Jugend, sammelte als junges Mädchen in Marburg hauswirtschaftliche Praxis und arbeitete später in der Stadtverwaltung von Frankenberg. Schon früh lauschte sie den Erzählungen ihres Vaters Justus Heinrich Lichtenfeld, studierte alles Schriftgut, was in ihrer Familie aufbewahrt wurde. Sie lernte noch Sütterlin-Schrift, um Kirchenbücher und alte Briefe entziffern zu können. In den 1980/90er-Jahren verfasste Katharina Paulus eine Familienchronik und eine umfangreiche Ahnentafel, aber sie hielt auch noch einmal bewusst erlebte Großmutter-Gegenwart 2005 in einem „Enkelbuch“ fest.

„Ich wollte einfach schreiben, nichts Großartiges“, sagt Tina Paulus rückblickend in Bescheidenheit. Zum Glück haben der Geest-Verlag und ihre Leser rechtzeitig ihre schriftstellerische Begabung, ihre menschliche Wärme und Liebe zur Heimat erkannt.

Service: Katharina Paulus „Schwarze Butter“, iim Geest-Verlag in 10. Auflage erschienen, 460 Seiten stark, ist im Buchhandel unter ISBN 978-3-86685-339-3 für 15 Euro erhältlich.  

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