Schulöffnung nach sieben Wochen

Schulen in Waldeck-Frankenberg haben wieder mit Unterricht begonnen

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Auch im Klassenraum gelten neue Abstandsregeln. Eine Mund-Nasen-Maske zu tragen wird den Schülern empfohlen, ist aber keine Pflicht.

Nach rund sieben Wochen Pause hat für Schüler von Abschlussklassen der Unterricht wieder begonnen. So war der Start an der Burgwaldschule in Frankenberg.

  • In Hessen fand seit Montag, 16. März, an allen Schulen kein regulärer Unterricht mehr statt.
  • Ab Montag, 27. April, wird der Schulbetrieb schrittweise wiederaufgenommen.
  • Für die zurückgekehrten Abschlussklassen gelten Abstands- und Hygienegebote

Nach rund sieben Wochen Unterrichtsausfall durch die Corona-Krise und die Osterferien hat für Schüler von Abschlussklassen der Haupt-, Real- und Berufsschulklassen sowie die 12. Klassen der Gymnasien gestern wieder der Unterricht begonnen. Für die übrigen Jahrgänge ist weiter „Homeschooling“ (also: lernen zu Hause) angesagt. 

Burgwaldschule Frankenberg: Schulöffnung mit neuen Vorgaben für Schüler und Lehrer

Die Pause hat begonnen. Auf dem Schulhof der Burgwaldschule in Frankenberg haben sich die Schüler in Gruppen zusammengefunden. Viele bemühen sich, den Abstand von 1,5 Metern zu ihren Freunden einzuhalten um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden, doch nicht alle Schüler halten sich an die Vorgaben.

In diesen Fällen werden sie von den aufsichtführenden Lehrern an die neuen Regeln erinnert. „Wir haben die Pausenaufsicht verstärkt“, sagt Helmut Klein, Schulleiter der Burgwaldschule. „Wenn der Abstand nicht eingehalten wird, ist das kein böser Wille, sondern nur Gewohnheit“, sagt er.

Burgwaldschule Frankenberg: Nur wenig Schüler auf dem Schulhof

In die Schule zurückgekehrt sind rund 100 Zehntklässler, die Ende Mai ihren Realschulabschluss machen. Einige Jugendliche tragen Mund-Nasen-Masken, so etwa Alexandra Maurer. „Uns wurde geraten Masken zu tragen, aber es ist keine Pflicht“, sagt die 16-Jährige. Mit ihren Freundinnen hat sie sich für ein paar Minuten in die Sonne gesetzt. Die Mädchen versuchen, den Abstand einzuhalten.

Verbringen ihre erste Pause nach der Schulöffnung gemeinsam, aber mit Abstand: (von links) Vivien Tkacenko, Alexandra Maurer, Ronja Barthel und Lilli Mengel. Die Schülerinnen der 10. Klasse an der Burgwaldschule in Frankenberg sind sich des Ansteckungsrisikos bewusst.

Dass nur so wenige Schüler da sind, sei eine ungewohnte Situation: „Der Schulhof ist so leer“, sagt Vivien Tkacenko. Klassenkameradin Lilli Mengel steht der Schulöffnung kritisch gegenüber: „Wir haben nun das Risiko uns in der Schule zu infizieren und unsere Familie anzustecken“, sagt Lilli Mengel. Am liebsten hätten die Schülerinnen, dass die Abschlussprüfungen ausfallen.

Burgwaldschule Frankenberg: Schüler sehen Notwenigkeit von Abstandsgebot ein

Auch Maximilian Kroll, Ali Serekaya, Moritz Koch und Max Ochse könnten gut auf ihre nahenden Prüfungen verzichten. Maximilian Kroll ist der Ansicht, dass eine gute Prüfungsvorbereitung auch zu Hause möglich ist. Außerdem zweifelt der 16-Jährige daran, dass das Tragen von Mund-Nasen-Masken eine Ansteckung mit dem Coronavirus verhindern kann.

Maximilian Kroll (von links), Ali Serekaya, Moritz Koch und Max Ochse achten auf ausreichend Abstand, sind von der Wirksamkeit eines Mund-Nasen-Schutzes aber nicht überzeugt. In der Schule ist er keine Pflicht.

„Auch unsere Hände sind ein Risiko“, sagt er. Wichtiger als einen Mundschutz zu tragen, sei es, sich an das Abstandsgebot zu halten. „Es ist eine komische Situation“, sagt Moritz Koch. Die Abschlussklassen an der Burgwaldschule sind, in zwei Gruppen geteilt, um die vorgeschriebene Anzahl von maximal 15 Schülern pro Klassenraum nicht zu überschreiten.

Auch im Hinblick auf die Zeit nach seinem Abschluss hat Koch ein mulmiges Gefühl. Wegen der Corona-Krise und ihren Auswirkungen fürchtet er, keine Arbeit zu finden.

Burgwaldschule Frankenberg: Neue Sitzordnung im Klassenraum

Nach der Pause kehren die Schüler in die Klassenräume zurück. Auch hier sieht es anders aus als vor Corona. An je einem Doppeltisch sitzt nur ein Schüler und die Tische stehen weit auseinander.

Nur maximal 15 Schüler darf eine Lerngruppe in der Corona-Krise zählen. Unterrichtet werden sie nur in den Hauptfächern. Hier ein Besuch in der Englischstunde bei Sandra Denman. 

„Es ist ungewohnt, so viel Abstand zu halten, wenn man seine Freunde am liebsten umarmen möchte“, sagt Kyra Fürst aus Frankenberg. Die 17-Jährige trägt an diesem Schultag zum ersten Mal während der Corona-Krise eine Maske.

Ihre Klassenkameradin Desireé Grünewald hat nicht nur ihren Mund und ihre Nase bedeckt, sondern trägt auch Handschuhe. „Ich komme aus einer Familie mit Risikopersonen und möchte nicht, dass meine Eltern krank werden“, sagt die 17-Jährige aus Frankenberg.

Aufgrund der Hygieneaufklärung durch die Schule sind sich die Jugendlichen auch bewusst geworden, wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen. „Man wäscht sie sich jetzt öfter und länger“, sagt Anna Heinze aus Frankenberg.

Burgwaldschule Frankenberg: Auch im Bus achten die Schüler auf ausreichend Abstand

Zur Schule sind die Zehntklässler je nach Wohnort unterschiedlich gekommen, mit dem Bus, dem Auto oder zu Fuß. „Manche wollten aus Gewohnheit vorne in den Bus einsteigen, obwohl er nur hinten die Tür aufgemacht hat“, sagt Jana Tschirch aus Rengershausen.

Auch Lea Marie Fleck aus Röddenau ist mit dem Bus gefahren. „Da setze ich mich lieber nicht hin, denke ich, wenn der Abstand zu anderen Mitfahrern nicht passt“, sagt die 16-Jährige.

Burgwaldschule Frankenberg: Schulleiter beurteilt den ersten Tag

„Bislang spielen alle – Schüler und Lehrer – gut mit“, sagt Helmut Klein, Schulleiter der Burgwaldschule, über den ersten Tag. Vonseiten der Schüler kämen neben konstruktiven Ratschlägen allerdings auch mal kritische Stimmen zur Schulöffnung trotz Corona. Die maximal 15 Schüler zählenden Lerngruppen sind auf den gesamten Gebäudekomplex verteilt.

Sie nutzen unterschiedliche Wege zu ihren Räumen – das soll das Ansteckungsrisiko senken. Außerdem haben sie laut Klein unterschiedliche Toiletten zugewiesen bekommen. Noch haben alle gleichzeitig Pause. „Wenn es sich nicht bewährt, müssen wir das ändern“, sagt Klein.

Burgwaldschule Frankenberg: Unterricht für Abschlussklassen nur in den Hauptfächern

Unterrichtet werden die Abschlussklassen derzeit von rund 25 Lehrern ausschließlich in den Hauptfächern Englisch, Mathe und Deutsch. Vor der Schulöffnung bekamen die Schüler per Post ihren aktuellen Stundenplan zugeschickt.

Laut Klein arbeiten Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, von zu Hause aus und versorgen die übrigen Schüler mit Lernmaterialien. Außerdem gibt es eine Notbetreuung für Kinder aus den 5. und 6. Klassen, deren Eltern in systemrelevanten Berufen beschäftigt sind. Auch wenn von der Entscheidung bis zur Umsetzung der Schulöffnung nur rund zehn Tage liegen, lobt Klein die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Schulamt.

Schulöffnung in der Corona-Krise: An die Ortenbergschule in Frankenberg kehren die Abschlussklassen von Haupt- und Realschule zurück. Doch es gelten Corona-Regeln.

Alle Infos und Neuigkeiten rund um Corona in Waldeck-Frankenberg finden Sie in unserem News-Ticker.

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