Deutschlandweite Aktion der Katholischen Frauen Deutschlands

Trotz Protesten: Katholische Gemeindereferentin aus Frankenberg predigt in Fulda

Mit dem Purpur-Kreuz und im liturgischen Gewand: So wird Christiane Adler, Gemeindereferentin des katholischen Pastoralverbundes St. Georg-Lahn/Eder, bei ihrer Predigt in Fulda auftreten. Das Purpur-Kreuz ist ein Zeichen der Frauen für die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche. Foto. Harald Hörl/nh
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Mit dem Purpur-Kreuz und im liturgischen Gewand: So wird Christiane Adler, Gemeindereferentin des katholischen Pastoralverbundes St. Georg-Lahn/Eder, bei ihrer Predigt in Fulda auftreten. Das Purpur-Kreuz ist ein Zeichen der Frauen für die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche. Foto. Harald Hörl/nh

Christiane Adler, katholische Gemeindereferentin im Raum Frankenberg, ist eine von zwölf Frauen, die am Tag der Predigerinnen am 17. Mai in einem katholischen Gottesdienst predigt, und zwar in Fulda. Es gibt Proteste konservativer Katholiken dagegen, aber der Fuldaer Bischof duldet die Aktion der Katholischen Frauen Deutschlands.

Frankenberg/Fulda – Frauen dürfen in der katholischen Kirche nicht predigen. Das ist allein Priestern vorbehalten. Für die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), die sich für eine geschlechtergerechte Kirche einsetzt, ist das längst nicht mehr zeitgemäß. Die Vereinigung von 550 000 Mitgliedern ruft deshalb zum zweiten Mal zu einem Tag der Predigerinnen auf – unter dem Motto „12 Orte – 12 Frauen – 12 Predigten.“

Am kommenden Montag, 17. Mai, predigen zwölf Frauen in zwölf verschiedenen Kirchen in Deutschland. Eine von ihnen ist die im Raum Frankenberg und Gemünden tätige katholische Gemeindereferentin Christiane Adler. Trotz Protesten von konservativen Katholiken im Bistum Fulda wird die 58-Jährige ihre Predigt in der Stadtpfarrkirche in Fulda halten.

Die Zahl 12 wurde in Anlehnung an die 12 Apostel gewählt. Die Frauen gehen davon aus, dass es nicht nur männliche Apostel gab, sondern auch weibliche – so wie Junia, die Paulus im Römerbrief (16,7) erwähnt. Bei Junia handele es sich um eine Frau, die im Urchristentum eine wichtige Funktion hatte. Der Tag der Apostelin Junia ist der 17. Mai, und den hat sich die KFD als festes Datum für den Predigerinnentag ausgewählt.

„Das wird in den verschiedenen Bistümern verschieden aufgenommen“, sagt Christiane Adler. „Unser Bischof Gerber toleriert die Aktion der KFD.“

Wie kommt Christiane Adler dazu, als eine von nur zwölf Frauen an dem Tag zu predigen? Sie ist seit 2017 geistliche Begleiterin der Katholischen Frauengemeinschaft des Dekanates Marburg/Amöneburg – und eine von drei Frauen in dieser Funktion im Bistum Fulda. Als diese gefragt wurden, ob eine von ihnen predigen möchte, sagte Adler sofort zu. Soweit wie die Bewegung Maria 2.0, die fordert, dass Frauen Priesterinnen werden dürfen, geht die Gemeindereferentin nicht, aber sie befürwortet das Diakonat der Frau in der Kirche (siehe Interview unten).

Den Gottesdienst in Fulda wird der Präses der örtlichen KFD, Priester Peter Borta, halten. Christiane Adler hat alle Bibel- und Gebetstexte ausgewählt und die musikalische Begleitung coronakonform organisiert. Zwei Messdiener aus Frankenberg werden dem Pfarrer assistieren.

Interview: „Mann und Frau sind als Abbild Gottes geschaffen“

Frau Adler, warum machen Sie beim Predigerinnentag mit?
Da ich schon seit einigen Jahren bei Andachten und ökumenischen Gottesdiensten predige, war es für mich selbstverständlich, dass ich dem Verband der Katholischen Frauengemeinschaft zusagte, als die Anfrage kam. Da der Mensch als Frau und Mann und somit als Abbild Gottes erschaffen wurde, ist es mir wichtig, dies auch nach außen zu zeigen. Die Stellung der Frau in der Kirche und Gesellschaft wird dadurch gestärkt.
Was sollte sich an der Stellung der Frau in der katholischen Kirche ändern?
Frauen sollten im Leitungs-Team einer Kirchengemeinde auf Augenhöhe mit dem Priester mitarbeiten können. Das ist leider noch nicht der Fall. Da es in der Urkirche auch Frauen gab, die als Apostelinnen im Gefolge der Apostel waren und wirkten, befürworte ich das Diakonat der Frau in der katholischen Kirche. Leider ist auch das Amt des Diakons bisher Männern vorbehalten. Diakone spenden das Taufsakrament, predigen, assistieren in Eucharistiefeiern und beerdigen.
Wären Sie selbst gerne katholische Priesterin?
Christiane Adler: Nein. Diese Frage stellt sich mir nicht – wohl aber die Frage, wie oben schon erwähnt, der Diakonin.
Sie arbeiten seit 30 Jahren in der katholischen Kirche. Wie haben Sie Ihre Stellung erlebt – in Zusammenarbeit mit verschiedenen Chefs wie Pfarrer Graf am Anfang und Pater Norbert Rasim heute?
Christiane Adler: In den 30 Jahren habe ich durchaus verschiedene Pfarrertypen erlebt – von sehr hierarisch denkenden Pfarrern über liberalere Priester, mit denen ich gut zusammenarbeiten konnte. In meinen ersten Berufsjahren musste ich mir schon die Rolle der Gemeindereferentin erkämpfen und vieles, zum Beispiel das Wort zum Sonntag in Ihrer Zeitung, wurde mir verwehrt. Aber durch Supervision und meine eigene Entwicklung habe ich mich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt und kann meine Meinung vertreten.
Ist die Organisation Maria 2.0, die unter anderem die Zulassung von Priesterinnen fordert, auch im Frankenberger Land aktiv?
Christiane Adler: So viel ich weiß, gibt es in unserem Pastoralverbund keine Organisation Maria 2.0 und auch ich bin nicht Teil dieser Initiative. Ich bin Mitglied in der Katholischen Frauengemeinschaft, die sicher in einigen Punkten konform mit Maria 2.0 geht und ebenfalls kritisch das Gespräch mit ihren Bischöfen sucht. Ich habe in der KFD meinen Platz gefunden und kann kritisch sein, ohne Feministin zu sein.
Was bedeutet Ihnen persönlich der Glaube, insbesondere der katholische?
Christiane Adler: Ich bin seit meiner Kindheit verwurzelt im Glauben als Diasporakatholikin. Mir ist der Glaube an Jesus als den auferstandenen Sohn Gottes wichtig und meine Beziehung zu ihm. Die heilige Eucharistie ist das Herzstück unseres Glaubens und ist mir wichtig. Wir Katholiken verehren Maria, die Mutter Jesu, in besonderer Weise. Für mich ist sie die erste Christin, die sich zu Jesus Christus bekannt hat, und somit ein Vorbild für meinen Glauben.
Was werden Sie in Fulda predigen?
Christiane Adler:Ich werde über die Wirkkraft des Heiligen Geistes predigen und darüber, dass Christus vorausgesagt hat, dass es immer wieder Streit und Hass in dieser Welt geben wird, dass er, Christus, aber die Welt besiegt hat.

Vorn Martina Biedenbach

Zur Person

Christiane Adler (58) stammt aus Bad Hersfeld, wuchs in einer katholischen Familie in der evangelisch geprägten Region auf, engagierte sich in Kinder- und Jugendgruppen der Katholischen Kirchengemeinde. Nach dem Studium Praktische Theologie in Hildesheim arbeitet sie seit 30 Jahren als katholische Gemeindereferentin – zunächst in Stadtallendorf, dann im Raum Frankenberg und Wetter. Im Pastoralverbund St. Georg-Lahn/Eder, zu dem Kirchengemeinden von Wetter bis Vöhl gehören, ist ihr Dienstsitz in Frankenberg und Gemünden.

Während bis 2020 ein Schwerpunkt die Jugendarbeit war, ist sie nun stärker in der Begleitung von Frauen und Senioren und als Religionslehrerin an der Burgwaldschule tätig. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Battenfeld.

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