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Überfälle in Frankenberg und Kassel: Täter durch Funkzellen überführt

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Von: Jörg Paulus

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Der Polizei ist in Hessen ein Schlag gegen die Automatensprenger-Szene gelungen. (Symbolfoto)
Symbolfoto © K. Schmitt/Fotostand/Imago

Das Landgericht Marburg hat vier junge Männer Anfang 20 wegen Raub, Erpressung und Körperverletzung zu mehrjährigen Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten Überfälle in Frankenberg, Kassel und Fritzlar begangen. Zwei Täter kommen aus Bad Wildungen, einer aus Frankenberg, einer aus Kassel.

Frankenberg/Marburg – Bei dem Überfall am 3. November 2021 in Frankenberg hatten zwei der Männer einen 18-Jährigen in der SB-Filiale der Frankenberger Bank am Obermarkt überfallen, ein dritter Angeklagter stand draußen „Schmiere“. Der 18-jährige wollte am Automaten Geld abheben, als er von den maskierten Männern mit einer mit Gas geladenen Schreckschusswaffe bedroht wurde.

Sie verlangten das Geld aus seinem Portmonee und forderten ihn auf, weiteres Geld mit der EC-Karte abzuheben. Bei dem jungen Mann war aber nicht viel zu holen – insgesamt 25 Euro. Weitaus höher war die Beute bei einem ähnlichen Überfall eine Woche zuvor in Kassel: rund 1500 Euro.

Gernot Christ, der Vorsitzende Richter in der Verhandlung am Landgericht in Marburg, sprach von Beschaffungskriminalität. „Sie brauchten Geld für ihren Kokainbedarf“, sagte er unserer Zeitung. Zwei weitere Überfälle hätten sich auch im Drogenmilieu abgespielt.

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In dieser SB-Filiale der Frankenberger Bank auf dem Obermarkt in Frankenberg haben die Angeklagten einen 18-Jährigen überfallen. © Jörg Paulus

Die Täter wurden durch Videoaufnahmen in den Banken und eine Funkzellenauswertung überführt: Nur sechs Menschen waren mit ihren Handys zu den beiden Tatzeiten in Frankenberg und Kassel in die Funkzellen vor Ort eingeloggt. Die Überprüfung dieser sechs Personen führte die Polizei schnell zu den Tätern. „Sie hatten ihre Handys bei den Überfällen eingeschaltet, das waren keine Profis“, sagte Richter Christ.

Als die Polizei die Wohnungen der Verdächtigen durchsuchte, fand sie umfangreiches Beweismaterial. Darunter waren auch Kleidungsstücke, die die Täter bei den Überfällen getragen hatten, wie die Videoaufnahmen aus den Banken zeigen.

Tausende Euro Entschädigung für die Opfer

Die Angeklagten waren vor Gericht geständig, trotzdem waren fünf Verhandlungstage nötig, um die unterschiedlichen Beteiligungen der Männer zu überprüfen. Insgesamt wurden 15 Zeugen gehört, darunter Gutachter und auch die Opfer der Überfälle. Die Angeklagten müssen den Opfern Entschädigungen von mehreren Tausend Euro zahlen. Der 18-Jährige, der in Frankenberg überfallen wurde, habe sich danach eine Zeit lang in Behandlung befunden, berichtete Richter Christ.

Weil sie unterschiedlich an den Überfällen beteiligt waren, fielen auch die Urteile gegen die vier Angeklagten unterschiedlich aus. Der 23-jährige Haupttäter aus Bad Wildungen muss für 6 Jahre und 6 Monate in Haft, der 22-Jährige aus Kassel für 4 Jahre. Beide werden in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Der Frankenberger (21) erhielt eine Jugendstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten, der zweite Wildunger (20) eine Jugendstrafe von 18 Monaten zur Bewährung. (Jörg Paulus)

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