Naturschutz im Forstrevier Rodenbach

Seltener Pilz blüht in geschütztem Buchenwald bei Frankenberg

Überraschung: Der seltene Pilz „Ästiger Stachelbart“ wächst in einem naturbelassenen Buchenwald im Revier Rodenbach. Hakola Dippel, Funktionsbeamter Naturschutz bei Hessen-Forst (links), zeigt auf die Stelle am Baum, wo der Pilz blühte. Revierförster Debes hält Teile des abgefallenen Fruchtkörpers in der Hand. FotOS: Martina Biedenbach
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Überraschung: Der seltene Pilz „Ästiger Stachelbart“ wächst in einem naturbelassenen Buchenwald im Revier Rodenbach. Hakola Dippel, Funktionsbeamter Naturschutz bei Hessen-Forst (links), zeigt auf die Stelle am Baum, wo der Pilz blühte. Revierförster Debes hält Teile des abgefallenen Fruchtkörpers in der Hand.

Der Rodenbacher Förster Volker Debes traute seinen Augen nicht, als er entdeckt, was da an einer absterbenden Buche wuchs: der Ästige Stachelbart - ein sehr seltener Pilz.

Rodenbach – „Im Dezember stand der Ästige Stachelbart in voller Blüte, jetzt ist der Fruchtkörper abgefallen. Er wird aber wohl im August wieder blühen“, vermutet Förster Debes. „Dieser Pilz kommt nur sehr selten vor“, erläutert Hakola Dippel, Funktionsbeamter Naturschutz bei Hessen-Forst. „Die größte bekannte Population des Ästigen Stachelbarts in Hessen liegt im Nationalpark Kellerwald-Edersee“, informiert Nicole Backhaus vom Nationalpark.

Dass der Pilz, dem Heilwirkung nachgesagt wird, nun auch im Revier Rodenbach bei Frankfnberg vorkommt, freut Förster Debes. Er führt dies auf praktizierten Naturschutz zurück.

Der Pilz in voller Blüte: So sah der Ästige Stachelbart im Dezember aus.

Denn der Stachelbart wächst in einem knapp drei Hektar großen Buchenwald, der seit vielen Jahren schon Kernzone Naturschutz, heute Naturschutz-Entwicklungsfläche genannt, ist. Dort werden die bis zu 220 Jahre alten Buchen sich selbst und dem natürlichen Verfall überlassen. „Gerade in diesen absterbenden Bäume fühlt sich der Stachelbart wohl. Pilzsporen sind wohl durch den Wind angekommen“, sagt Debes.

Insekten, Vögel und Fledermäuse profitieren

Dieses absterbende und tote Holz ist ebenso ideal für andere Pilz- und Pflanzentarten sowie Insekten. Davon profitieren Vögel und Fledermäuse. „Viele seltene Arten finden hier einen passenden Lebensraum. Die Naturwald-Entwicklungsflächen sind auch ein idealer Rückzugsraum für besonders störungsanfällige Arten wie Schwarzstorch, Spechte und Fledermäuse“, sagt Förster Debes. Den Schwarzstorch und die Wildkatze beobachte er regelmäßig in seinem Revier.

Von den 1750 Hektar, die er derzeit betreut, stehen rund zehn Prozent unter diesem besonderen Schutz. Sie sind von WirB- zu WarB-Flächen geworden – von Wald in regelmäßiger Bewirtschaftung zu Wald in außerhalb regelmäßiger Bewirtschaftung. Damit ist in seinem Revier die Naturschutzleitline für den hessischen Staatswald von 2010 umgesetzt. Darin fordert das Umweltministerium, dass die Naturschutz-Entwicklungsfläche von sechs auf acht Prozent ausgeweitet werden.

Fledermausbaum: Die abgestorbene Eiche bleibt als Lebensraum für Tiere und Pflanzen stehen.

Diese geschützten Flächen verteilen sich über das ganze Revier. Da gibt es Erlenbrüche, Auwälder, Schluchtwälder, drei Niedermoore, Biotopkomplexe wie das Goldbachtal – und vor allem viele alte Buchenflächen. Ob Bäume mit Blitzschäden, Drehwuchs oder absterbende Bäume, alles wird so gelassen, wie es ist. Totholz bleibt am Boden liegen. Früher hätte man den Förster für solch „unaufgeräumte“ Wälder gescholten. Heute wird so biologische Vielfalt – Biodiversität – gefördert. „Die entstehende Artenvielfalt an Alt- und Totholzbewohner verbessert die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Wald-Ökosystemen. Das ist das Ziel der hessischen Biodiversitätsstrategie und ein Kennzeichen nachhaltiger Forstwirtschaft“, erläutert Debes.

Nach Arbeiten für die Holz-ernte im Winter sowie Ansaat und Neupflanzungen in den vergangenen Monaten sei jetzt, im Mai, etwas mehr Zeit, sich um Naturschutz zu kümmern. So begleitet er ein Projekt von Auszubildenden, die an einer Wegegabelung auf die Bedeutung einer toten Eiche als Fledermausbaum mit dem Aufstellen einer Infotafel und einer Bank aufmerksam machen wollen.

Er will die schon vorhandenen Entwicklungsflächen verbessern und ausweiten, insbesondere, indem er einige von ihnen verbindet oder an den Rändern optimiert.

„Naturschutz liegt uns Förstern am Herzen“, hält Volker Debes Kritikern entgegen, die sagen, Hessen-Forst gehe es darum, maximalen Profit aus dem Wald zu ziehen. (Von Martina Biedenbach)

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