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Tierheim Frankenberg und die Lockdown-Tiere: So ist derzeit die Lage vor Ort

Tierheim Frankenberg: Besonders die Katzen sind unter den Tieren vor Ort sehr beliebt. Im Katzenhaus ist immer was los.
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Tierheim Frankenberg: Besonders die Katzen sind unter den Tieren vor Ort sehr beliebt. Im Katzenhaus ist immer was los.

Wie sieht es derzeit im Tierheim in Frankenberg aus und welchen Einfluss hat Corona auf Tiere und Arbeit? Wir haben mit Leiterin Anke Kratzert gesprochen.

Frankenberg – Dass Arek und Buddy ein eingespieltes Team sind, merkt man bereits im ersten Augenblick. Sie toben miteinander und wirken sehr aufgeweckt. Und das, obwohl sie ein schlimmes Schicksal hinter sich haben. Die beiden Hunde kamen im Mai 2021 mit zwölf anderen durch Fortnahmen vom Veterinäramt ins Tierheim Frankenberg.

Während die zwei Rüden ihre schwere Vergangenheit scheinbar gut verarbeiten konnten, hat ihre Gefährtin Lucy auch nach über einem halben Jahr im Tierheim noch immer mit ihrem Trauma zu kämpfen. Bis heute lässt sich die Hündin nicht einmal anfassen.

Tierheim Frankenberg: „Das Wichtigste ist, dass man diesen Tieren Zeit gibt“

Anke Kratzert, Leiterin des Tierheims in Frankenberg, weiß, wie man mit solch traumatisierten Tieren am besten umgeht: „Man sitzt teilweise stundenlang daneben. Irgendwann fangen sie an zu schnüffeln. Dann sucht man tolle Leckerlis raus, um sie zu bezirzen. Das Wichtigste ist, dass man diesen Tieren Zeit gibt.“

Jährlich mehr als 350 neue Tiere: Anne Kratzert, Leiterin des Tierheims in Frankenberg, erklärt die aktuelle Lage vor Ort.

Die Gründe für die Unterbringung eines Tiers im Heim sind vielfältig: Es gebe immer mal wieder Fortnahmen durch das Veterinäramt, dieses Jahr seien bisher allein auf diesem Weg mehr als 22 Tiere im Tierheim in Frankenberg angekommen, so Kratzert.

„Es gibt Leute, die uns belügen“: Gründe für Unterbringung der Tiere in Frankenberg vielfältig

„Teilweise versterben die Besitzer oder kommen ins Altenheim. Oder es gibt veränderte Lebenssituationen wie Scheidung oder Umzug“, sagt Anke Kratzert. Aber sie muss feststellen: „Es gibt auch viele Leute, die uns belügen. Die erzählen uns davon, dass das Kind eine Allergie gegen das Tier hat. Wir finden dann aber heraus, dass sie einfach keine Lust mehr hatten, sich zu kümmern.“

Im Tierheim in Frankenberg kommen jährlich mehr als 300 Katzen und ungefähr 50 Hunde an. Die meisten Tiere verbringen höchstens ein halbes Jahr dort, bevor sie weitervermittelt werden können. Bevor ein Tier einem neuen Besitzer übergeben wird, erfolgt eine strenge Prüfung durch das Tierheim. Der potenzielle Besitzer muss das Tier mindestens dreimal im Heim besuchen kommen. Außerdem findet ein einwöchiges Probewohnen im möglichen neuen Zuhause statt.

Mit diesen strengen Maßnahmen konnte das Tierheim in Frankenberg eine Rückgabewelle von Tieren, die sich Menschen während des Corona-Lockdowns angeschafft hatten, weitestgehend verhindern. „Es kann im neuen Zuhause aber immer mal zu etwas kommen, das wir vorher nicht wussten. Wir können hier im Tierheim keinen Haushalt nachahmen. So hatten wir kürzlich einen Hund, der eine Futteraggression gegen die Hündin in der neuen Bleibe entwickelt hat“, erzählt Kratzert. „Der Hund ist jetzt aber in einem anderen Zuhause und fühlt sich dort pudelwohl.“

Kam im Mai 2021 mit dreizehn weiteren Hunden durch Fortnahmen vom Veterinäramt ins Tierheim Frankenberg: Der Rüde namens „Buddy“ in der Außenanlage.

Während des Corona-Lockdowns: Tierheim Frankenberg kann Rückgabewelle von Tieren verhindern

Ein normaler Arbeitstag für Anke Kratzert und ihr fünfköpfiges Team startet morgens gegen halb acht. Neben Spaziergängen mit den Hunden und Streicheleinheiten für die Katzen säubern die Mitarbeiter täglich die Katzenklos, Kratzbäume, Hundezwinger und Fressnäpfe. „Wir sagen immer liebevoll: Wir sind Putzfrauen für Tiere“, fügt Kratzert schmunzelnd hinzu.

Das Tierheim finanziert sich hauptsächlich durch Spendengelder. Auch Futterspenden sind möglich. Diese können an öffentlichen Spendenboxen in den umliegenden Geschäften Edeka Schwebel, Fressnapf, Herkules, REWE (Frankenberg und Battenfeld) oder Herkules Baumarkt abgegeben werden. „Futterspenden nehmen wir jederzeit gerne an“, sagt Kratzert.

Auch Besucher sind im Tierheim immer willkommen. Die Tiere können beinahe täglich besucht werden. „An Wochenenden und auch in den Ferien ist immer viel los. Aber es kommt auf das Wetter an. Bei Regen wollen die Leute meistens nicht kommen“, berichtet Kratzert. Während der Besuchszeiten kann mit den Hunden spazieren gegangen werden. Außerdem kann mit den Katzen im Katzenhaus geschmust werden. (Hannah Köllen)

Service: Besuchszeiten täglich (außer Mo. und Do.) 8-12 Uhr und 15-17 Uhr. Anmeldung erforderlich. Tel. 06451/6309.

Aus verschiedenen Gründen hat ein Tierheim in Kassel nun den Vertrag mit der Stadt gekündigt.

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