Welt-Tierschutztag: Streuner-Katzen sind vielerorts ein Problem

In guten Händen: Die beiden Kater sind gerade mal drei Monate alt. Tierheimleiterin Barbara Wachtendorf und ihr Team kümmern sich im Tierheim Frankenberg derzeit um 55 Katzen. Foto: Heinz

Frankenberg. Der kleine Kater maunzt. Er kratzt an der Glasscheibe und will unbedingt etwas menschliche Aufmerksamkeit erhaschen. Leer wird das Katzenhaus wohl nie sein, weder in Frankenberg, noch in irgendeinem anderen deutschen Tierheim. Eine Geschichte zum Welt-Tierschutztag.

Das Bild aus dem Frankenberger Tierheim ist kein Einzelfall: Jedes Jahr werden die deutschen Tierheime von „Katzenschwemmen“ regelrecht in einen Ausnahmezustand versetzt. Dann nämlich werden viele, teils verwilderte Katzen, mitsamt ihrem Nachwuchs abgegeben. Durch die regelmäßigen Überfüllungen in den Tierheimen müssen häufig längere Aufnahmestopps verhängt werden. Dieses Problem kennt auch Barbara Wachtendorf, Leiterin des Tierheims Frankenberg: „Wir setzen uns hier im Landkreis verstärkt für die Kastration verwilderter Katzen ein.“

Wie viele Streunerkatzen es tatsächlich gibt, die unbemerkt von Menschen in Städten und Parks leben, kann niemand so genau sagen. Nach Schätzungen der Tierrechtsorganisation Peta sind es zwei Millionen Exemplare.

Was die Tierheime in Hessen besonders freuen dürfte: Das Landes-Kabinett hat im September den Weg für mehr Tierschutz bei Katzen geebnet. Durch den neuen Beschluss können Städte und Gemeinden in Hessen die Rechtsgrundlage im Bundestierschutzgesetz nutzen und somit Maßnahmen zum Schutz von von freilebenden Katzen ergreifen. Entscheidet sich eine Gemeinde, die neue Verordnung umzusetzen, müssen Halter von freilaufenden Katzen diese kastrieren lassen. „Damit wird den Gemeinden eine große Chance geboten, viele Katzen vor Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten zu schützen“, so die Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz laut Pressemitteilung.

Verbot der Kükentötung 

Und noch etwas tut sich auf hessischem Boden in Sachen Tierschutz: Das Land will die Tötung männlicher Küken verbieten. Bislang wurden in Hessen nach Angaben der Tierschutzorganisation Vier Pfoten jährlich Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet, da sie für die Mast nicht geeignet sind. Eine Frist für die Umsetzung des Verbots fehlt allerdings bislang. Von der neuen Regelung betroffen sind in erster Linie die großen Brütereien - davon gibt es in Waldeck-Frankenberg keine.

Für ein Weiterleben der männlichen Küken setzt sich seit 2013 die „Bruderhahn Initiative e.V.“ ein. Ihr Ziel ist es, auch die männlichen Küken aufzuziehen und zu vermarkten. Nach Angaben der Initiative konnten so 2013 geschätzt 10 000 Bruderhähne aufgezogen werden.

Beim Welttierschutztag ist auch der Deutsche Tierschutzbund mit verschiedenen Aktionen dabei. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Billigfleisch und den Folgen, die die Produktion mit sich bringt.

Der kleine Kater aus dem Frankenberger Tierheim teilt sein Schicksal mit vielen anderen Katzen. Das ist einerseits traurig, andererseits haben die Katzen noch Glück: Sie sind in der Obhut von Tierschützern, die sie pflegen und an neue Halter vermitteln. In anderen Ländern wären sie nach einer gewissen Zeit eingeschläfert worden.

Von Christine Heinz

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