Ärztin: "Traumatisierte Flüchtlinge sind Überlebende, nicht nur Opfer"

Expertin: Dr. Jutta Schmid hielt im Frankenberger Gemeindehaus Auf der Burg einen Vortrag über Traumata bei Flüchtlingen. Foto: Battefeld

Frankenberg. Wie man traumatisierten Flüchtlingen adäquat begegnet und ihnen helfen kann, darüber hat die Frankenberger Fachärztin Dr. Jutta Schmid auf Einladung des Netzwerks „Miteinander-Füreinander Flucht-Asyl-Migration" vor rund 70 Zuhörern im Gemeindehaus Auf der Burg informiert.

Sie waren in ihren Herkunftsländern Gewalt, Krieg oder Naturkatastrophen ausgeliefert. Auf der Flucht drohte ihnen Haft, Folter und lebensbedrohlicher Wasser- oder Nahrungsmangel. Und selbst im Aufnahmeland kommen sie nicht zur Ruhe, weil dort eine umfassende Neusozialisierung nötig ist und sie jederzeit mit der Abschiebung rechnen müssen.

Die Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Traumatherapie arbeitet seit vier Jahren mit traumatisierten Flüchtlingen. In ihrem Vortrag - der auch für Laien gut verständlich war - vermittelte sie zunächst Grundlagenkenntnisse über das Trauma und welche Prozesse sich hierbei im Gehirn abspielen und ging dann auf Besonderheiten bei Flüchtlingen ein.

Ihre wohl wichtigste Botschaft lautete: „Nicht ausfragen“. Gerade wenn Betroffene über ihre traumatischen Erlebnisse erzählen würden, könne „alles wieder hoch kommen“. Das Sprechen über das Geschehene könne dann ein erneutes Durchleben des Traumas auslösen - mit allen dazu gehörenden körperlichen Stressreaktionen.

„Wenn Menschen von sich aus reden, achten sie darauf, dass es dem Erzählenden gut tut, und achten auch darauf, dass es ihnen selbst gut tut“, erklärte Dr. Schmid.

„Mitgefühl ist wichtig. Aber wenn sie selbst hilflos werden, können sie nicht mehr helfen.“ Ehrenamtliche Helfer sollten deshalb auch immer den Austausch mit Anderen suchen. „Was mir am meisten hilft, ist, die Flüchtlinge als Überlebende zu betrachten, nicht nur als Opfer. Sie haben es geschafft, Situationen zu überleben, die wir uns kaum vorstellen können“, so die Ärztin.

Da rund 40 bis 50 Prozent der Flüchtlinge unter posttraumatischen Belastungsstörungen litten und sogar bis zu 70 Prozent Traumafolgestörungen entwickelten, müsse man jederzeit mit Traumafolgesymptomen rechnen. „Seien Sie gefasst darauf, aber haben sie keine Angst davor“, riet die Referentin.

„Wenn etwas auftreten sollte, bleiben sie gelassen und halten sie freundliche Distanz.“ Man sollte Flüchtlingen zwar grundsätzlich eine Haltung von Offenheit, Respekt und Wertschätzung entgegenbringen, Grenzverletzungen jedoch vermeiden. Berühren zum Beispiel sei nur mit ausdrücklicher Erlaubnis ratsam.

Von Susanna Battefeld

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