Heimpflege wird teurer für Bewohner

Frankenberger Altenzentrum Auf der Burg erhöht Gebühren um knapp 800 Euro

Das Foto zeigt Pfarrer Oswald Beuthert von der Geschäftsführung der Stiftung Hospital Sankt Elisabeth
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Oswald Beuthert von der Geschäftsführung der Stiftung Hospital Sankt Elisabeth

„Das ist ein Hammer“, kommentierte Hermann Dunemann, als er kürzlich von der Stiftung Hospital Sankt Elisabeth per Brief über eine anstehende Erhöhung der Heimkosten informiert wurde: Die Pflegegebühren für seine im Altenzentrum Auf der Burg in Frankenberg lebende Schwester sollen um 757 Euro monatlich steigen.

Frankenberg - „Wir waren alle geschockt“, so der Frankenberger und spricht von einer „Kostenexplosion“, die vermutlich einen großen Teil der 84 Bewohner in die Sozialhilfe „rutschen“ lasse.

Statt 1515 Euro müsse er künftig 2272 Euro monatlich zahlen. „Dazu kommen ja auch noch Gebühren für weitere Leistungen wie beispielsweise Friseur oder Fußpflege“, so Hermann Dunemann. „Wer verfügt schon über so eine hohe Rente?“ Begründet werde die Anhebung des Eigenanteils unter anderem mit einer Erhöhung des Tariflohns der Pflegekräfte.

„Eine gewisse Erhöhung kann ich ja verstehen. Aber nicht um über 700 Euro auf einmal“, sagt Hermann Dunemann. Zumal das Heim jetzt schon seit mehreren Jahren eine Baustelle sei. Die Bewohner seien zum Teil zu zweit in einem kleinen Zimmer untergebracht.

Oswald Beuthert von der Geschäftsführung der Stiftung zeigt im Gespräch mit der HNA Verständnis für die Reaktion der betroffenen Angehörigen, weist aber auch ganz klar darauf hin, dass ein betriebswirtschaftliches Arbeiten ohne die Anpassung des Heimentgelts nicht möglich sei.

„Wir muten den Bewohnern und deren Angehörigen viel zu“, räumt er ein. Anders gehe es aber gar nicht: „75 Prozent der Kosten in einem tarifgebundenen Unternehmen in der Pflegebranche sind Lohnkosten – da ist die Stellschraube relativ gering.“ Allein in den vergangenen vier Lohnrunden in der Diakonie seit Juni 2018 sei das eine Erhöhung von 11,12 Prozent.

„Das muss refinanziert werden“, gibt er zu bedenken. „Wenn wir nicht den Preis nehmen, mit dem wir die entstehenden Kosten decken können, verabschieden wir uns aus der Pflege.“ (Siehe auch Hintergrund).

Das Problem sei, dass die gestiegenen Kosten nach dem Gesetz auf die Bewohner umgelegt werden. „Die Zuzahlung der Pflegeversicherung bleibt dagegen konstant und erhöht sich nicht.“ Das sei „starker Tobak“, aber von der Sozialgesetzgebung so vorgegeben.

„Uns fehlt eine klare Pflegereform“, sagt Beuthert. Es könne nicht angehen, dass alle Kostensteigerungen beim Bewohner landen.

Unglücklich sei auch, dass die Heimträger verpflichtet seien, die Bewohner über die Erhöhung zu informieren, bevor die gewünschten Pflegesätze überhaupt verbindlich mit den Kostenträgern (Verbände der Pflegekassen und Sozialhilfeträger) verhandelt worden seien.

„Wir werden die Erhöhung aber nicht wegdiskutieren können. Wer gute Pflege haben will, der muss auch dafür bezahlen.“

Sanierungsarbeiten des Altenheims auf der Burg stehen kurz vorm Abschluss

Hinsichtlich der laufenden Sanierung des Altenzentrums auf der Burg kann die Geschäftsführung, die aus Pfarrer Oswald Beuthert und Stefan Kiefer besteht, Positives vermelden: „Wir werden im Herbst fertig“, kündigten sie auf Nachfrage der HNA an. „Dann ist das Gebäude komplett fertig.“

Nach der rund fünf Millionen Euro teuren Modernisierung des 1977 erbauten Altenheims stünden dann 81 Einzelzimmer zur Verfügung.

Das Altenzentrum Stiftung Hospital Sankt Elisabeth auf der Burg in Frankenberg wird seit 2016 für rund fünf Millionen Euro umfassend saniert. Nach Auskunft des Pressesprechers Oswald Beuthert werden die Arbeiten in diesem Herbst abgeschlossen. Das Altenheim verfügt dann über 81 Einzelzimmer.

Wie bereits berichtet, wurden auf allen Stockwerken Einzelzimmer geschaffen. Zudem gibt es künftig drei Wohnbereiche mit fünf Hausgemeinschaften, ausgestattet mit Wohnküchen und zwei Pflegebädern.

„Im Zuge der Renovierungsmaßnahmen wird der Brandschutz den heutigen Anforderungen entsprechend hergestellt. Auch wird es nach Fertigstellung der Baumaßnahme ein Bewohner-Wlan geben, so dass auch moderne Medien genutzt werden können“, ergänzte Oswald Beuthert.

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