Genügend Abstand und verschobene Tanzkurse 

So gehen Frankenberger Tanzschulen mit den Corona-Regeln um

Alessandro Maida, Tanzschule, Hip Hop, B&M Dance Company, Tanzen in Corona-Zeiten, Foto: Jeanine Hunold
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Ungewohnt: Im Kursraum der B&M Dance Company halten die Tänzerinnen rund um Alessandro Maida (rechts im Foto) Abstand zueinander. In Rechtecken von etwa zwei mal zwei Metern bewegen sie sich hier zu Hip Hop-Musik.

Nur etwa zwei mal zwei Meter Tanzfläche: Auf dem Boden im Kursraum der B&M Dance Company in Frankenberg zeigen mit Klebeband abgesteckte Kästchen den vorgeschriebenen Abstand an. Die Corona-Pandemie sorgt in vielen Tanzschulen für einen Ausnahmezustand.

Seit 18. Mai findet der Tanzunterricht der B&M Dance Company nun wieder in den Kursräumen in Frankenberg statt. Im Vergleich zu den vergangenen Wochen ein Fortschritt: Zuvor hatte Choreograf Maida Videos online gestellt, um versäumte Tanzstunden digital weiterzuführen.

„Damit die Tänzer trotzdem üben konnten, habe ich Videos auf Youtube hochgeladen“, erklärt Maida. „Darin habe ich erst die Choreografie erklärt und sie dann einmal durchgetanzt. Die Tänzer konnten die Videos jederzeit abrufen und die Schrittfolgen so auch ohne die Gruppe lernen.“ Die Resonanz auf die Videos sei gemischt gewesen, überwiegend aber positiv.

Trotzdem sei diese Lösung nicht mit der gewohnten Dynamik zu vergleichen:„Es fehlte einfach der Spaß am Tanzen in der Gruppe, der Ausgleich“, bedauert Maida. Trotz der schwierigen Situation sei er aber froh über die Treue der Eltern, die in all der Zeit ohne den Tanzunterricht immer noch den vollen Betrag bezahlt haben.

Damit es möglichst schnell wie gewohnt weitergehen konnte, hat Maida die Kursräume normgerecht gestaltet. „Normalerweise sind bis zu 40 Mitglieder in einem Raum, jetzt dürfen es nur noch zwölf sein“, erklärt der Choreograf. „Die Tänzer dürfen außerdem erstmal nur in eine Richtung tanzen“, fährt er fort.

In der B&M Dance Company herrschen strikte Hygieneregeln: Auf der Facebook-Seite bittet Maida darum, auf das Händeschütteln und Umarmungen zu verzichten. Auch die Umkleidekabinen bleiben dem Facebook-Beitrag zufolge erst einmal geschlossen, um jeglichen Körperkontakt zu vermeiden.

Einen Mund-Nasen-Schutz müssten die Mitglieder beim Tanzen jedoch nicht tragen. Lediglich beim Betreten und Verlassen des Kursraums müssen sie ihn anhaben. „Wir orientieren uns außerdem an dem sogenannten LIFO-System. LIFO steht für Last in - First out: Wer den Kursraum zuletzt betritt, muss ihn dann auch zuerst verlassen“, erklärt Maida.

Vor Corona haben die Tanzgruppen montags und mittwochs gemeinsam trainiert, jeweils circa drei Stunden lang. Jetzt gebe es ein Kurslistensystem, um die Teilnehmerzahl möglichst gering zu halten. Kurse würden aufgeteilt und zu weiteren Uhrzeiten eingeplant.

Nach all den Wochen, in denen die gemeinsamen Kurse flachfielen, können die Tänzer um ihren Lehrer Alessandro Maida nun wieder zusammen neue Choreografien in immer anderen Hip-Hop-Stilen erlernen. Auch, wenn sie sich dabei an ein paar Regeln halten müssen.

Tanzschule Müller braucht mehr Platz

In der Tanzschule von Julia Mül ler in Frankenberg wirbeln wegen Corona derzeit noch nicht viele Paare über das Parkett. „Tanzen ist ein Hobby, das vom Körperkontakt und der Nähe zueinander lebt“, erklärt Betreiberin Julia Müller die Situation auf ihrer Homepage. Sie freue sich aber darauf, diese Philosophie bald wieder voll ausleben zu dürfen. 

Müller lebe „von Menschen, die Partnertanzkurse buchen“. Nun ist ihr dies nicht ansatzweise wie im gewohnten Ausmaß möglich. Wie so viele Betriebe musste auch Müller Kurzarbeit beantragen und war auf die Corona-Soforthilfe angewiesen. „Einige bezahlen ihren Beitrag weiter, wofür ich sehr dankbar bin“, gesteht sie. „Von vereinzelten Hochzeitspaaren, die Privatkurse buchen, kann ich nicht leben.“

Denn nach dem über 70-jährigem Bestehen der Tanzschule liegen alle Partnertanzkurse vorerst auf Eis. Sie entfallen nicht komplett, sondern sind zunächst aufgeschoben, erklärt Müller. Wann genau, sei noch ungewiss, doch sie sei überzeugt, dass alle Unterrichtseinheiten in den ursprünglich geplanten Ferienwochen nachgeholt werden können. Spätestens im August nach den Sommerferien hoffe sie dann auch auf den Beginn der beliebten Schülertanzkurse.

„Ich bin ein ewiger Optimist“, bemerkt die Tanzlehrerin auf die Frage, ob der Betrieb in der Tanzschule in naher Zukunft halbwegs normal wieder aufgenommen werden könne. „Aber es ist schwierig, wenn man pro Paar mindestens fünf Quadratmeter einplanen muss.“ 

Deswegen stünde Müller mit der Stadt Frankenberg bereits wegen einer neuen Räumlichkeit in Verhandlungen, die mehr Platz für Corona-gerechte Tanzstunden zuließe. „Wenn alles gut geht, kann ich schon bald auf 360 Quadratmetern Tanzstunden geben“, sagt die Tanzlehrerin erwartungsfroh.

Volkstanzgruppen pausieren

Hand in Hand bilden in Tracht gekleidete Tänzer einen Kreis, im Takt der Musik heben sie Füße und Arme, ihre Gesichter strahlen: Das sind Bilder, die man vorerst jedoch nicht zu sehen bekommen wird. Denn auch die Volkstanzgruppen aus dem Frankenberger Land sind von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen.

Im November gewann die Landjugend Haubern noch das Volkstanzturnier der Hessischen Landjugend in Rosenthal.

Beispiel Landjugend Haubern: Die Volkstänzer aus dem Frankenberger Stadtteil haben sonst ein reges Vereinsleben. Montags übt die Erwachsenengruppe, mittwochs sind die Kinder an der Reihe und alle vier Wochen findet sich die Oldie-Gruppe zusammen. All das findet jetzt vorerst nicht mehr statt. Maren Koch, Vorsitzende der Landjugend, ist betrübt. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sei es ausgeschlossen, dass sich die Gruppen regelmäßig zum Folkloretanz treffen. Darüber hinaus sei das Dorfgemeinschaftshaus in Haubern, in dem sich die Tänzer sonst zum Üben treffen, schon länger gesperrt. Das Vereinsleben leide sehr unter der aktuellen Situation, so Koch. 

Doch ganz ohne die Gemeinschaft geht es dann doch nicht. So gab es zu Ostern etwa einen Malwettbewerb für die Kindervolkstanzgruppe, bei der die jüngsten Tänzer bunte Bilder einreichen konnten. Und zusammen mit einer befreundeten Gruppe aus München soll bald ein Video aus einzelnen Frequenzen vergangener Tanzauftritte zusammengeschnitten werden. Die Hessische Landjugend biete außerdem ein digitales Weiterbildungsangebot an. Jeden Dienstag um 19 Uhr könne die Landjugend Haubern an Videokonferenzen zu breit gefächerten Themen teilnehmen, erklärt Vorsitzende Koch.

Doch online stattfindende Proben seien undenkbar, sagt sie. „Allein ist es im Volkstanz immer schwierig. Man braucht mindestens acht Personen, um einen richtigen Tanz vollführen zu können. Das geht im Moment nicht“. Die Situation der Landjugend Haubern zeigt, welche Auswirkungen Corona auf ein Vereinsleben hat, in dem man sich sonst auch körperlich sehr nah sei. „Man fasst sich ständig an den Händen“, begründet Koch die momentane Zwangspause.

Sozialen Kontakt habe die Landjugend zurzeit über eine Whatsapp-Gruppe, wo zuletzt eine Rate-Aktion geteilt wurde. Auf Mehrpaarkreise, wie sie für den Volkstanz üblich sind, müssen sie jetzt erstmal verzichten.

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