Hörgenuss für 300 Zuschauer 

Tine Thing Helseth spielte in Frankenberg Trompete

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Überragende Solistin: Echo-Klassik-Preisträgerin Tine Thing Helseth legte wenige Tage vor ihrem 30. Geburtstag einen Tourstop in Frankenberg ein.

Frankenberg. Es war Hörgenuss vom Feinsten: Das Konzert der Norwegerinnen Tine Thing Helseth und tenThing in der Liebfrauenkirche Frankenberg.

Die Veranstaltung des Kultursommers Nordhessen lockte etwa 300 Besucher in die Kirche. Mit charmantem Zungenschlag und sympathischen Versprechern – „Heißt es der, die oder das Dreigroschenoper?“ – entführte Tine Thing Helseth, angekündigt als eine der besten europäischen Solotrompeterinnen, die Zuschauer auf eine musikalische Reise quer durch die Epochen, Länder und Genres.

Wer im Übrigen bei der Ankündigung der klanggewaltigen Brass-Frauen Sorge wegen der möglichen Lautstärke gehabt hatte, konnte beruhigt aufatmen. Die zehn Profis beherrschen ihre Instrumente mühelos und sind so gut aufeinander eingespielt, dass auch kraftvolle Passagen sehr gut auszuhalten waren. Der Name des Ensembles, tenthing, ist übrigens ein Wortspiel aus dem Namen der Leiterin, der Anzahl der Musikerinnen und der englischen Sprache.

Nach mehreren exzellent geblasenen Stücke aus der Barockzeit – „Kann man sagen, Bach ist der Vater oder sogar der König?“ – wandten sich die Musikerinnen moderneren Werken zu, etwa den Rumänischen Tänzen von Béla Bartók. Auf den rhythmisch scharf akzentuierten „Kanonensong“ von Kurt Weill folgten erste Bravorufe aus dem Publikum.

Die erste Konzerthälfte schloss mit Musik aus der nordischen Heimat der Künstlerinnen, nämlich bekannten Sätzen von Edvard Grieg, die die entsprechende Begeisterung hervorriefen.

Nach der Pause verstärkte sich bei zunehmender Dunkelheit die romantische Wirkung der rot-blauen Illuminierung des Altarraums. Dazu spielte Helseth vom Ende des Mittelgangs aus ein elegisches norwegisches Lied, das in den traditionellen Psalm „Ich weiß ein ewiges Himmelreich“ überging.

Einen Themenwechsel gab es mit Auszügen aus dem Musical „Chess“ der ABBA-Männer Björn Ulvaeus und Benny Andersson und schließlich aus dem amerikanischen Erfolgs-Musical „Chicago“. „Hier erzählt eine Frau, warum sie ihren Mann umgebracht hat“, erläuterte Helseth spitzbübisch. „Bei uns könnte man die Geschichte mit zehn multiplizieren.“

Es folgten Songs aus der West Side Story - unter anderem ein „I Feel Pretty“ zum Dahinschmelzen und ein glanzvolles „Tonight“. Zum Abschluss des gut zweistündigen Konzerts spielten die Musikerinnen eine Kurzfassung aus Carmen („Wir haben die vierstündige Oper auf sechseinhalb Minuten geschrumpft“) und ernteten bei „Auf in den Kampf, Torero!“ stehende Ovationen. Eine Zugabe war dem Publikum sicher.

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