Ehemaliger Ortsvorsteher berichtet von der Legende

Sagenhafter Ort: Bei Viermünden spukt ein kopfloser Kutscher über den Kreuzweg

Viermünden. Es ist eine gruselige Vorstellung: Mitten in der Nacht fährt eine gläserne, mit einem Sarg beladene Kutsche durch den Wald, die noch dazu von einem Kutscher ohne Kopf gelenkt wird.

Ort des unheimlichen Geschehens ist der sogenannte Kreuzweg am Hermannsberg, der Viermünden und Sachsenberg verbindet.

„Das Ganze spielte sich sich aber immer nur in den Nächten ab, in denen der Vollmond auf einen Sonntag fiel und dann genau um Mitternacht“, betont Heinrich Grebe aus Viermünden. Der ehemalige Ortsvorsteher kennt die geheimnisvolle Sage von früher. „Das wurde mir schon als Kind von meinen Vorfahren überliefert“.

Dass es sich bei dem Kutscher um den Raubritter Johann von Dersch gehandelt haben soll, wie es in Adolf Böhles Buch „Sachsenberg – Geschichte und Sage“ nachzulesen ist, (siehe auch Hintergrund) kann Grebe indes nicht bestätigen. Das sei ihm gegenüber nie so erzählt worden.

Ein sagenhafter Ort: Der kopflose Kutscher auf dem Kreuzweg am Hermannsberg zwischen Viermünden und Sachsenberg. Die Sage wurde beim Viermündener Jubiläumsfest nachgestellt. Archivfoto: Scholl

Überliefert sei aber, dass ganz in der Nähe ein Galgen gestanden habe. „Viermünden hatte ja früher die Gerichtsbarkeit inne“, berichtet Grebe, der heute selbst Besitzer eines Waldstücks in der Gemarkung „Auf dem Galgen“ ist.

Dass der Kreuzweg schon immer als ein mystischer Ort angesehen worden sei führt Grebe darauf zurück, dass Sachsenberg früher eine Art „Nahversorgungszentrum“ für die Viermündener gewesen sei. „Das war zu Fuß schneller zu erreichen als Frankenberg und dementsprechend wurde der Weg oft benutzt.“ Noch heute gebe es den Flurnamen „Resterdorn“, was auf einen Rastplatz auf halber Wegstrecke nach Sachsenberg hindeute.

Er kennt die Sage vom Hof Hermannsberg: Der ehemalige Viermündener Ortsvorsteher Heinrich Grebe. Foto:  Battefeld

Tatsache ist, dass dort oben– wo die sagenumwobene Kutsche entlanggefahren sein soll – auch noch die steinernen Überreste des ehemaligen Hof Hermannsberg zu sehen sind.

„Der Name ist auf Hermann von Viermünden zurückzuführen, der den Hof zu einem Rittersitz ausbaute“, so Grebe. Der 80-Jährige erinnert sich daran, dass er dort als Junge mit seinen Freunden „verbotenerweise herumgestromert“ sei. „Sonntags nach dem Mittagessen sind wir los in den Wald und haben auch in dem damals noch zugänglichen Hermannskeller gespielt.“

Heinrich Grebe erinnert sich auch noch gut daran, dass in dem Festzug zur 1100-Jahr-Feier Viermündens in 1950 eine gläserne Kutsche mitgeführt worden sei. „Ich habe deswegen zur 1150-Jahr-Feier vor 18 Jahren angeregt, dass wir die Sage ebenfalls aufgreifen und zum Jubiläumsfest thematisieren.“ Hierzu sei eine Kutsche aufwendig präpariert worden und Pferdehalter Erhard Salzmann sei – scheinbar kopflos – zu vorgerückter Stunde, vor den staunenden Blicken der Viermündener mit der Kutsche am Festplatz nahe dem Dorfgemeinschaftshaus vorbeigefahren.

Das Areal des ehemaligen Rittersitzes auf dem Hermannsberg ist übrigens für Wanderer frei zugänglich. Das Kellergewölbe dürfe man jedoch aus Sicherheitsgründen nicht betreten, betont Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand. Erst kürzlich seien neue Hinweisschilder aufgestellt und der Weg freigeschnitten worden. Der Viermündener Heimat- und Kulturverein plane im August ein Picknick auf dem Hermannsberg, teilte Armand mit.

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