Er vermisste die Ruhe und frische Luft

Serie zum Thema Heimat: Thorsten Born zog von Shanghai zurück nach Röddenau

+
Zogen von Shanghai nach Röddenau: Thorsten Born und seine Ehefrau Lin, die 2010 in China geheiratet haben. Ihre Zwillinge Daniel (links) und Meili kamen in Deutschland zur Welt. 

Röddenau - Heimat ist für viele Menschen ein Ort des Wohlfühlens, der Gemeinschaft und der Identität. Was bedeutet Heimat für Menschen aus der Region? Wir haben nachgefragt.

Mit zwei Koffern reiste er nach Shanghai, mit einem 20 Kubikmeter Container, seiner schwangeren Ehefrau und Tochter Ailin kam er im Jahr 2017 zurück nach Deutschland. Thorsten Born ist wieder in seiner Heimat Röddenau angekommen. Ursprünglich wollte der Familienvater, der in Röddenau aufgewachsen ist, nur drei Jahre in Shanghai bleiben. In einer Schwesterfirma seines aktuellen Arbeitgebers war er als Betriebsleiter tätig. Doch er blieb länger. 2010 heirateten er und seine Frau Lin, 2013 kam ihr erstes gemeinsames Kind zu Welt.

Vier Jahre später sollte es von der größten Stadt Chinas zurück nach Röddenau gehen. Schlechte Luft, viele Menschen und die Lautstärke – es waren Dinge wie diese, die Born seine Heimat vermissen ließen. „In Shanghai lebten wir im 16. Stockwerk eines riesigen Wohnkomplexes. Dort wohnten schon mehr Menschen als in ganz Röddenau“, erzählt der heute 49-Jährige mit einem Lachen im Gesicht. Ruhe wie man sie vom Land kennt, herrschte im Trubel der Stadt fast nie. „Ich kann mich darin erinnern, dass ich nur einmal die Vögel zwitschern hörte. Das war während der Weltmeisterschaft 2010. Wir schauten durch die Zeitverschiebung nachts um drei Uhr Fußball. Gegen sechs Uhr morgens ging es nach Hause – es war kaum etwas los, die Stadt war ruhig. Und da hörte ich dann die Vögel.“

Auch das deutsche Essen vermisste der Qualitätsmanager in Shanghai ein wenig – vor allem Brot und Wurst. Doch auf die typischen Sonntagsbrötchen musste Born auch in China nicht verzichten. „In Shanghai gab es eine chinesische Bäckerin, die ihren Meister in München gemacht hatte. Die Brötchen waren zwar teuer, aber sie waren eben auch ein Stück Heimat.“ Und auch einen chinesischen Metzger, der Fleischwurst und Leberkäse produzierte, entdeckte Born in Shanghai. „Es sind eben manchmal auch die kleinen Dinge, die man vermisst.“

Als seine Frau mit Zwillingen schwanger wurde, stand für die Familie fest: Es geht zurück nach Röddenau. „Ich wollte meine Kinder nicht in Shanghai großziehen. In meinem Heimatort gibt es frische Luft, wir haben viel Platz. Das ist einfach besser für die Kinder.“ Also zog die Familie in Thorsten Borns Elternhaus. Auch für die Rechtsanwältin Lin ist Röddenau zur Heimat geworden: „Hier lebt schließlich meine Familie. Das ist mein Zuhause.“ Manchmal vermisst das Paar dann aber doch Shanghai. „Das Essen, die Sprache, die Freunde – das fehlt uns ab und zu schon. Doch letztendlich fühlen sich beide in Röddenau wohl. „Heimat ist eben ein Gefühl.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.