Fundtier muss bei Gemeinde gemeldet werden

Verletztes Tier entdeckt: Wie verhält man sich richtig?

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Die Katze Lili hat Glück gehabt und im Tierheim Frankenberg ein schönes Leben. Natürlich hofft sie wie alle anderen Tierheim-Bewohner auf ein Für-immer-Zuhause.

Waldeck-Frankenberg – Eine verletzte Katze läuft die Straße entlang. Es ist Freitag nach 18 Uhr. Das Tierheim hat geschlossen. Wie verhält man sich in so einem Fall? Darüber haben wir mit Experten gesprochen. 

„Zunächst einmal ist die Unterscheidung zwischen Fundtieren, herrenlosen Tieren und frei lebenden Katzen wichtig“, sagt Veterinärmedizinerin Dr. Angela Knoche. „Bei Fundtieren handelt es sich um verlorene oder entlaufene Tiere, die aber einen Eigentümer haben. Herrenlose Tiere sind Tiere, deren Eigentümer den Besitz aufgegeben hat. Freilebende Katzen gehören niemanden. Werden sie aber von jemanden gefüttert, eignet diese Person sich dem Tier an.“

Wer ist zuständig?

Zuständig sei die Ordnungsbehörde, also die jeweilige Gemeinde, sagt Dr. Knoche. Falls möglich, kann man versuchen, das Tier einzufangen und ins Tierheim oder bei Verletzung zum Tierarzt zu bringen.

Hat das Tierheim geschlossen, ist das Tier unverletzt und niemand erreichbar, bleibt die eigenständige Unterbringung. Das Tierheim Frankenberg habe morgens ab 7.30 Uhr offen, sagt Anke Kratzert vom Tierheim.

„Einen Hund kann man festbinden oder ins Haus locken. Bei Katzen ist es schwieriger. Versuchen kann man es mit Futter, wie Käse oder Hähnchen“, sagt Kratzert. Milch sollte man ihnen nicht anbieten. Katzen vertragen sie nicht. Ideal wäre eine Transportbox oder ein Karton mit Luftlöchern.

Dabei gilt: Ruhe bewahren und die eigene Sicherheit nicht aufs Spiel setzen. Scheitert der Versuch, das Tier einzufangen, bleibt nur die Meldung, dass ein verletztes Tier gesichtet wurde. In einem Fall wie mit der Katze in Haubern, stelle das Tierheim eine Lebendfalle auf, sagt Anke Kratzert.

Ein Fundtier muss bei der zuständigen Gemeinde gemeldet werden. Diese sei für die Unterbringung und eventuelle Behandlungskosten zuständig.

Die Ordnungsbehörde nehme dann Kontakt mit dem Tierheim und bei Bedarf dem Tierarzt auf, sagt Reiner Grün von der Stadtverwaltung Frankenberg.

Wenn Krankheit oder Tod eines Tieres droht, ist das laut Gesetz eine Störung der öffentlichen Ordnung. Das gilt auch bei herrenlosen streunenden Tieren. Alle Gemeinden seien im Tierschutzverein, sagt Grün. Wird ein Tier länger als 180 Tage im Tierheim untergebracht, werden die Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt, erklärt er.

Muss ich zahlen?

Auch die Frage der Kosten spielt bei vielen, die ein Tier finden, eine Rolle. Muss ich die Rechnung bezahlen, wenn ich das Tier zum Tierarzt bringe? „Wenn die Ordnungsbehörde nicht erreicht werden kann oder keine Zeit bleibt, die Zustimmung der Gemeinde abzuwarten, kann der Finder die Aufgabe der Behörden erfüllen“, sagt Dr. Knoche. Das heißt: zum Tierarzt bringen. Wichtig ist, dass es eine Notsituation ist, um den „Aufwendungsersatzanspruch“ geltend zu machen.

Hat ein Tier einen Besitzer, der die Mindestanforderungen der Tierhaltung nicht einhält, ist das ein Fall für das Veterinäramt. Dieses leitet Maßnahmen ein. Möglich sind Verfügungen, Fortnahme des Tieres und Geldbußen, sagt Dr. Knoche.

Die Polizei anrufen

„Grundsätzlich kann man die Polizei anrufen, wir versuchen, dann zu helfen“, sagt Jörg Dämmer von der Polizei Waldeck-Frankenberg. Selber aufnehmen könne die Polizei die Tiere nicht. Wenden sich Menschen an sie, kontaktieren sie das zuständige Tierheim. „Grundsätzlich ist natürlich der Besitzer in der Pflicht, aber gerade bei Katzen ist das schwierig“, erzählt Dämmer. Bei Hunden wird versucht über die Hundemarke den Besitzer zu finden.

Ihm sind die Schwierigkeiten beim Auffinden verletzter Tiere bewusst. „Auf jeden Fall muss man das Tier melden“, sagt Dämmer, „als Polizisten sind wir nicht verpflichtet, es besteht aber eine moralische Pflicht.

Bei einem Verkehrsunfall am Mittwochmorgen auf der Landesstraße zwischen Korbach und Goddelsheim ist ein Pferd ums Leben gekommen.

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