Soldan-Ausstellung in Frankenberg eröffnet

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Große Humanisten: Im Haus am Geismarer Tor wird das Werk Soldans in das kulturelle Umfeld seiner Zeit eingebettet. Das Foto zeigt zwischen Stelen von anderen Frankenberger Geistesgrößen die Kuratoren Kirsten Hauer und Friedhelm Krause (rechts) und den Besucher Walter Sellmann. 

Frankenberg Mit 250 Gästen ist die Philipp-Soldan-Ausstellung am Sonntag eröffnet worden.

 „Philipp Soldan steht mit seiner Kunst für drei Begriffe: Reformation, Renaissance und wirtschaftliche Prosperität“, erklärte Dr. Dirk Richhardt, Vorsitzender des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel, als er am Sonntag in der Frankenberger Rathausschirn mit seiner Festrede die große Ausstellung „Philipp Soldan, Bildhauer der Reformation“ eröffnete. Die multimediale Soldan-Werkschau wird im Luther-Gedenkjahr bis zum 31. Oktober an drei historischen Stätten Frankenbergs zu sehen sein. (siehe Hintergrund)

Geboren wurde Philipp Soldan um 1500, gestorben ist er etwa 1570. „So reich sein Werk, so gering sind seine Lebensdaten“, bedauerte der Historiker Dr. Richhardt. Umso mehr wisse die Forschung über seine künstlerische Leistung, die weit über Hessen ausstrahlte. Er ordnete den „Formenschnider zum Franckenberg“ ein in die Reihe großer Zeitgenossen, in die „ungeheure Schaulust“ der Renaissance-Menschen, hob berühmte plastische Arbeiten hervor wie Soldans Grabdenkmäler für Landgräfin Christine in der Martinskirche Kassel oder den Philippstein in Haina.

Und Dr. Richhardt hatte seine ganz eigene Sichtweise auf die auch im Kloster St. Georgenberg gezeigten Ofenplatten Soldans mit Bibel-Motiven: „Nicht nur die Klein- und Schmuckformen einer Kirche oder einer Kapelle beeinflussten den Ofenbauer Soldan. Erst wenn wir lernen, einen Ofen als Gebäude, eben als Kirche und Kapelle zu lesen, kommen wir dem Denken von Soldan und auch von Martin Luther näher.“ Nach Ansicht des Historikers verstand „Luther die Liebe Gottes als großen wärmenden Backofen, der Künstler Soldan verstand die Form des Ofens als Kirche, den Schmuck seiner Öfen als eiserne Bibel.“

Leihgabe: Zum ersten Mal im Frankenberger Museum ist dieser Soldan-Balkenkopf mit zwei zierlichen Engelsköpfen zu sehen, den Museumsleiter Heiner Wittekindt den Besuchern erläuterte.

Mit dem Ausstellungsprojekt und dem dazu erschienenen prachtvollen Katalog werde erstmals umfassend das Wirken eines der „profiliertesten Künstler der Renaissance und Reformation“, lobte Kreisbeigeordnete Hannelore Behle. „In diesem Wissen sollten wir Frankenberger uns ruhig eine Scheibe Selbstbewusstsein bei Philipp Soldan abschneiden, die Bedeutung Soldans nutzen und seinen Namen über die Grenzen der Stadt hinweg als Marke etablieren“, schlug Bürgermeister Rüdiger Heß vor.

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