Mann nach drei Tagen aus Krankenhaus entlassen

Bonkers in Frankenberg: Türsteher müssen Geld an Disco-Gast zahlen

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Der Bonkers-Club in Frankenberg: Hier soll es zu einer Körperverletzung gekommen sein. Vor Gericht sagte ein mann, er habe Faustschläge von Türstehern kassiert - auch Kabelbinder sollen zum Einsatz gekommen sein.

Zwei Türsteher des Frankenberger Clubs Bonkers sollen einen Gast, der dort Hausverbot hatte, mit Gewalt aus der Discothek verwiesen haben.

Deshalb waren die beiden Männer wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Das Verfahren vor dem Frankenberger Amtsgericht endete mit einer vorläufigen Einstellung. Die Angeklagten – einer aus dem Oberen Edertal, der andere aus dem Raum Waldeck – bekamen vom Gericht aber die Auflage, jeweils 300 Euro an den Geschädigten zu zahlen, der aus dem Frankenberger Land stammt.

Kernfrage des Prozesses war, ob die Security-Mitarbeiter das notwendige Maß überschritten hatten, als sie das 27-jährige Opfer, das seit sechs Jahren ein lebenslanges Hausverbot in dem Club hat, am 17. Dezember 2017 unter Einsatz von körperlicher Gewalt des Lokals verwiesen. Denn, darüber belehrte der Staatsanwalt den Geschädigten: „Das Hausrecht darf durchgesetzt werden – notfalls auch mit Gewalt.“

Nach Vorfall im Bonkers: Mann war drei Tage im Krankenhaus

Laut Entlassungsbericht des Krankenhauses erlitt der Geschädigte Hämatome am Kinn und am linken Mundwinkel sowie Schrammen an der Stirn, eine leichte Rötung des Halses und Nasenbluten. Er wurde nach dreitägigem Aufenthalt entlassen. Der Verdacht einer Hirnblutung bestätigte sich nicht.

Der genaue Tathergang des Vorfalls, der sich gegen 3 Uhr nachts ereignete, konnte auch nach der Vernehmung von vier Zeugen nicht restlos aufgeklärt werden. Während die Angeklagten aussagten, das Opfer habe zunächst nur gelacht und sei kurz darauf „ausgerastet“, als man ihm zum Verlassen des Clubs aufgefordert habe, gab der Geschädigte an, freiwillig mit den Türstehern in Richtung Ausgang gegangen zu sein. Er habe erst „ein bisschen dagegen gehalten“, als man ihm verwehrt habe, seine Jacke zu holen.

Fest steht, dass der Geschädigte bei dem Vorfall zu Boden ging und kurzzeitig bewusstlos war. Am Ende hat er die Diskothek, gestützt von seinen Begleitern, gehend verlassen. Unstreitig ist auch, dass einer der Angeklagten die Hände des Mannes mit Kabelbinder fixieren wollte, den Kabelbinder aber nur an einer Seite befestigte.

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Mitverschulden: Geschädigter setzte sich über Hausverbot bei Bonkers hinweg

Das Opfer gab an, mehrere Faustschläge ins Gesicht bekommen zu haben, zudem sei mit der Hand auf seinen Mund gedrückt worden. Eine Zeugin sagte, dem Geschädigten seien „punktuell die Halsschlagadern zugedrückt“ sowie Mund und Nase zugehalten worden, was von den Angeklagten bestritten wurde. Sie habe die Angeklagten auch darauf hingewiesen, dass dies zur Bewusstlosigkeit führen könne, sagte die Zeugin.

Auf Nachfrage sagte der Staatsanwalt, die vorläufige Einstellung sei gerechtfertigt, da das öffentliche Interesse an einer Bestrafung durch die verhängte Auflage gewahrt sei. Sicher sei auch nicht, ob die Angeklagten einen gemeinsamen Entschluss zu der angeklagten Tat gefasst hätten. Hinzu käme ein „Mitverschulden“ des Geschädigten, der sich über das Hausverbot hinweggesetzt habe.

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Das sagt der Betreiber des Bonkers

Benjamin Battefeld, der das Bonkers mit seiner Familie betreibt, war als Zeuge zu dem Prozess geladen. Er musste nach Einstellung des Verfahrens aber nicht mehr aussagen. 

Der HNA berichtete er auf Nachfrage, dass der 27-Jährige, der in diesem Gerichtsfall das Opfer war, schon mehrfach Lokalverbot in dem Club bekommen hatte, „weil er sich immer wieder geprügelt“ hat: „Das ist jemand, der einfach nur Ärger machen will“, sagte Battefeld. 

Das lebenslange Hausverbot gegen den Mann sei nach einem Vorfall im Dezember 2012 ausgesprochen worden, weil er vor dem Bonkers unter anderem auf Autos eingeschlagen habe. Fünf Jahre später sei der Mann trotzdem wieder ins Bonkers gelangt, weil Battefeld mittlerweile neues Security-Personal hatte, die ihn nicht kannten. Eine Woche später, bei einem zweiten Besuch, kam es zu dem Vorfall, der jetzt vor Gericht verhandelt wurde.

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Wann bekommt man Hausverbot?

Wann bekommt man eigentlich Hausverbot in einer Discothek? „Wenn man sich daneben benimmt“, sagt Benjamin Battefeld, dessen Familie den Bonkers-Club in Frankenberg und die Discothek Utopia in Geismar betreibt. Battefeld nennt einige Beispiele: eine Schlägerei, Diebstahl, Frauen angrapschen, andere Besucher über den Notausgang reinlassen. 

„Man muss aber immer den Einzelfall bewerten“, schränkt er ein. Es sei etwas anderes, ob jemand einfach so eine Schlägerei anfange oder ob einer handgreiflich werde, weil seine Freundin angegrapscht wurde. „Und die Ausrede ’Ich war betrunken’ lasse ich nicht gelten. Jeder muss wissen, wo seine Grenze ist.“

Hier befindet sich das Bonkers in Frankenberg

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