Interview mit Chef des Kaufmännischen Vereins

Verkaufsoffener Sonntag in Frankenberg war gut besucht

Verkaufsoffener Sonntag, Frankenberg, verkaufsoffen, Geschäfte, Foto: Jeanine Hunold
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In Frankenberg hatten zwölf Geschäfte des Kaufmännischen Vereins am 24. Mai ausnahmsweise geöffnet.

In Frankenberg hatten einige Geschäfte des Kaufmännischen Vereins am Sonntag, 24. Mai, von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Im Interview erläutert der Vorsitzende der Kaufleute, was die Aktion mit der Corona-Krise zu tun hat.

+++ Aktualisiert am 24. Mai um 22.50 Uhr +++ Auch ohne Rahmenprogramm war der verkaufsoffene Sonntag am 24. Mai in der Frankenberger Innenstadt gut besucht. Zwölf Mitgliedsbetriebe des Kaufmännischen Vereins nutzten die zusätzliche Möglichkeit der Sonntagsöffnung in der Corona-Krise. 

Die Kunden nahmen das Angebot offensichtlich gerne an, auch wenn die Besucherzahl längst nicht die der Stadtfeste erreichte. „Trotz Corona waren die Besucher entspannt und kauffreudig. Der Sonntag war für uns auf alle Fälle positiv“, bilanzierte beispielsweise Anja Eichler, Filialleiterin im Schuhhaus Heinmüller.

Verkaufsoffener Sonntag: Anja Eichler (rechts), Filialleiterin im Schuhhaus Heinmüller, mit den Kundinnen Andrea Schwab (Mitte) und ihrer Tochter Emma.

Im Interview, das wir vor dem verkaufsoffenen Sonntag geführt haben, zieht André Kreisz, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins in Frankenberg, eine Zwischenbilanz nach der Wiederöffnung der Läden in der Corona-Krise. Und er erklärt, warum der verkaufsoffene Sonntag am 24. Mai für die Einzelhändler derzeit so wichtig ist.  

Herr Kreisz, seit einem Monat dürfen Geschäfte in Hessen wieder öffnen. Waren die Entscheidung und der Zeitpunkt aus heutiger Sicht richtig?

André Kreisz: Die Entwicklungen zeigen keinen massiven Anstieg der Infektionszahlen. Aus heutiger Sicht kann man daher sagen, dass es höchste Zeit wurde, denn selbst das größte Kaufhaus Deutschlands, das KaDeWe in Berlin, durfte vor uns öffnen. Natürlich hat die Wahrung der Hygienevorschriften die höchste Priorität, jedoch müssen wir in unseren Klein- und Mittelzentren nicht mit den Frequenzen einer Großstadt rechnen.

Kunden dürfen nur mit Maske in die Läden, es gelten Mindestabstände und Einlassbeschränkungen. Wie gut kommen Mitarbeiter und Kunden mittlerweile damit zurecht?

Kreisz: Die Regelungen sind mit den ländlichen Frequenzen sehr gut umsetzbar. Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter haben sich an Mindestabstände gewöhnt. Mit Beginn der Maskenpflicht wurde zuerst ein Frequenzeinbruch deutlich, denn Masken sind neu für unsere Kunden. Wir finden es bemerkenswert, wie gut sich unsere Mitarbeiter an die schwierigeren Arbeitsbedingungen angepasst haben. Dies macht uns Mut, dass sich auch unsere Kunden noch mehr an das Tragen der Maske gewöhnen und wieder Spaß am Einkauf finden.

Hat sich das Kaufverhalten geändert?

Kreisz: Es wird derzeit gezielter gekauft. Der Kunde kommt oft mit einem konkreten Bedarf. Das Bummeln und Genießen müssen wir wieder neu lernen.

André Kreisz, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins Frankenberg.

Können Sie den Umsatz und die Kundenfrequenz mit der Zeit vor Corona vergleichen?

Kreisz: Um an die Zeiten vor Corona anknüpfen zu können, wird es noch einige Zeit dauern. Einkaufswege werden heute gezielter erledigt, die Gastronomie wird erst vorsichtig getestet. Wir bemerken aber, dass die Kunden nach so langem Verzicht nun zusehends mehr Lust auf Einkaufserlebnisse bekommen. Da sie merken, dass der örtliche Handel die Hygienekonzepte ernst nimmt, bekommen sie auch Mut, wieder mehr in die Geschäfte zu gehen.

Einige Geschäfte in Frankenberg haben am 17. Mai schon die Möglichkeit genutzt, sonntags zu öffnen. Am 24. Mai hatten weitere Geschäfte von 13 bis 18 Uhr auf. Wie wichtig ist das, um Verluste zu kompensieren?

Kreisz: Wir haben mit massiven Ausfällen sowohl durch Schließung als auch durch die Beschränkungen zu kämpfen. Da wir über Wochen keinen Abverkauf hatten, die Ware aber bereits mit sechsmonatigem Vorlauf eingekauft wurde, sind unsere Bestände entsprechend sehr hoch. Zusätzliche Verkaufstage können die Ausfälle nicht kompensieren, aber jeder Umsatz ist hilfreich, um unseren lokalen Handel funktionsfähig zu halten. Wichtig ist mir an der Stelle klarzustellen, dass es in nächster Zeit kein Stadtfest geben wird. Keine Buden, Fahrgeschäfte, Straßenmusik oder Rahmenprogramm. Die Geschäfte öffnen am Sonntag wie in der Woche auch. Der Kaufmännische Verein hat folglich auch kein „Marktrecht“. Jeder Betrieb ist einzeln dafür verantwortlich, die Vorschriften einzuhalten. Wir bieten damit einen zusätzlichen Einkaufstag und keine Festveranstaltung.

Hat der Online-Handel der heimischen Kaufleute durch die Corona-Krise zugenommen? Oder haben sich die Kunden in der Zeit der Schließungen daran gewöhnt, bei Amazon und großen Versandhäusern im Internet zu bestellen?

Kreisz: Welche Kanäle jeder nutzt, ist branchenabhängig und eine Frage der Firmenstrategie. Sicherlich sind Bedarfe während der Schließung auch online gedeckt worden. Jedoch haben wir auch erfreuliche Gegenentwicklungen feststellen können. Lokal einzukaufen und die Region in allen Wirtschaftszweigen zu stärken, liegt vielen Kunden sehr am Herzen. Selbst einige regelmäßige Onlinekäufer haben bewusst während der Schließung auf nicht notwendige Einkäufe online verzichtet, um im Anschluss den lokalen Handel zu unterstützen. Unsere Kunden möchten das lokale Einkaufserlebnis, spannende Events und die persönliche Beratung langfristig nicht durch weitere Leerstände missen müssen. Es ist für alle wahrnehmbar, wie sehr wirtschaftliche Prozesse ineinander greifen. Wir können froh sein, dass wir viele regionale Betriebe haben, die sicher global denken müssen, aber stark regional handeln. Das macht uns ebenfalls zuversichtlich.

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