Literarischer Frühling

Meyer-Burckhardt las in Kulturhalle Frankenberg

Um die Grundfragen von Leben und Tod geht es in dem Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ von Hubertus Meyer-Burckhardt, das der bekannte TV-Moderator zum Finale des diesjährigen Literaturfestivals „Literarischer Frühling“ in der Kulturhalle Frankenberg vorstellte.

Frankenberg - Dass bei dieser Thematik auch die ernsten Seiten des Daseins angesprochen werden, war natürlich jedem der 200 Zuhörer klar. Meyer-Burckhardt ließ jedoch von Anfang an keinerlei Schwermut aufkommen und sorgte mit viel Charme, Sinn für Humor und großer Professionalität für eine heitere Stimmung.

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„Wir kommen hier nicht lebend raus“, stellte er lakonisch fest. Und auch wenn der Mensch dazu neige, Krankheit und Tod zu verdrängen, müsse er sich zwangsläufig mit der vergehenden Zeit beschäftigen. „Trotzdem ist es ein Buch über das Leben, und Sie werden optimistischer hier herausgehen“, versprach er.

Krebsdiagnose als Anlass für das Buch

Anlass für das Schreiben des Buches war eine Krebsdiagnose vor vier Jahren, die den Moderator völlig unvorbereitet traf. Schnell sei ihm bewusst geworden: Du hast zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn du begriffen hast, dass du nur eins hast.

In seinem Buch schlägt Meyer-Burckhardt den Bogen von seiner Kindheit in Kassel mit einer fürsorglichen Mutter über die Schulzeit („Das war so gar nicht meine Zeit“), Erinnerungen an Spiele am Flüsschen Drusel und die ersten Begegnungen mit Mädchen bis zu vielen weiteren Stationen in der ganzen Welt.

Nach der Lesung nahm sich Hubertus Meyer-Burckhardt Zeit, um für etliche Zuschauer sein Buch zu signieren.

„Mit zunehmendem Alter scheint das Leben zu rasen“, sagte er. Wahr sei auch, was seine Berliner Großmutter immer gesagt habe: „Junge, das Leben ist kurz, auch wenn’s lang ist.“

Er plädiere heute dafür, auch Niederlagen als Chance und Möglichkeit zu einem besseren Leben zu begreifen. „Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest“: Diese Aussage von Rainer Maria Rilke gehöre zu seinen Lieblingssätzen.

Ausdruck „Ich habe keine Zeit“ nicht in andere Sprachen übersetzbar

Der im Deutschen geläufige Satz „Ich habe keine Zeit“ sei im Übrigen für zum Beispiel die Bewohner der Mongolei völlig unverständlich und auch nicht in ihre Sprache übersetzbar. Die Zeit sei ein ordnender Faktor, und er habe seine schlimme Diagnose als Weckruf verstanden: Was ist dir wichtig und was nicht?

Erst das Wissen um die Sterblichkeit lasse uns das Leben als kostbar empfinden, erklärte der Autor. Das Leben sei nicht gerecht, doch wir könnten uns immerhin mit der Frage des libanesischen Philosophen Khalil Gibran auseinandersetzen: Dominiert uns die Zeit oder prägen wir sie?

„Seien Sie mutig, tun Sie etwas Unvernünftiges!“, empfahl Meyer-Burckhardt den Besuchern; das Leben sei schließlich eine leicht verderbliche Ware.

Rubriklistenbild: © Moniac, Marise

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