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Sexismus in der Punkszene: Lesung in Frankenberger Buchhandlung

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Lesung: Diana Ringelsiep (links) und Ulrike Lettermann schildern ihre Erfahrungen als Punks in Willersdorf und Frankenberg bei einer Buchvorstellung in der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg.
Lesung: Diana Ringelsiep (links) und Ulrike Lettermann schildern ihre Erfahrungen als Punks in Willersdorf und Frankenberg bei einer Buchvorstellung in der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg. © Detlef Georgi

Daniela Ringelsiep und Ulrike Lettermann, zwei Frauen, die im Raum Frankenberg aufwuchsen, stellten das Buch „Punk as F*ck“ vor.

Frankenberg – Die Autorin Diana Ringelsiep, die ihre Jugend im Frankenberger Stadtteil Willersdorf verbrachte, war am Wochenende in der Buchhandlung Jakobi zu Gast. Dort stellte die studierte 37-jährige Kulturjournalistin, die im Ruhrgebiet lebt, ihr Buch „Punk as F*ck“ vor, das sie gemeinsam mit Ronja Schwikowski aus Regensburg herausgegeben hat und das jetzt schon in der zweiten Auflage erscheint.

Darin geht es um die Punk-Szene in Deutschland aus der Perspektive von Frauen, Lesben, inter-, nicht- und binär Sexuellen sowie Transgender- und Agender-Personen – kurz FLINTA.

Etwa 30 Interessierte lauschten in Frankenberg den Ausführungen von Diana Ringelsiep und ihrer Freundin Ulrike „Ulli“ Lettermann aus Frankenberg, die auch mit einem eigenen Beitrag in dem Buch vertreten ist. Lettermann, die dreifache Mutter ist, hat sich als Systemische Coachin selbstständig gemacht, zuvor arbeitete die diplomierte Film- und Fernsehwirtin in Dortmund und Berlin.

In dem Buch berichten neben Ringelsiep und Lettermann 48 weitere Frauen über ihre Erfahrungen in der Punkszene. Dabei geht es häufig um Übergriffe sexueller Art, Gewalt und Stigmatisierung. Auch Diana Ringelsiep und Ulrike Lettermann machten solche Erfahrungen. Zunächst in ihren Heimatorten Willersdorf und Frankenberg. Oft trafen sich die Punks am Parkplatz vor dem Landratsamt. „Blöde Sprüche über uns waren an der Tagesordnung“, erinnerten sich beide. Nicht nur Gutbürger und Ewig-Gestrige machten ihnen Probleme, auch innerhalb der eigenen Szene gab es Grenzüberschreitungen und abwertendes Verhalten, berichten die beiden Frauen.

Das Thematisieren dieser Erfahrungen in dem Buch brachte vieles in der Szene in Aufruhr. Die Autorinnen bekamen unzählige Beiträge aus dem FLINTA-Bereich, der in der Punkszene nur eine untergeordnete Rolle spielte. So gibt es kaum weibliche Bands und Rollenvorbilder, die sich in der Vergangenheit einen Namen gemacht haben, sieht man von Ur-Punk-Girls wie den Slits, X-Ray Spex und Bikini Kill ab.

Die Autorinnen zeigen, dass auch die Punk-Szene männerdominiert ist und sich damit kaum von der Normal-Gesellschaft, die die Punks ja ablehnen, unterscheidet, obwohl die Punk-Szene als Raum für Emanzipation gelte. Darüber sprachen Ringelsiep und Lettermann auch im Anschluss an die Lesung mit dem Publikum, wozu auch ein Imbiss gereicht wurde. (Detlef Georgi)

Service

Diana Ringelsiep/Ronja Schwikowski (Hg.): Punk as F*ck: Die Szene aus FLINTA-Perspektive, 448 Seiten, 2. Aufl. ISBN 978-3-95575-187-6, 24

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