Von NS-regime verfolgt 

100 Jahre SPD in Fankenberg: Ortsgruppe gründete sich mit Novemberrevolution

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Politische Kraft in Frankenberg: Seit dem demokratischen Neubeginn nach Kriegsende 1945 wirken die Frankenberger Sozialdemokraten in der Kommunalpolitik aktiv mit. Das Foto zeigt SPD-Kandidaten zur Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1997, und zwar von links Heinrich Tripp (†), Theo Wallroth, Helmut Ludwigs, Helga Hohn, Susanne Weber, Harald Rudolph, Doris Rudolph, Klaus-Dieter Hoch (†), Erhard Wagner, Norbert Döls (†), Adolf Hesse (†), Karl-Heinz Kessler, Hans-Günther Ullrich (†), Otto Nolte (†) und Karl Lohaus (†). 

Nach Jahren des Verbots und der Unterdrückung traten im Januar 1919 in Frankenberg erstmals Sozialdemokraten öffentlich auf. Das NS-Regime verfolgte sie 1933 erneut. 

Seit 1945 wirkt der SPD-Ortsverein Frankenberg aktiv im politischen Leben der Stadt mit. November 1918: Das Deutsche Reich war zusammengebrochen, die Monarchie hinweggefegt. Eine Revolution beendete vor 100 Jahren den furchtbaren Ersten Weltkrieg, in dem Millionen Menschen sinnlos geopfert worden waren.

Über Nacht mussten auch in Frankenberg die seit Jahren herrschenden konservativen Eliten erkennen, dass Arbeiter- und Soldatenräte die Macht übernommen hatten und so schnell wie möglich für Männer und erstmals auch Frauen „gleiche, freie und geheime“ Wahlen haben wollten. „Unaufschiebbar“, wie eine Resolution des Frankenberger Arbeiter- und Soldatenrates vom 28. November 1918 forderte.

In Berlin bereitete ein „Rat der Volksbeauftragten“ mit je drei Vertretern der Unabhängigen (USPD) und der Mehrheits-Sozialdemokraten (SPD), darunter Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann, die Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 vor.

Auch im Frankenberger Land herrschte Wahlkampf – neben Konservativen, Liberalen und Zentrumspartei traten erstmals Sozialdemokraten öffentlich in Erscheinung. Sie waren unter Bismarcks Sozialistengesetz bis 1890 verboten und auch noch später im Kaiserreich polizeilich beobachtet worden.

In Orten wie Dorfitter, Frankenau oder Löhlbach hatten sie sich als Handwerkervereine getarnt. Durch die „Westfalengänger“ und den Bau der Firma Thonet 1898 waren die politischen Ziele der Arbeiterbewegung längst auch in die Frankenberger Region gelangt.

Für Dienstag, 14. Januar 1919, lud zum ersten Mal „Die sozialdemokratische Mehrheitspartei, Ortsgruppe Frankenberg“ zu einer Wahlversammlung im Beckerschen Saal (später „Sonnenlichtspiele“) ein.

An der Spitze der Frankenberger Sozialdemokraten stand der aus Mecklenburg stammende Zementwarenfabrikant Friedrich Kugel, der durch Bauwerke wie die Ederbrücke bei Asel oder den Eisenbahntunnel bei Wiesenfeld einen guten Namen hatte.

Zusammen mit dem Frankenauer Maurer Konrad Feisel, dem Schneider Krejzi aus Herzhausen, dem Arbeiter Keßler aus Röddenau und dem Kaufmann Max Mildenberg aus Vöhl wurde Friedrich Kugel 1919 zum Vorstand des Kreis-Arbeiterrates gewählt.

Die Frankenberger SPD startete in die junge Weimarer Republik mit einem Stimmenanteil von 37 Prozent, erreichte im März 1919 auf Anhieb sieben von 18 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung. Die 1920er-Krisenjahre warfen die Frankenberger Sozialdemokraten zurück, in der NS-Diktatur ab 1933 litten sie unter Verbot und Verfolgung.

Die Siegermächte übertrugen deshalb 1945 den unbelasteten Sozialdemokraten schon früh wieder Verantwortung. Bei der ersten Kommunalwahl 1946 erhielten sie in Frankenberg 25,5 Prozent. Die SPD wurde zu einem festen Bestandteil demokratischen Lebens in Frankenberg. Sie stellte mit Sepp Waller von 1966 bis 1984 den Bürgermeister der Stadt Frankenberg. Kommunale Projekte wie Altstadtsanierung, Fußgängerzone und Schwimmbadbau wurden in dieser Zeit angestoßen.

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